Zum ersten Januar 2025 werden die Preise für die Fernwärme in Großkrotzenburg über verschiedene Preisbestandteile faktisch mehr als verdoppelt. Auf Hausbesitzer können so monatliche Wärmekosten von über 476 Euro zukommen! Da die neue klimaneutrale Wärmeversorgung mittels Flusswasserpumpen voraussichtlich erst ab dem 2. Quartal 2026 in Betrieb geht, ist die Gemeinde von dem bisherigen Wärmeerzeuger Uniper abhängig.
"Bürgermeisterin Theresa Neumann (CDU), die auch die Vorsitzende des Aufsichtsrats der Gemeindewerke ist, begnügt sich damit, zu klagen, dass diese Situation aus dem bundespolitischen Versagen herrühre. In Wirklichkeit handelt es sich hierbei um ihr Versagen bei den Preisverhandlungen mit Uniper. Uniper interessiert es nicht, dass der Wassersportverein, der das Hallenbad am Ort betreibt, die Fernwärmekosten nicht mehr stemmen kann. Neben den Sportlern des Wassersportvereins, auch aus andern Gemeinden, wird das Hallenbad auch von den Schulen im Umkreis für den Schwimmunterricht genutzt. Bisher hatte Uniper dem Wassersportverein ein größeres Wärmekontigent kostenfrei zur Verfügung gestellt. Diese Abmachung hat man jetzt gekündigt", so die "Krotzebojer Grüne" in einer Pressemitteilung.
Und weiter: "Ebenso scheint es Uniper egal zu sein, ob die Gemeindewerke Großkrotzenburg zukünftig die Fernwärmeversorgung aufrechterhalten können. Bereits jetzt besteht ein Defizit von 600.000 Euro für das anstehende Quartal, da Uniper die hohen Wärmeerzeugungskosten bereits ab dem 1. Oktober fordert. Bei diesen horrenden Fernwärmepreisen ist zu befürchten, dass eine größere Anzahl von Fernwärmekunden abspringen wird. Ob die Gemeindewerke die Bereitstellungskosten für die Fernwärme, die auch bei einem geringeren Wärmebezug zu zahlen sind, dann noch aufbringen kann, ist nicht sicher. Eine Insolvenz der Gemeindewerke wäre durchaus möglich. Diese Punkte sollten der Rathauschefin jedenfalls nicht gleichgültig sein, deswegen ist jetzt eine klare Ansage der Bürgermeisterin gegenüber Uniper erforderlich, damit das Unternehmen sich seiner Verantwortung für die Standortgemeinde bewusst wird. Bisher war die Gemeinde in Verhandlungen mit Uniper immer viel zu nachgiebig! Jetzt muss Uniper klargemacht werden, dass unter diesen Umständen die Pläne für einen neuen Kraftwerksblock von der Gemeinde keine Unterstützung erfahren werden. Dieser neue Block wird Großkrotzenburg außer viel Baustellenverkehr, -dreck und -lärm nichts einbringen. Die kargen Steuereinnahmen werden durch ihn nicht sonderlich steigen."
Was sind die Gründe für die Explosion der Fernwärmepreise aus Sicht der Grünen? "Der bisherige Wärmebezug erfolgte kostengünstig über die Wärmeauskopplung der Kraftwerksabwärme des Kraftwerks Staudinger. Uniper, der Eigentümer des Kraftwerks, hatte beantragt, diesen Kraftwerksblock außer Betrieb zu nehmen und in die sogenannte Netzreserve zu überführen. Hierfür hat das Unternehmen mehrere Millionen Euro von der Bundesregierung erhalten. Eine Wärmeauskopplung aus dem zeitweise (nur noch auf Anforderung) stattfindenden Kraftwerksbetrieb ist dadurch rechtlich nicht mehr zulässig. Da abzusehen war, dass diese billige Wärmequelle wegfällt, planten die Gemeindewerke die Wärmegewinnung durch einen Wärmetauscher im Main, dessen Stromverbrauch zum größten Teil aus erneuerbaren Energien gedeckt wird. Dieses Projekt sollte bis Anfang 2025 abgeschlossen sein. Aus den unterschiedlichsten Gründen verzögerte sich der Baubeginn aber immer wieder, so dass jetzt mit einer Fertigstellung erst im 2. Quartal 2026 zu rechnen ist. Bis dahin erfolgt die Wärmeerzeugung mittels Mietheizkesseln, die von Uniper betrieben werden. Für diese Wärmeerzeugung fordert Uniper nun ein Mehrfaches des zuvor für die Wärmeauskopplung verlangten Preises. Ob diese Kosten sachlich gerechtfertigt sind, lässt sich von den Gemeindewerken Großkrotzenburg nicht überprüfen, da Uniper die dafür erforderlichen Unterlagen nicht zur Verfügung stellt. Uniper hat mit der Überführung des Kraftwerksblocks in die Netzreserve viel Geld verdient. Jetzt will man auch an der Fernwärmeversorgung der Großkrotzenburger Bürger nochmals ordentlich Geld verdienen. Zusätzlich plant Uniper einen weiteren Kraftwerksblock zur Netzstützung zu bauen. Sofern Uniper den Zuschlag für diesen Kraftwerksblock erhält, werden 80 % der Baukosten von circa eine Milliarde Euro von der Bundesregierung übernommen. Das wäre ein weiteres großartiges Geschäft für Uniper. Wie man sieht, versteht Uniper sehr gut, wie man Gewinne maximiert. Und die Großkrotzenburger Bürger werden dafür abkassiert. Eine Verantwortung für die Belange der Standortgemeinde Großkrotzenburg wird von Uniper nicht gesehen."
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