Fernwärme-Chaos in Großkrotzenburg: Uniper und Gemeindewerke äußern sich

Großkrotzenburg

Die Gemeindewerke Großkrotzenburg und Kraftwerks-Betreiber Uniper suchen laut einer gemeinsamen Pressemitteilung eine Lösung für die schwierige Situation bei der Fernwärmeversorgung in Großkrotzenburg: "Beide Unternehmen haben großes Verständnis für die Nöte der Bürgerinnen und Bürger in Großkrotzenburg und ihre berechtigten Anliegen in Bezug auf den drastischen Anstieg der Fernwärmepreise."

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Hintergrund und Faktenlage aus Sicht der beiden Unternehmen:

- Beidseitiger bisheriger Kenntnisstand war, dass die weitere Wärmeauskopplung aus dem Kraftwerk Staudinger 5 außerhalb der Anfahrzeiten im Rahmen des Netzreservebetriebs seit April 2024 gesetzlich verboten sei (§ 51 Kohleverstromungsbeendigungsgesetz).

- Nachfragen durch Uniper bei der Bundesnetzagentur (BNetzA), die Anlagen des Kraftwerks (Hilfskessel) zur Wärmeauskopplung weiter zu nutzen, wurden von der BNetzA mit der Feststellung, dass Kostensteigerungen dadurch nicht vermieden werden könnten, negativ beantwortet. Dieser Sachverhalt wurde den Gemeindewerken in dem gemeinsamen Gesprächstermin am 09.12.24 erläutert.

- Da das Kraftwerk aufgrund des Betriebs in der Netzreserve nur wenige Stunden im Jahr durch den Netzbetreiber aktiv genutzt wird, war eine Lösung notwendig, um eine dauerhaft stabile Wärmeversorgung Großkrotzenburgs zu gewährleisten. Deshalb hat Uniper Mietkessel beschafft und am Standort installiert.

- Bereits 2021 und angesichts des erwartbaren Endes der klassischen Wärmeauskopplung haben die Gemeindewerke zusammen mit der EAM in Form der gemeinsamen Wärmetochter Wärmeenergie (WEG) ein zukunftsweisendes und grünes Wärmeprojekt auf den Weg gebracht, dass zu einer deutlichen Einsparung der CO2-Emissionen führen soll.

- Die Zeit bis zum Projektabschluss und der Aufnahme der eigenen Wärmeversorgung, voraussichtlich im Frühjahr 2026, wird mit einem Übergangswärmeliefervertrag überbrückt. Die damit verbundenen Kosten führen zu einem deutlichen Anstieg der Fernwärmekosten in Großkrotzenburg. Dieser Anstieg resultiert aus den deutlich höheren Kosten für Erdgas im Vergleich zur Abwärme aus dem Steinkohlekraftwerk sowie den Installations- und Mietkosten für die Übergangslösung. Auch die notwendige Redundanz der Übergangslösung, die dazu führt, dass zwei und nicht nur ein Heizkessel angemietet werden mussten, wirkt kostentreibend. Zusätzliche belasten CO2 Kosten sowie ein fehlender Deckungsbeitrag durch den Wegfall der Nutzung des Wärmespeichers (Auskopplung KWK) die Gesamtkosten. Dabei ist anzumerken, dass nur ein Teil der Kosten überhaupt an die Gemeindewerke und auch die Energiekosten ohne Aufschläge an die Gemeindewerke weitergegeben werden, wobei der Arbeitspreis maßgeblich von der Entwicklung des Gaspreises an den Märkten abhängig ist.

- Das Ausmaß der Kostensteigerung in einem kleinen Marktumfeld ist den Beteiligten erst in den letzten Monaten deutlich geworden und auch der Grund dafür, sich nochmal gemeinsam in den letzten Tagen intensiv und konstruktiv mit der Frage zu beschäftigen, wie die Kosten für die Gemeindewerke reduziert werden können.

Die Unternehmen berichten über gemeinsame Schritte zur Minderung der Fernwärmekosten:

- In einem bereits erfolgten Schritt konnte Uniper mit den Stadtwerken Hanau eine Besicherung der Wärmekunden Hanaus aus den Mietkesseln anbieten. Von den damit verbundenen Einsparungen profitieren die Gemeindewerke unmittelbar.

- In einem zweiten Schritt bietet Uniper den Gemeindewerken eine weitere Anpassung des aktuellen Wärmevertrages an. Auf dieser Basis würde sich für die Gemeindewerke rückwirkend zum 1. Oktober 2024 eine über dreißigprozentige Senkung des zu zahlenden Leistungspreises ergeben. Damit verbleibt ein Großteil der Investitions- und Mietkosten bei Uniper.

- Außerdem wird sich Uniper weiterhin für den Standort einsetzen. Zum Beispiel wird Uniper den Zuschuss für das städtische Hallenbad für die Vertragslaufzeit der Fernwärmelieferung fortführen und auch aufstocken.

- Die Gemeindewerke werden nun prüfen, welche positiven Auswirkungen die von Uniper angebotenen Vertragsänderungen auf die Fernwärmepreise für die Wärmekunden in Großkrotzenburg haben werden.

"Klar ist: Auch im Falle einer Einigung ist eine deutliche Anhebung der Wärmekosten zum 1. Januar leider unter den bekannten energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen unvermeidbar. Umso wichtiger wird es nun aus der Sicht beider Unternehmen, dass die neue grüne Wärmelösung für Großkrotzenburg schnell und wirtschaftlich umgesetzt wird", so die beiden Unternehmen. Und abschließend: "Uniper wird mit dem Übertragungsnetzbetreiber TenneT sowie der Bundesnetzagentur als verantwortlichen Entscheidungsträgern über die Anforderung und den Betrieb in der Netzreserve, die Möglichkeiten und die Rahmenbedingungen sprechen, um eine punktuelle Wärmeauskopplung im Betriebsfall der Netzreserve doch wieder zu ermöglichen, sofern sich dies Kosten reduzierend darstellen lässt und hierzu mit den Gemeindewerken im guten Austausch bleiben."


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