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Am 17. März hatten amerikanische Truppen den Rhein bei Remagen überquert, die Front wanderte täglich weiter Richtung Osten. Obwohl der Krieg schon lange verloren war, kämpften deutsche Truppen angetrieben von fanatischen Nazis einen sinnlosen „Endkampf“. Bei einem Fliegerangriff wurde Hanau in der Nacht zum 19. März zerstört, mehr als 2000 Menschen starben. Ausgebombte Hanauer wurden in die umliegenden Dörfer evakuiert, auch nach Großkrotzenburg, wo die teils rußgeschwärzten Gestalten Mitleid erregten.

Schnell näherte sich die Front und bereits am Palmsonntag, 25. März wurde Kleinkrotzenburg von den Amerikanern besetzt. In Aschaffenburg und Hanau setzten diese Truppen bereits über den Main, die Sprengung der Brücken in Nilkheim und Großauheim durch deutsches Militär waren nicht, bzw. nur teilweise erfolgreich gewesen. Ein an der Schleuse Krotzenburg festgemachter Frachter sollte als (sinnlose) Blockade des Wasserweges versenkt werden. Der notwendige Sprengstoff war aber nicht verfügbar und dafür geeignete Schneidbrenner aus einer Großkrotzenburger Werkstatt wurden von Einwohnern unbrauchbar gemacht. Amerikanische Artillerie feuerte über den Ort auf eine Flakstellung an der Bahnlinie westlich des Bahnhofs, dort stand eines der gefürchteten 8-8er Geschütze. Die „Führerschule“ im ehemaligen Kloster bereitete sich auf die Verteidigung von Hanau vor.

Drei junge Männer, Max Burkhard, Paul Euler und Walter Pörtner wollten nicht tatenlos zusehen, wie der Ort Kampfhandlungen ausgesetzt wurde und hängten am Nachmittag zum Zeichen der Kapitulation zwei weiße Laken aus den Fenstern des Glockenturmes, Richtung Süden und Westen. Viele weitere Einwohner folgten ihrem Beispiel und bald waren zahlreiche Häuser weiß geflaggt. Ihr Tun wurde natürlich auch auf deutscher Seite beobachtet und so wurden sie am Montag, 26. März durch einen Nazi-Funktionär gesucht. Daher floh das Trio in der Abenddämmerung mit einem Nachen auf die andere Mainseite, wo sie sich dem amerikanischen Militär ergaben und Auskunft über die nicht vorhandene militärische Verteidigung des Ortes gaben. Schon in der Nacht zum Dienstag setzen erste Amerikaner über den Main. Diese vereinigten sich mit Einheiten, die sich aus Aschaffenburg kommend über Kahl in Richtung Hanau bewegten. Kolonnen von Panzern und anderen Fahrzeugen fuhren über den Oberhaag, Kirchstr. und Hanauer Landstraße. In Großkrotzenburg endete der Krieg am Mittwoch, 28. März 1945, wie auch im Verlauf des Tages in Hanau.

Doch nicht alle Großkrotzenburger waren in Sicherheit, aber hierzu eine Vorgeschichte: Bei dem Bombenangriff vom 11. Dezember 1944 war Anneliese Lindenfeld, geb. Klassert Vollwaise geworden. Mutter, Vater und eine jüngere Schwester waren bei einem Volltreffer auf ihr Haus in der Kirchstraße gestorben. Danach lebte die Zehnjährige im Haus der Großeltern in der Friedrichstraße zusammen mit den Tanten Elisabeth Klassert und Therese Klotz beide geb. Bergmann und der Cousine Roswita Grelle, geb. Klassert und Cousin Gerhard Klotz, beide noch Kleinkinder. Verständlicherweise machte sich die Familie Sorgen um den Schutz der Kinder, man befürchtete neue Fliegerangriffe auf den Ort. Man beschloss, die Kinder zusammen mit Therese Klotz nach Dörnsteinbach (Kahlgrund) und damit aus der Gefahrenzone zu bringen. Die Kinder gingen dort in den Kindergarten, Anneliese in die Schule, wo sie auf ein weiteres Mädchen aus Großkrotzenburg traf, ihr Name war Helga Werkmann, geb. Viel.

Nun zurück in die Karwoche 1945: Die Lage in Großkrotzenburg hatte sich am Gründonnerstag einigermaßen beruhigt, aber es gab Nachrichten über weitere Kämpfe in der Umgebung. Die im Kahlgrund sicher geglaubten Kinder bereiteten nun wieder große Sorgen. Elisabeth Klassert, geb. Bergmann fasste einen Entschluss und fuhr am 30. März zusammen mit der Mutter von Helga Viel mit dem Fahrrad nach Dörnsteinbach. Anneliese erinnert sich: „Tante Lisbeth kam am Karfreitag zu uns und gab das Kommando, alle zur Abreise fertig zu machen. Sie meinte die Amis wären bei uns im Ort, da wäre Frieden und wir müssten sofort nach Hause, weil hier bald noch geschossen würde. Tante Theres‘ nahm den Gerhard, Lisbeth die Roswita und ich wurde auf ein mitgebrachtes Rad gesetzt, weil ich schon Radfahren konnte. Dann fuhren wird über Niedersteinbach, Michelbach, Alzenau, Wasserlos nach Hörstein.“

Die Fahrt sollte über die „Hörsteiner Tanne“ weitergehen, wurde jedoch durch eine Begegnung mit amerikanischen Kampfpanzern auf der Fläche zwischen Hörstein und dem Wald unterbrochen. Man musste ausweichen, wobei eines der Fahrräder beschädigt wurde. Der verbogene Reifen wurde notdürftig mit Fußtritten gerichtet und die Fahrt durch den Wald wieder aufgenommen. An der Bahnlinie bei Kahl stießen sie dann auf Wehrmachtssoldaten, die sich in Erdlöchern verschanzt hatten. Die Soldaten waren über die „Fahrradtruppe“ äußerst erstaunt und geboten ihnen nicht weiterzufahren. Elisabeth und Therese ließen sich aber nicht beirren und setzten ihren Weg an der Bahnlinie Richtung Westen fort. Am Bahnübergang „Alzenauer Straße“ überquerten sie die Bahnlinie und trafen dort auf eine Kolonne amerikanischer Fahrzeuge. Anneliese erinnert sich: „Da sah ich den ersten Farbigen Soldat, mir kamen gleich einer der heiligen drei Könige in den Sinn“.

Von dieser Stelle war es nicht mehr weit nach ihrem Zuhause in der Friedrichstraße in Großkrotzenburg, auch diese letzte Etappe überstanden sie unversehrt. Im Kahlgrund wurde noch heftig gekämpft, es gab etliche Tote und zerstörte Gebäude. Michelbach wurde noch am Karfreitag von amerikanischen Truppen eingenommen.

Aus heutiger Sicht ist man geneigt, den damaligen erwachsenen Protagonisten einen unverzeihlichen Leichtsinn vorzuwerfen, immerhin hat Elisabeth Klassert an diesem Tag mindestens viermal (!) die Frontlinie überquert. Viele der damals alleinstehenden Frauen -die Männer sind noch im Krieg oder gefallen - wuchsen wegen äußerer Umstände über sich hinaus und trafen unbequeme, aber notwendige Entscheidungen. Sie taten das auf vorbildliche Weise mit großem Mut und enormer Entschlusskraft.

Quelle: Heimat- und Geschichtsverein


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