Grundwasserraubbau: Kritik an Stadtwerken Gelnhausen

Gettenbach
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Die Schutzgemeinschaft Vogelsberg (SVG) wirft den Stadtwerken Gelnhausen vor, im Gettenbachtal mehr Wasser abpumpen zu wollen und fordert ein Einschreiten der Politik. "Ausgerechnet in Trockenzeiten wollen die Stadtwerke Gelnhausen im oberen Gettenbachtal künftig mehr Grundwasser fördern. Auf ihren Antrag hin hat das Regierungspräsidium Darmstadt am 12. März 2019 eine entsprechende Erlaubnis erteilt. Demnach soll die Jahresfördermenge des Brunnen A mehr als verdreifacht und seine maximale Tagesfördermenge nahezu verdoppelt werden. Und das obwohl bekannt ist, dass dieser Brunnen bei hohen Fördermengen benachbarte Quellen trockenfallen lässt", heißt es in einer Pressemitteilung der Schutzgemeinschaft Vogelsberg.

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Auch der für die Feuchtgebiete kritische Brunnen C soll laut SVG durch einen simplen Trick mehr Wasser hergeben, ohne die erlaubte Fördermenge formal zu erhöhen. "Hier hat das Regierungspräsidium den bislang geltenden Grenzgrundwasserstand im Förderstockwerk, ab dem die Förderung eingestellt werden muss, einfach aufgehoben. Die Bestimmung, dass die Pumpen Ruhepausen einhalten müssen, um den Wasserstand wieder ansteigen zu lassen, wurde gestrichen. Insgesamt dürfte sich die bisher tatsächliche Jahresfördermenge des Brunnens dadurch mehr als verdreifachen. Damit würde dem oberflächennahen Grundwasser, das für die Biotope besonders in regenarmen Zeiten überlebenswichtig ist, der Nachschub aus dem Untergrund entzogen. Obwohl schon die bisherigen Bestimmungen aus Naturschutzsicht kritisch zu bewerten waren, wird jetzt dem Grundwasserraubbau im oberen Gettenbachtal endgültig Tor und Tür geöffnet. Die Feuchtgebiete mit ihren geschützten Pflanzenarten und der kleine Rest an Niedermoor, der hier noch vorhanden ist, gehen schweren Zeiten entgegen, sofern der kürzlich erteilte Bescheid nicht wieder geändert wird. Worauf zu hoffen ist, denn die Behörde behält sich ausdrücklich vor, die Zulassung auch kurzfristig wieder zu entziehen. Die Stadtwerke Gelnhausen wollen die maximalen Fördermengen ausgerechnet in den trockenen Sommermonaten pumpen, also dann, wenn der Naturraum ohnehin unter Wassermangelstress steht. Begründet wird dies mit den hohen sommerlichen Verbrauchsmengen, die in Gelnhausen angeblich nicht anders abzudecken wären. In Wirklichkeit aber geht’s ums Geschäft. Schließlich verkaufen die Stadtwerke nach wie vor bis zu 500.000 m³/Jahr an die Hessenwasser GmbH und damit in den Ballungsraum. Zum Vergleich: das gesamte Wasserrecht im Gettenbachtal beträgt 1,26 Mio. Kubikmeter pro Jahr. Und ein Kappen der Lastspitzen könnte Geld und wertvollen Umsatz kosten. Wobei anzumerken ist, dass die Stadtwerke das Abdecken von Spitzenverbrauch bisher ganz gut auch ohne zusätzliches Wasser aus dem Gettenbachtal hinbekommen haben. Doch das Versorgen aus anderen Ressourcen und Wasser einsparen scheinen teurer zu sein", heißt es in der Pressemitteilung weiter.

Das eigentlich Fatale am neuen Genehmigungsbescheid sei die völlige Ignoranz des steigenden ökologischen Risikos im oberen Gettenbachtal durch zunehmenden Wassermangel. Denn dieser stelle, begünstigt durch das Auflassen der Teiche und den damit verbundenen schnelleren Wasserabfluss in Trockenperioden die Förderung grundsätzlich in Frage.

"Obwohl gerade der Sommer 2018 die Gefahren von Grundwassermangel Allen deutlich vor Augen geführt hat, scheint für die Stadtwerke Gelnhausen und das Regierungspräsidium Darmstadt der Klimawandel lediglich ein Märchen schlechtgläubiger Umweltschützer zu sein. Anders sind die höheren Fördermengen, die ein Umstellen der Versorgung auf naturverträgliche Lösungen verhindern, kaum zu erklären. Doch die SGV wird dieser neuen Attacke aufs Grundwasser nicht tatenlos zusehen, zumal die Genehmigung auch gegen geltendes Recht verstößt. Sie hat bereits eine ausführliche Stellungnahme an das Regierungspräsidium geschickt, und fordert eine Rücknahme des neuen Bescheides. Sie fordert auch die Gelnhäuser Lokalpolitik auf, den Stadtwerken einen umweltschädlichen Wasserraubbau in der benachbarten Gemarkung Gründau zu untersagen. Und sie wird sich an das Umweltministerium als oberste Wasserbehörde wenden mit der Bitte, einzugreifen. Denn dort wird an einem Klimaanpassungskonzept für die Wasserwirtschaft gearbeitet, das in keinster Weise mit dem, was gerade im Gettenbachtal stattfindet, vereinbar ist", so die Schutzgemeinschaft Vogelsberg abschließend. 

Foto-Quelle: Dr. Hans-Otto Wack

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