Fliegenplage in Gründau: Neues Gutachten steht online

Gründau
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Die Gemeinde Gründau hat in diesem Frühjahr ein eigenes Gutachten zur Ursachenforschung der insbesondere im Ortsteil Lieblos auftretenden Fliegenpopulation in Auftrag gegeben. Diplom-Biologin Eva Scholl aus Mering führte dazu im Mai vor Ort Untersuchungen durch und informierte sich bei Beteiligten und Betroffenen zur Gesamtsituation. Ende Juni hat Scholl dann ihr 42-seitiges Gutachten der Gemeinde Gründau übergeben.

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Nachdem das Gutachten im Rahmen eines Erörterungstermins von Scholl vorgestellt und mit Vertretern des Eigenbetriebs Abfallwirtschaft des Main-Kinzig-Kreises, des Betreiberunternehmens RETERRA, der Gemeinde Gründau und dem Vorstand der örtlichen Bürgerinitiative analysiert und besprochen wurde, soll auch der interessierten Bürgerschaft die Möglichkeit gegeben werden, das Gutachten einzusehen. Das „schädlingsbiologische Gutachten zur nachhaltigen Abwehr von Massenvermehrungen der großen Stubenfliege in Gründau“ ist unter www.gruendau.de zu finden.

In einer über vierstündigen Arbeitssitzung haben in der vergangenen Woche die Vertreter der Bürgerinitiative, das Betreiberunternehmen des Kompostwerks Reterra, ein Vertreter des Main-Kinzig-Kreises und Vertreter der Gemeinde Gründau das Gutachten umfassend besprochen und Lösungswege aufgezeichnet. Einig waren sich alle, dass Fliegen überall auftreten können und werden, allerdings bestehe in Teilen der Gründauer Bürgerschaft die Auffassung, dass das gravierende und massenhafte Auftreten von Fliegen in den Sommermonaten, besonders in Lieblos und teilweise in Rothenbergen und Niedergründau auf das Kompostwerk zurückzuführen sei. Die Vertreter der Bürgerinitiative Frau Wöllmer, Herr Böhm und Herr Sonnenschein machten dies eindringlich deutlich.

Die Gutachterin verdeutlichte, dass die Dauer des Entwicklungszyklus der Fliegen vom Ei bis zur Fliege weitgehend von der Umgebungstemperatur abhängt und je nach Temperatur zwischen 8 bis 40 Tage dauert. Wenn sich wegen der sommerlichen Temperaturen die Generationenfolge der Fliegen auf etwas mehr als eine Woche verkürzt, kann ein Masseneffekt eintreten. „Und hier ist ein möglicher Lösungsansatz“, waren sich alle Beteiligten einig. Eine Reduzierung der Fliegenbelastung in Gründau ist nur möglich, wenn eine ungehinderte Vermehrung in den Sommermonaten in den temperaturbegünstigten kurzen Vermehrungszyklen unterbunden wird. Als eine Möglichkeit, die temperaturbegünstigten kurzen Vermehrungszyklen zu unterbinden wird die Verkürzung der Sammlungsintervalle der Biotonnen in allen anliefernden Gemeinden auf eine wöchentliche Leerung angesehen. Die Vertreter der Gemeinde Gründau in diesem Gespräch, Bürgermeister Gerald Helfrich (Parteilos) und die Beigeordneten Hans Kroth (SPD) und Stefan Ament (CDU) machten aber auch deutlich, dass langfristig eine technische Anpassung des Kompostwerks als Lösung angestrebt werden soll. Die Anlage wird im Rahmen einer Bestandsgenehmigung von 1991 betrieben und ist wohl eine der Letzten ihrer Art in den alten Bundesländern.

Dem vorliegenden Gutachten ist aber auch zu entnehmen, dass es nicht die eine Ursache für die Fliegenplage gibt, sondern eine Kette von Ursachen, die dann allerdings bei sommerlichen Temperaturen eskalieren. Das Problem beginnt bereits bei dem Einbringen der Fliegeneier, Maden und auch Puppen durch den Biomüll über den Tonnen. Hier ist von den Nutzern und Betreibern des Systems ein hohes Maß an Hygiene gefordert: Reinigen der Tonnen, gut schließende Deckel, keine Plastikbeutel, in denen sich ein für die Fliegenzucht optimales Mikroklima einstellt, kein Einwurf von durchnässten Bioabfall. Dies ist einfach zu verhindern, in dem nasser Bioabfall in kompostfähigem Küchenkrepp oder Zeitungspapier gewickelt wird. Auch sie sogenannten „Biobeutel“ aus bioabbaubarem Kunststoff begünstigen die Verkürzung des Entwicklungszyklus und beschleunigen die Entwicklung der Fliegen. Und hier noch ein weiteres Problem: Jeglicher Plastikabfall im Biomüll muss sorgfältig herausgesiebt werden. Was nicht herausgesiebt werden kann, führt unweigerlich zu Mikroplastik im Kompost - ein umfassend diskutiertes Problem. Weiter empfiehlt das Gutachten die Verkürzung der Sammlungsintervalle auf eine Woche für den Biomüll und das intensive Reinigen der Müllfahrzeuge. Eine entsprechende Öffentlichkeitsarbeit des Main-Kinzig-Kreises findet bereits statt.

Deutlich wurde durch das Gutachten aber auch, dass neben dem Kompostwerk auch die Stellplätze der Biotonnen und die Tonnen selbst Verursacher der epidemischen Fliegenvermehrung sein können: Eine Biotonne voller Maden kommt nicht vom Kompostwerk, sondern „füttert“ die Anlage mit brutfähigem Material. In diesem Zusammenhang ist dann auch zu sehen, dass die zunehmenden umfassenden Hygienemaßnahmen der Biotonnennutzer greifen. Die Fliegenlast am Kompostwerk ist vermutlich deshalb auch zurückgegangen. Die Gutachterin weist auch auf die Beobachtung und die fachgerechte Bearbeitung von „Kleinkompostanlagen“ in den Gärten hin. Beliebte Brutplätze sind die Stellplätze der Biotonnen und der übrigen Abfallgefäße aber auch verrottende Grasschnitthaufen.

Eine ganze Reihe von Verbesserungsmaßnahmen im Kompostwerk sind bereits von dem Betreiberunternehmen Reterra umgesetzt worden. Der Geschäftsführer, Herr Schwarz, weist hierzu auf die Erhöhung des Grünschnittanteils, die zeitnahe Abfuhr der Siebreste und die regelmäßigen Reinigungsintervalle in den Sickerwasserbecken und im Kanalsystem hin. Seitens der Bürgerinitiative machte deren Vorsitzender, Andreas Sonnenschein, deutlich, dass nach seiner Auffassung wesentliche Verbesserungen mit der wöchentlichen Abfuhr der Biotonnen und einer Abdeckung der Rottenmieten zu erreichen seien. Im Hinblick auf die geforderte Umstellung auf ein wöchentliches Abfuhrintervall für alle Bio-Anlieferungen zum Kompostwerk Lieblos berichtet Herr Schwarz, Reterra, von Verhandlungen mit dem Eigenbetriebs Abfallwirtschaft des Kreises, in denen bereits weitgehend Einigkeit erzielt wurde, so dass er davon ausgeht, dass eine Umsetzung noch im laufenden Jahr erfolgt. Deutlich wurde in der Arbeitssitzung am 22. Juli, dass alle Beteiligten, Bürgerinitiative, Anlagenbetreiber, der Kreis als Eigentümer der Anlage und die Gemeinde gemeinsam an der Lösung des komplexen Problems „Fliegen“ arbeiten: Hygiene in den Biotonnen und in den Müllfahrzeugen, Verkürzung der Sammlungsintervalle, Eindämmen der Entwicklungsmöglichkeit der Fliegen auf der Kompostanlage. Weitere Arbeitssitzungen, in denen die bereits umgesetzten Maßnahmen gemeinsam überprüft werden und weitere mittelfristige Maßnahmen besprochen werden sollen, folgen.

Foto: Vertreter der Bürgerinitiative, der Betreiberfirma Reterra, des Kreises und der Gemeinde erörterten gemeinsam mit Dipl. Biologin Eva Scholl (Bildmitte) das vorgelegte Gutachten zur Fliegenplage. Weitere Treffen werden folgen.

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