Völker erhält „großen Preis der Poesie“ in Rumänien

Gründau

Der „Prix d’Excellence Poesie“ wurde dem Gründauer Autor Peter Völker für seinen Lyrikband „Agamemnon und Kassandra in Lakonien“ von der „Internationalen Kulturakademie Orient-Occident“ im Rahmen eines Welt-Poesiefestivals in Curtea de Arges (Rumändien) verliehen.

Autohaus Nix

voelker rumaenvoelker rumaen1voelker rumaen2voelker rumaen3Für sein lyrisches Lebenswerk wurde er außerdem durch den Präsidenten der Akademie, Dumitru M. Ion, und die künsterlische Leiterin, Carolina Ilica, im Rahmen eines Festaktes als Ehrenmitglied der Kulturstiftung ernannt. In seiner Festansprache bekannte sich Völker zu drei Lebensprinzipien, die auch sein lyrisches Werk durchdringen. Er sei immer offen und wachsam für neue Lebenserfahrungen, würde aber nicht unkritisch allen ihm angetragenen Vorschlägen folgen, sondern sie in kritischer Distanz prüfen, bevor er sie akzeptiere. Er sei weiter fest davon überzeugt, dass jeder Mensch zu jeder Zeit seines Lebens eine neue Chance leben könne. Schließlich glaube er an die Kraft der Liebe im Leben. Sie sei aber nicht nur ein Gefühl, sondern offenbare sich erst, wenn sie im Alltag gelebt würde. Ion würdigte Völkers Werk als „tiefsinnige zeitlose Liebeslyrik“.

„Agamenon und Kassandra“ ist eine antike Liebesgeschichte mit Bezug zur Moderne. Das Werk erschien inzwischen auch in serbischer, griechischer und rumänischer sowie teilweise in englischer Sprache. Einige Texte wurden von der griechischen Komponistin Lisa Xanthopoulou (Thessaloniki) in klassische Musik für Klavier, vierstimmigen Chor und Sopran vertont. Teile des lyrischen Werkes wurden von dem griechischen Künstler Nikos Samartzidis in die mykenische Linear-B-Schrift transkripiert und großflächig gemalt.

Auf dem Poesie-Festival erläuterte Völker die Grundaussagen seiner Dichtung in Agamemnon und Kassandra: „Für mich gibt es keine zentrale Aussage, sondern mehrere Botschaften. Als ich das Manunskript vor vielen Jahren Ende des letzten Jahrhunderts im winterlichen Monemvasia auf dem Peloponnes zu Ende schrieb, dachte ich zunächst an eine meiner Grunderkenntnisse, dass jeder Mensch zu jedem Zeitpunkt seines Lebens noch einmal einen neuen Weg beschreiten, ja, sich sogar umkehren kann, so groß auch die Last und Prägung des bisher Erlebten ist. Dieser Glaube gibt mir persönlich Kraft und Mut, solange ich denken kann.

Der vom Leben, dem Fluch der Götter und vom Krieg gezeichnete Agamemnon, lässt nach allem erlebten Schrecken die Liebe zu und vertraut der Schicksalsseherin Kassandra als erster Mensch. Damit rettet er sich nicht nur vom vorbestimmten Tod durch seine Frau Klytemnästra und deren Liebhaber Ägistos, sondern wird durch die universelle Liebe, die er zum ersten Mal in seinem Leben in sich spürt, auf einen neuen Lebenspfad geführt, wird glücklich. Nicht nur ganz nebenbei ist mein Werk auch ein Appell an die Männer, den Frauen mehr Glauben zu schenken, denn sie besitzen Weisheiten, die meinem Geschlecht fremd sind.

Aber all diese wichtigen niedergeschriebenen Erleuchtungen sind nichts wert, wenn sie nicht in den Zauber des täglichen Lebens eingebettet sind, wenn die Liebe nur im Gefühl stecken und auf dem Papier gebannt bleibt und nicht gelebt wird. Das gilt auch für meine Heldin und meinen Helden. Agamemnon und Kassandra entsagen allen auferlegten Konventionen und Dogmen ihrer Zeit, nehmen sich an der Hand, beschreiten den neuen Weg, glauben an sich selbst und lassen sich auf die gelebte Liebe ein. Das ist das Schönste, was einem Menschen auf dieser Erde zu Teil werden kann.“

In einem Vorwort zur rumänischen Auflage schreibt der Hamburger Philosoph und Schriftsteller Dieter Brumm: „Bei Homer ist es eine – sogar seine – Frau, die den vom Sieg im Trojanischen Krieg heimkehrenden Griechenkönig Agamemnon ermorden lässt: düstere Parabel von der Vergänglichkeit allen Triumphs. Und vom vergeblichen Versuch, Macht durch Unterdrückung zu verewigen. Peter Völker wendet diese Dialektik mit seiner Ballade in die Hoffnung auf Leben: wieder ist es eine Frau – die Seherin Kassandra – , die nun keine Kriege oder Siege mehr prophezeit, sondern Liebe gibt und den König rettet, indem sie ihn vom Machtwahn heilt. Zugleich entzieht der Autor damit das Paar göttlicher Vorherbestimmung und wirft sie auf sich selbst zurück:

 

                       Zwischen Vergangenem

                       und Zukunft liegt

                       nur ein Schritt

                       in die Gegenwart.

                       Kein Traum erfüllt sich

                       ohne eigenen Willen.

 

Das Jetzt, in dem sich Mythos und Hoffnung verbinden, ist keine Utopie mehr. Liebe als Selbsterkennen im Anderen hebt in Völkers lyrischen Visionen alle Schranken einer auf Macht und Profit fixierten Entwicklungsgeschichte auf. Oder – wie einst Albert Camus in seinem `Mythos von Sisyphos´ schrieb –: „Das Wissen, das eine eigentliche Qual bewirken sollte, vollendet gleichzeitig seinen Sieg. Es gibt kein Schicksal, das durch Verachtung nicht überwunden werden kann“. Liebe hat sogar noch diese Verachtung besiegt.

Völker, der in seinem Leben als Schriftsteller und als engangierter Mensch in sozialen und ökologischen Bewegungen unermüdlich daran gearbeitet hat, der zerstörerischen Selbstgerechtigkeit unserer Gesellschaft humanere, gerechtere Alternativen entgegenzusetzen, stellt mit `Agamemnon und Kassandra in Lakonien´ keinen neuen Mythos über einen alten. Seine poetische Fabel von der Liebe zwischen bekehrtem Krieger und aufgehobener Prophetin ersetzt Klagen durch Schritte zu einer friedvollen, naturnahen Welt.“

Der Gedichtband bezieht sich auf die griechische Mythologie, folgt ihr aber in der Handlung nicht. Agamemnon, vom trojanischen Krieg gezeichnet und von Alpträumen geplagt, entführt die am Unglauben der Menschen verzweifelnde Kassandra aus ihrer zerstörten Stadt. An Bord des Schiffes wächst Liebe zwischen dem verhärteten Krieger und der schönen Seherin. Kassandra prophezeit die Mordpläne Klytämnestras und Agamemnon glaubt ihr als erster Mensch. An der südlichen Küste der Peloponnes gründen beide eine neue Existenz und entdecken ein Leben jenseits der Vorbestimmung. Erinnerungen an Troja und Mykene, an das Grauen der Schlachten und die Angst vor der Sehkraft versinken im Alltag und in der Hoffnung der Zugeneigten. Das Thema wurde in 17 Texten bearbeitet.

Das Buch ist Teil einer Trilogie von Peter Völker. Weitere Bücher sind: »Achilleus und Thetis«, sowie »Odysseus und Seussydos«. Sie greifen Hauptthemen der griechischen Mythologie auf. In prosalyrischer Sprache sucht der Autor zunächst die Spuren der Protagonisten in der Gegenwart, um ihnen danach in ihre Zeit  zu folgen. Basierend auf den homerischen Mythen verändert er ihr Schicksal,  gibt ihnen eine neue Chance, jenseits der göttlichen Vorbestimmung, wirft sie auf sich selbst zurück. Am Ende seiner drei Werke verliert sich die Fährte der Heldinnen und Helden im Jetzt. Alle Bände sind von Martin Knapp und Maria Kavvadia (Athen) in die griechische Sprache übertragen worden und erschienen in einer Übersetzung von Stevan Tontic in Serbisch in Banjaluka (Bosnien und Herzegowina) sowie in einer Übersetzung von Dumitru Ion und Carlonia Ilica in rumänischer Sprache in Curtea de Arges. Teile des Werkes sind in Oxford von Rebekah Wilson auch in die englische Sprache übertragen worden.

Völkers Lyrikband wurde in den vergangen Jahren zweisprachig (griechisch-deutsch sowie serbisch-deutsch) und mit Musik in vielen Städten Deutschlands, darunter Berlin, Leipzig, Frankfurt, Gelnhausen, Renchen und in Banjaluka gelesen. Am 5. Oktober diesen Jahres wird Agamemnon und Kassandra in Lakonien in einem Theater in Offenbach dialogisch mit Musik aufgeführt. Letztmals wurde das Buch in der Kulturstation Kaufmann mit Petra M. Jansen und Klaus Waldschmidt, begleitet von Mac Haurin am Piano und Carmen Schucktert (Sopran) vorgetragen.


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