Beklemmender Blick in den Spiegel

Hammersbach
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Sad (Isaak Dentler) sitzt an einem kleinen Tisch. Wenige Utensilien liegen darauf.

Die Rosen, die Sad verkauft, um sein Studium zu finanzieren, fallen zuerst ins Auge. Dann setzt die kongenial begleitende Musik von Tim Roth ein, und Isaak Dentler beginnt seinen furiosen Monolog, mit dem er mehr als eine Stunde lang seinem Publikum in der Hirzbacher Kapelle den Atem rauben wird. Robert Schneiders Stück "Dreck" ist von beklemmender Aktualität.1993 veröffentlichte der Autor nach seinem Erfolgsroman „Schlafes Bruder“ das Ein-Personen-Stück. Ausländerhass und Fremdenfeindlichkeit werden aus einer gespiegelten Perspektive dargestellt, die umso mehr die Augen und Ohren dafür öffnet, was da gesprochen wird.

Das Stück konfrontiert mit Vorurteilen und alltäglicher Ausländerfeindlichkeit durch einen Perspektivwechsel. Sad klagt nicht uns an, sondern übernimmt die Normen, Vorurteile und Abwertungen der Gesellschaft, in der er lebt. Er schwärmt von Sauberkeit und Ordnung, von der deutschen Sprache und Kultur, von Goethe und Schiller. Gleichzeitig wettert er gegen Asylbewerber und Ausländer. Sich selbst empfindet er nur als ein Stück Dreck - und was 1993 noch auf diese Weise ans Licht gebracht werden musste, das verstört heute dadurch, dass bis in manche Formulierung hinein die abwertende Sprache der Fremdenfeindlichkeit aus den sozialen Medien bereits geläufig ist. Diese verrohte Sprache ist inzwischen schon Allgemeingut.

Isaak Dentler "lebt" diesen Sad so intensiv und nachdrücklich, dass das Publikum nach dem begeisterten Applaus sitzen bleibt, Luft holt und darüber zu sprechen beginnt, von welchem Sturm man da gerade erfasst wurde.

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