Großes Feuchtbiotop in der Projektierungsphase

Hammersbach
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Neuigkeiten aus Hammersbach: Südlich der Hammersbacher Kläranlage soll auf einer Fläche von ca. 6 Hektar ein Feuchtbiotop entstehen.

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Diese Arche Noah für die heimische Flora und Fauna soll einen großzügigen Rückzugsraum für bedrohte Vögel, Amphibien und Insekten bieten. Die Idee entstand im Ökobetrieb Hofgut Kapellenhof. Dort arbeitet man schon seit Beginn der 2000er Jahre ganz ohne synthetische Dünger und ohne jegliche Pestizide, um das Grundwasser und die Insekten zu schützen. Aber nicht nur im konventionellen, sondern auch im Biolandbau besteht die Notwendigkeit zu immer effizienterer Landbearbeitung. Das geht zu Lasten der Natur. Deshalb kam die Überlegung auf, Natur- und Landschaftsschutz einmal richtig zu machen. Projektpartner ist auch der gemeinnützige Förderverein Hirzbacher Kapelle, dessen Satzung den Natur- und Landschaftsschutz umfasst.

Bei den ersten Überlegungen war ebenfalls Bürgermeister Michael Göllner (SPD) dabei, der wertvolle Anregungen für das Konzept geben konnte. Nachdem die Natur- und Wasserschutzbehörden grundsätzlich grünes Licht für das Vorhaben signalisiert haben, arbeitet nun ein Planungsbüro an einem Genehmigungsantrag, der in Kürze bei den Behörden eingereicht werden soll.

Bürgermeister Göllner sagt: „Es kommt selten vor, dass ein Landwirtschaftsbetrieb eine so große Fläche für den Naturschutz und damit auch die Allgemeinheit zur Verfügung stellt. Diese Initiative ist sehr erfreulich, und ich werde mich dafür einsetzen, dass alle beteiligten Gremien, vor allem auch die der Gemeinde Hammersbach, dieses Vorhaben billigen werden. Ich sehe keinerlei Nachteile des Projekts – im Gegenteil. Das Projekt fügt sich nahtlos ein in zahlreiche Initiativen für den hessischen Auenschutz, ebenso wie in die bisher schon von der Gemeinde erfolgreich durchgeführten und die geplanten Renaturierungsmaßnahmen am Krebsbach.“

Noch gibt es viel zu tun. So gehört der vorgesehene Standort zehn verschiedenen Grundeigentümern, denen attraktive Tauschangebote vorgelegt werden sollen, wenn sie ihre Flächen nicht veräußern möchten. So müssen auch die auf der vorgesehenen Fläche tätigen Landwirte nicht fürchten, dass ihnen Land verloren geht. Hartmut Schneider, Grundeigentümer und stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins Hirzbacher Kapelle sagt: „An dem Projekt hat mich vor allem überzeugt, dass die hiesigen Landwirte keinerlei Nachteile durch das Konzept erleiden. Ihnen wird ein adäquater Ausgleich in der unmittelbaren Umgebung angeboten, sodass sie nicht fürchten müssen, dass die von ihnen genutzte Flächengröße schrumpft. Es ist ausschließlich das Hofgut Kapellenhof, das hier freiwillig Flächen für den Natur- und Landschaftsschutz zur Verfügung stellt. Deshalb halte ich es für eine gute Sache, wenn alle Grundeigentümer das Projekt unterstützen, indem sie ihr Grünland tauschen oder veräußern.“

Das Feuchtbiotop soll aus mehreren Teichen und Wiesenflächen bestehen. An den Grenzen der vorgesehenen Fläche schlängelt sich der Krebsbach entlang, wo auch schon der Biber wieder heimisch geworden ist. Zwei schon bestehende Himmelsteiche, die von der Gemeinde Hammersbach angelegt wurden, grenzen unmittelbar an das Feuchtbiotop an. Initiator Christoph Neizert meint: „Seit Anfang der 1980er Jahre sind bei uns Dreiviertel der Insektenmasse verschwunden, und die Zahl der Vögel ist dramatisch gesunken – mal ganz abgesehen von Amphibien, die man kaum mehr sieht. Wir möchten einen kleinen Beitrag dazu leisten, diese gefährliche Entwicklung aufzuhalten und nachhaltig umzukehren. Wir wollen für die heimischen Arten einen Rückzugsraum schaffen, wo sie sich ungestört ausbreiten können. Es freut mich sehr, dass alle, denen wir das Projekt bisher vorgestellt haben, sehr positiv reagiert und ihre Unterstützung zugesagt haben.“

Für das Feuchtbiotop muss es ein stimmiges Konzept für die laufende Erhaltung geben. Damit Platz für seltene Wiesenbrüter vorhanden bleibt, müssen die Wiesen um die Teiche herum in regelmäßigen Abständen abgegrast werden, da keine schweren Maschinen auf den Wiesen eingesetzt werden sollen. Hier kommt das Hofgut Kapellenhof ins Spiel, das die Verantwortung für die Aufrechterhaltung dieses einzigartigen Habitats übernehmen wird. Betriebsleiter Pascal Küthe ergänzt: „Das Feuchtbiotop ist für das Hofgut Kapellenhof ein entscheidender Baustein unseres Natur- und Landschaftsschutzkonzeptes, das wir derzeit mit dem Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen entwickeln. Das Feuchtbiotop ist deshalb eingebunden in eine Vielzahl von Maßnahmen, die von Blühstreifen, Ackerrandstreifen und Hecken- und Baumpflanzungen bis zu zeitlich versetzten Ernterhythmen reicht. Während der Sommermonate werden wir unsere Schafe auf diesen Feuchtwiesen weiden lassen. Die zarten Hufe der Tiere, „bearbeiten“ den Boden auf ideale Weise und die natürliche Düngung trägt zur Entwicklung des Insektenlebens bei. Es ist aber auch denkbar, dass eine Wasserbüffelherde im Sommer zu Besuch kommt. Diese Tiere haben sich in Feuchtbiotopen an anderer Stelle in Deutschland sehr bewährt.“

Die Projektpartner hoffen, im Laufe des Frühjahrs 2021 alle Voraussetzungen für die Umsetzung dieses besonderen Projektes zu schaffen. Dazu werden neben den abschließenden Gesprächen mit den Grundeigentümern vor allem die Genehmigungen der Gemeinde und der Behörden nötig sein.

Foto: Bürgermeister Michael Göllner, Hartmut Schneider als einer der Grundeigentümer, Christoph Neizert als Initiator und Pascal Küthe als Betriebsleiter des Hofguts Kapellenhof beim Ortstermin in den „Langen Wiesen“.

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