„Es ist wichtig für eine emanzipierte Gesellschaft einzutreten!“

Hanau

Die Ausstellung “ Frauensicht auf Weiblichkeit“ bot den perfekten Rahmen für den Empfang des Frauenplenums und Hanauer Bürgerinnen anlässlich der 22. Hanauer Frauenwochen im Neustädter Rathaus.

Interkulturelle Wochen im Main-Kinzig-Kreis
VORSPRUNG - Anruf genuegt

Das Frauenbüro zeigt dort bis zum 25. März eine Ausstellung mit Bilder und Skulpturen von 19 Künstlerinnen aus Hanau und der Region. Am Internationalen Frauentag wird in Deutschland und weltweit auf den fortwährenden Kampf für die Rechte der Frauen im politischen, privaten und wirtschaftlichen Leben hingewiesen. In Hanau wird der internationale Frauentag seit vielen Jahren gewürdigt. So ist es inzwischen Tradition, dass um den 8. März herum die Hanauer Frauenwochen stattfinden. Schon über viele Jahre hinweg beteiligen sich die unterschiedlichsten Vereine, Verbände, Organisationen und Parteien an den Frauenwochen um - unter anderem - auch auf die unzulänglich Situation von Frauen in den verschiedenen Lebensbereichen aufmerksam zu machen und Veränderungen anzustoßen.

„Es ist wichtig, nicht nur am Internationalen Frauentag, sondern permanent auf die Benachteiligung, die Diskriminierung und die Gewalt gegen Frauen hinzuweisen und für eine emanzipierte Gesellschaft einzutreten“, betonte Stadtrat Andreas Kowol, bei seiner Begrüßungsrede. Durch die Frauenbewegung würden Themen wie Diskriminierung, Gleichberechtigung, Kampf gegen Sexismus, gegen Missbrauch, gegen Gewalt öffentlich gemacht und in den Fokus gerückt. „Gewalt gegen Frauen ist auf der ganzen Welt ein alltägliches Problem. Wir müssen das Thema immer wieder in die Öffentlichkeit tragen, um zu sensibilisieren und eine Veränderung in den Köpfen zu bewirken“, sagte Kowol. Seit nunmehr 35 Jahren existiere das Frauenhaus, in das Frauen und Kinder vor häuslicher Gewalt fliehen können. „ Auch heute ist diese Einrichtung leider weiterhin erforderlich und auch derzeit voll belegt“, so Kowol. Auch die Beratungsstelle „Lawine“ für sexuell missbrauchte Mädchen und Frauen gebe es bereits seit 25 Jahren. „Auch diese Beratungsstelle kann leider keinen Rückgang an Ratsuchenden verzeichnen.“ Erstmals habe sich in Hanau in diesem Jahr an der weltweiten Aktion „One Billion Rising“ beteiligt. „Ich war positiv überrascht, wie viele Menschen sich hierzu auf dem Marktplatz versammelt hatten, um gemeinsam gegen die Gewalt an Frauen zu tanzen“, sagte Kowol.

Auch in diesem Jahr werde die Stadt sich wieder an vielfältigen Aktionen gegen Gewalt an Frauen beteiligen. „Die Frauenwochen sind der Auftakt und auch der Hanauer Stadtlauf gegen Gewalt an Frauen zählt natürlich dazu“, sagte der Stadtrat. Er dankte allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Facharbeitskreises gegen Gewalt an Frauen, die diese Aktionen intensiv unterstützen. Kowol thematisierte in seiner Rede zudem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Dazu sei es erforderlich, dass Väter im Erziehungsurlaub auf größere Akzeptanz stoßen, dass flexible Arbeitszeitmodelle und Führungspositionen in Teilzeit angeboten würden und sich so der Karriereknick so vermeiden ließe. „Auch hier liegt noch ein weiter Weg vor uns“, stellte Kowol fest.

Ähnlich sehe es bei der Lohngerechtigkeit für Frauen aus. „In kaum einem europäischen Land werden Frauen so viel schlechter bezahlt als Männer wie in Deutschland“, stellte der Stadtrat fest. Um auf die Missstände hinzuweisen und sie ins Bewusstsein der Unternehmen und der Öffentlichkeit zu bringen sei der 18. März weltweit zum Equal Pay Day ernannt worden. „Der Equal Pay Day markiert symbolisch den geschlechtsspezifischen Entgeltunterschied, der laut Statistischem Bundesamt in Deutschland aktuell 21 Prozent beträgt. Umgerechnet ergeben sich daraus 77 Tage im Jahr, die Frauen umsonst arbeiten müssen“, rechnete Kowol vor.

Ebenfalls eine Rolle in der Benachteiligung der Frau spielten nach wie vor auch die althergebrachten Aufgabenteilungen in Familien, sagte Kowol. „Die Frau ist nach wie vor die Hauptverantwortliche für Haushalt, Kindererziehung und Pflege von Familienangehörigen, während der Mann - zumeist in einer besser bezahlten Vollzeitstelle - die klassische Rolle des Hauptverdieners und Ernährers einnimmt.“ Oft könnten Frauen daher nur eine Halbtagsstelle besetzen, resümierte der Stadtrat. Besonders benachteiligt seien Alleinerziehende. „Altersarmut von Frauen ist dadurch programmiert und lässt sich nur durch ein Umsteuern in Politik und Wirtschaft, durch Veränderung des Rollenverhaltens und durch Verbesserungen in der Infrastruktur, vor allem bezogen auf die Betreuung von Kindern, erreichen. Der Handlungsbedarf ist also immer noch riesig und es ist wichtig hierfür zu sensibilisieren“, so Kowol.

Kowol dankte allen Mitstreiterinnen für ihr Engagement dabei Themen in die Öffentlichkeit und tragen damit zu mehr Geschlechtergerechtigkeit beizutragen. „Es gilt auch weiterhin, gemeinsam für alle Frauen in unserer Gesellschaft einzutreten.“ Noch lange sei man nicht am Ziel angekommen, an dem eine Geschlechtergerechtigkeit und Gleichberechtigung hergestellt ist. „Es braucht weiterhin engagierte Frauen und engagierte Männer die sich für diese Themen stark machen und ihre Umsetzung vehement einfordern“, schloss der Stadtrat.

Foto: Am Internationalen Frauentag sprach Stadtrat Andreas Kowol zum rund 35 Gästen. Foto: Stadt Hanau


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