"Zugleich wird damit die Blockadehaltung der Deutschen Flugsicherung entlarvt", findet der OB weiter, denn die DFS hat alternative Anflugverfahren bisher abgelehnt.
Der beauftragte Gutachter Michael Morr verdeutlichte bei der jüngsten Fluglärm-Informationsveranstaltung in Gelnhausen, dass Frankfurt ansteuernde Flugzeuge in Hanau höher fliegen oder gar durch neue Flugverfahren weitgehend um die Brüder-Grimm-Stadt herumgeführt werden könnten. "Das wäre ein großer Fortschritt für die Bevölkerung der Brüder-Grimm-Stadt", hoff Kaminsky. Denn die ersten Ergebnisse der neuen Innenstadt-Messstelle zeigten, dass die Zahl der Flugbewegungen und der Schallereignisse eine "ähnlich hohe Belastung" darstellten wie im lärmgeplagten Steinheim, wo ebenfalls eine geeichte Messstelle installiert ist.
Die zusätzliche Messstelle auf dem Dach der Pestalozzi-Schule liefert seit Dezember Daten. Mehrmals täglich werden dort zwischen 65 und 75 Dezibel registriert. Die ermittelten Fluglärmwerte sind auf der Homepage des Deutschen Fluglärmdienstes e.V. (www.dfld.de) ebenso nachzuvollziehen wie auf der städtischen Homepage unter www.hanau.de/lih/umwelt/luft/006114/index.html
Das Gutachten hat drei Anflugverfahren untersucht, die eine Fluglärm-Entlastung für den Main-Kinzig-Kreis versprechen: höhere Anflugprofile, ein kontinuierliches Sinkflugverfahren und das sogenannte Point-Merge-Verfahren, bei dem sich Flugzeuge bereits in großer Höhe einreihen und dann zum Sinkflug ansetzen. Gutachter Morr berichtete, dass dieses Verfahren im Luftraum von Oslo und Dublin bereits eingeführt und für Paris vorgesehen sei und in Rom simulieret werde. Er fügte hinzu, in Paris fuße das veränderte Anflugverfahren auf einer Vorgabe der französischen Regierung den Fluglärm um die Pariser Flughäfen zu mindern.
"Daran könnte sich die Deutsche Flugsicherung ein Beispiel nehmen und auch unserem Ballungsraum Rhein-Main weniger Fluglärm bescheren", schlägt Hanaus OB vor. Genauso gelte das für die hessische Landesregierung, die mit ihrer Hilfe solche Alternativen voranbringen könne, "statt jetzt nur darauf zu warten, bis sich das Bundesverwaltungsgericht im März zum Nachtflugverbot äußert".
Der Flughafen Frankfurt sei zwar wichtig als Motor für die Arbeitsplätze in der Rhein-Main-Region, daher habe die Stadt Hanau einem Ausbau positiv gegenüber gestanden. Diese Rolle könne der Flughafen aber nur mit Akzeptanz im Umland spielen. Akzeptanz wiederum sei nur möglich, wenn Anflugverfahren und -routen ebenso lärmarm seien wie die Flugzeuge selbst. Unabdingbar sei ein Nachtflugverbot - als Ausgleich für die zunehmenden Flugbewegungen tagsüber, so Kaminsky.
Der OB ruft die Bürger dazu auf, die städtische Informationsveranstaltung zu besuchen, bei der es am 29. Februar um 19 Uhr im Congress Park Hanau gezielt um das Thema Fluglärm geht.
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