Erstmals hat sich Oberbürgermeister Claus Kaminsky mit Mietern der stark sanierungsbedürftigen, denkmalgeschützten Annasiedlung am Kinzigheimer Weg zum Gedankenaustausch getroffen.
Erstmals hat sich Oberbürgermeister Claus Kaminsky mit Mietern der stark sanierungsbedürftigen, denkmalgeschützten Annasiedlung am Kinzigheimer Weg zum Gedankenaustausch getroffen.
Den Termin nahmen nahezu alle verbliebenen Mieterparteien wahr, lediglich zwei von 14 waren verhindert oder entschuldigt. Drei von ihnen hegen den Wunsch in eine Wohnung der Baugesellschaft umzuziehen; das Gros will nach vielen Jahren Verwurzelung im Kinzigheimer Weg wohnen bleiben. Kaminsky erläuterte ihnen, dass die Stadt das Vorkaufsrecht für die insgesamt 13 Mehrfamilienhäuser und die Freiflächen ausgeübt hat, um grundlegend sanieren zu lassen. Das jedoch beklage die Dolphin Capital 214. Projekt GmbH. Vermieterin sei weiterhin Dolphin, dementsprechend habe das Unternehmen auch „wenigstens den geringsten Anforderungen an eine Vermietung nachzukommen“, so der Oberbürgermeister.
Er führte den Bleibewilligen vor Augen, dass eine Sanierung mit sich bringe während dieser Zeit innerhalb der Siedlung umziehen zu müssen. In Notfällen biete die Stadt Umzugshilfen, versprach er. Auf die geäußerte Befürchtung hin, durch die Modernisierung würden die Wohnungen zu teuer, entgegnete Kaminsky: „Lassen Sie uns das Problem erst mal haben.“ Damit hob er darauf ab, dass derzeit völlig unklar ist, wann mit der viele Monate dauernden Sanierung überhaupt begonnen werden kann.
Mieter zeigten sich in der Versammlung mit dem OB verunsichert darüber, wer Vermieter ist und wer für welche Schritte zuständig ist. Dazu trug dieser Tage der Aushang einer von Dolphin beauftragen Verwalterfirma bei, der für eine Sanierung in den Wohnungen nötige Vermessungsarbeiten ankündigte. Die Stadt Hanau jedoch beklagt, dass entgegen der Vereinbarung mit ihr Dolphin seit 2014 keinerlei Sanierungsanstrengungen zeigt.
Eine Mieterin merkte bei dem Treffen mit dem OB an, seit Dolphin im Besitz der Immobilien sei, passiere gar nichts mehr. Die verschiedenen Vorbesitzer hätten sich wenigstens noch etwas mehr bemüht, nachdem die Baugesellschaft die Häuser 2009 veräußert hatte. Ein Bewohner schilderte, dass er einmal seine Miete wegen Mängeln in der Wohnung gekürzt und dann doch voll gezahlt habe, nachdem Dolphin mit der Kündigung gedroht habe. OB Kaminsky riet allen dazu sich vom Mieterbund in Hanau beraten zu lassen, wie mit Mietminderungen umzugehen ist.
Der Oberbürgermeister schilderte weiter, dass die Stadt Abfall im Freien der Wohnanlage entsorgt habe, weil Dolphin dieser Pflicht nicht nachgekommen sei. Das stelle die Stadt Dolphin in Rechnung. Verfügt habe die Bauaufsicht auch, dass ein Großteil der baufälligen Balkone nicht mehr zu betreten sei. Die Stadt forderte Dolphin auf, die maroden Balkone dauerhaft zu sichern. Städtische Behörden verlangen von Dolphin auch, leer stehende Wohnungen gegen Einbruch und Vandalismus zu schützen. Gegen die Verfügungen hat Dolphin geklagt.
Der OB kündigte an, dass die Stadt auch weiterhin darauf achte, dass Dolphin als Vermieterin ihren Pflichten gegenüber den Mietern nachkomme. „Ich wünsche Ihnen gute Nerven, um Ihre schwierige Wohnsituation weiter auszuhalten“, gab Kaminsky den Mietern mit auf den Weg. Er versprach mit den Mietern weiterhin im Austausch zu bleiben.
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