Eine Vorbildfunktion im Bereich der Inklusion übernimmt die Stadt Hanau, indem sie nach 2017 bereits zum zweiten Mal ein Stück der Brüder Grimm Festspiele simultan in Deutsche Gebärdensprache übersetzen lässt.


Die Idee entstand 2017 im Rahmen des Modellprojekts "Inklusion" der Stadt Hanau. Schon bei der Premiere 2017 waren die reservierten 50 Plätze in den vorderen Reihen für Menschen mit Hörbehinderungen in wenigen Wochen ausverkauft. Das zeigt wie groß deren Bedürfnis nach kulturellen Teilhabe ist. In dem reservierten Block haben die gehörlosen Zuschauer den besten Blick auf die beiden Gebärdensprachdolmetscherinnen Barilaro und Enders, die das Theaterstück mit Gestik und Mimik begleiten und die Inhalte verständlich machen. "Wir müssen uns im Vorfeld darüber abstimmen, wie wir die verschiedenen Charaktere darstellen", erläutert Kathrin Enders und erwähnt dabei auch, wie schwierig es ist, Lieder und Musik in Gebärdensprache zu übersetzen.
"Für mich und mein Kind war es so schön, zu einer ganz normalen Theateraufführung gehen zu können. Einfach dazu gehören, das fühlt sich toll an. Danke der Stadt Hanau dafür (…)", sagt die Mutter eines stark hörbeeinträchtigten Kindes zu den Gebärdensprachdolmetscherinnen im Anschluss an die Aufführung.
Der Intendant der Brüder Grimm Festspiele Frank-Lorenz Engel, der unter Kindern als die Synchronstimme von Simba im Kinofilm "Der König der Löwen" bekannt ist, sieht die Stadt Hanau in einer Vorreiterrolle bei der Inklusion von Menschen mit Beeinträchtigungen. "Indem die kommunikative Barriere aufgehoben wird, ermöglichen wir gehörlosen Kindern und Erwachsenen die Teilnahme am öffentlichen kulturellen Leben und schaffen Raum für Begegnungen von Menschen mit und ohne Behinderung", sagt Engel. Aus diesem Grund werde er sich dafür einsetzen, dass die Übersetzung in Gebärdensprache auch in den folgenden Jahren fortgeführt wird.
Allein in Deutschland gibt es laut dem Deutschen Schwerhörigenbund 16 Millionen Schwerhörige, davon sind etwa 220.000 Menschen auf die Gebärdensprache angewiesen. Und doch ist Schwerhörigkeit im öffentlichen Leben wenig präsent. Eine gehörlose Frau, die als Besucherin bei den Hanauer Brüder Grimm Festspielen war, fasst das so zusammen: "Gehörlosigkeit ist eine unsichtbare Behinderung. Hier im Theater werden wir sichtbar."
Hintergrund: Mit den Brüder Grimm Festspielen ehrt die Stadt Hanau die deutschen Märchensammler und Sprachforscher Jacob und Wilhelm Grimm, die in Hanau geboren wurden. Jedes Jahr locken die preisgekrönten Festspiele über 70.000 Besucher an. In diesem Jahr finden die 34. Festspiele mit den Stücken "Dornröschen" (Musical/Premiere am 11. Mai), "Der Froschkönig" (Familienstück/Premiere am 19. Mai), "Die Prinzessin auf der Erbse" (Theater mit Gesang/Premiere am 2. Juni) sowie "Der Brandner Kasper" (Reihe Grimm Zeitgenossen/Premiere am 9. Juni) und "Die Leiden des Jungen Werther" (Reihe Junge Talente/Premiere am 13. Juli) vom 11. Mai bis 29. Juli 2018 statt. Weitere Informationen über die Brüder Grimm Festspiele gibt es unter www.festspiele.hanau.de im Internet. Tickets gibt es im Hanau Laden am Freiheitsplatz, an allen bekannten Vorverkaufsstellen sowie im Internet unter www.frankfurt-ticket.de oder auch unter der Telefonnummer 069 / 13 40 400.
Fotos: Stadt Hanau
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