Viele Autofahrer ohne Schulterblick und Fahrradfahrer ohne Helm

Hanau

Um die Mittagszeit herrschte viel Verkehr an der Kreuzung Nürnberger Straße/ Gärtnerstraße in Hanau.

Interkulturelle Wochen im Main-Kinzig-Kreis
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Auto um Auto fährt vom Kurt-Blaum-Platz kommend in Richtung Innenstadt. Aus Richtung des Klinikums schieben sich die Autos von der Gärtnerstraße aus über die Kreuzung. Die Bürgersteige sind voller Menschen, die ihren Erledigungen nachgehen, auf den Bus warten, oder gerade aus einem aussteigen. Fahrradfahrer machen das Gewusel komplett. Mittendrin die Beobachter vom Auto Club Europa e.V. (ACE), die sich Notizen machen.

Uwe Völker, Anton Hofmann und Volker Schork beobachten, ob Autofahrer beim Abbiegen einen Schulterblick machen, oder ob sie blinken. Bei Fahrradfahrern achten sie darauf, ob sie einen Helm tragen, oder bei Rot über die Ampel fahren. Die Beobachtungen sind Teil der ACE-Aktion „Fahr mit Herz!“ Anlass der Aktion sind die vielen, oft tödlichen Unfälle, die sich an Kreuzungen zwischen Auto- und Fahrradfahrern ereignen. „Jeden Tag gibt es in Deutschland einen toten Radfahrer“, sagt Uwe Völker, Regionalbeauftragter des ACE für Hessen. Im Jahr 2016 seien deutschlandweit 393 Fahrradfahrer bei Unfällen zu Tode gekommen, so Völker. Die meisten Unfälle ereigneten sich an Kreuzungen.

Daher will der ACE mit der Aktion „Fahr mit Herz!“ einerseits überprüfen, welche Fehler Auto- und Fahrradfahrer im Straßenverkehr machen, und andererseits für ein rücksichtsvolles Miteinander im Straßenverkehr werben. „Es geht uns um Präventionsarbeit, wir wollen niemanden an den Pranger stellen.“ Dennoch ist die Bilanz, die Völker und die Kollegen Hofmann und Schork nach drei Stunden Verkehrsbeobachtung ziehen, ernüchternd. 180 Autos haben sie gezählt, nur in 50 Fällen (27 Prozent) haben deren Fahrer keinen Fehler gemacht. 119 haben beim Abbiegen in die Gärtnerstraße keinen Schulterblick gemacht. In diesem Fall hätte ein Fahrradfahrer keine Chance, gesehen zu werden. „Zum Glück hat es keine Situation gegeben, in der ein Fahrradfahrer in eine kritische Situation geraten ist“, so Völker. Die Radfahrer-Falle ist der tote Winkel und insbesondere eine Gefahr durch abbiegende Lkw.

Aber auch die Fahrradfahrer verhalten sich nicht immer korrekt, stellten die ACE-Vertreter fest. Zwar hätten sich von 322 beobachteten Radfahrern 263 (81 Prozent) richtig verhalten. Doch zehn sind bei Rot über die Ampel gefahren, und 22 sind auf den Bürgersteig gefahren, um so die rote Ampel zu umfahren. 23 Fahrradfahrer haben entweder während der Fahrt auf ihr Smartphone geschaut oder Kopfhörer getragen. „Da fehlt mir der Glaube, dass der Mensch dann noch etwas von seiner Umgebung wahrnimmt“, sagt Völker. Auch scheinen es viel Radfahrer nicht für nötig zu halten, einen Helm zu tragen. Nur 58 der 322 Beobachteten trugen einen Helm. Das entspricht einer Quote von 18 Prozent. „Man kann nur an die Fahrradfahrer appellieren, ein Helm schützt Leben“, mahnt Völker.

Die Zahlen zeigen, dass sowohl Auto- als auch Fahrradfahrer noch viel mehr für ein auskömmliches und sicheres Miteinander im Straßenverkehr tun könnten. Die Stadt hingegen könnte „mehr von den Straßen getrennte Fahrradwege bauen“, so Völker. Denn „aufgemalte Linien täuschen Sicherheit nur vor.“

Foto: Uwe Völker, Anton Hofmann und Volker Schork (v.l.n.r.) als ehrenamtliche Verkehrsbeobachter für den Auto Club Europa in Hanau an der Nürnberger Straße/Ecke Gärtnerstraße unterwegs.


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