"Sie war eine mutige Gegnerin des NS-Regimes, eine stille Heldin", so Oberbürgermeister Claus Kaminsky bei der Kranzniederlegung anlässlich des 125. Geburtstages von Dr. Elisabeth Schmitz am 23. August.
"Sie war eine mutige Gegnerin des NS-Regimes, eine stille Heldin", so Oberbürgermeister Claus Kaminsky bei der Kranzniederlegung anlässlich des 125. Geburtstages von Dr. Elisabeth Schmitz am 23. August.
Zu einer kleinen Gedenkfeier hatten sich neben Kaminsky auch Pfarrer Heinz Daume für die evangelische Kirche, Martin Hoppe für den Fachbereich Kultur sowie Gerhard Lüdecke und Gabriele Lüdecke-Eisenberg auf dem Hauptfriedhof eingefunden. Das Ehepaar Lüdecke hatte sich in den vergangenen Jahren neben Dr. Eckhard Meise vom Hanauer Geschichtsverein sehr für die Erinnerung an die in Hanau geborene Widerstandskämpferin aus den Reihen der Bekennenden Kirche eingesetzt, was zu ihrer Ernennung zur "Gerechten unter den Völkern" seitens des Staates Israel 2011 führte.
Ebenso anwesend war ein Deutsch-Leistungskurs in Begleitung des stellvertretenden Schulleiters Robert Schnabel und Lehrer Martin Dallmann von der Karl-Rehbein-Schule, an der Schmitz nach dem Zweiten Weltkrieg von 1946 bis 1958 unterrichtete. Mit den Schülerinnen sprach Kaminsky über das Lebenswerk von Schmitz, die schon sehr früh, 1935/36 in ihrer Denkschrift "Zur Lage der deutschen Nichtarier" die sich anbahnende Verfolgung und Ermordung der jüdischen Mitbürger/innen durch das NS-Regime thematisierte, aber nicht gehört wurde. Nach den Novemberpogromen bat Schmitz 1938 um Versetzung in den Ruhestand aus ihrem Lehrerberuf und begründete: "Es ist mir in hohem Maße zweifelhaft geworden, ob ich den Unterricht bei meinen rein weltanschaulichen Fächern – Religion, Geschichte, Deutsch – so geben kann, wie ihn der nationalsozialistische Staat von mir erwartet und fordert." Auch heute sei es an der Zeit, sich gegen Diskriminierung, verbale wie tätliche Übergriffe gegenüber Andersgläubigen und Andersdenkenden zu wenden und Stellung zu beziehen. "Dr. Elisabeth Schmitz kann Ihnen auch heute nur Vorbild sein", so der Oberbürgermeister zu den jungen Menschen.
Dr. Elisabeth Schmitz wurde 1893 in Hanau geboren und verstarb 1977 in Offenbach. Sie studierte als eine der ersten Frauen überhaupt ab 1914 an den Universitäten Bonn und Berlin Geschichte, Germanistik und Theologie und unterrichtete ab 1923 in Berlin. Neben der Denkschrift engagierte sie sich auch praktisch für verfolgte Jüdinnen und Juden, indem sie ihnen ihr Wochenendhaus "Pusto" in Wandlitz als Unterschlupf zur Verfügung stellte. Auf dem Hauptfriedhof befindet sich ihr Ehrengrab, das 2005 von der Stadt Hanau und der evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck eingerichtet wurde. An ihrem Geburts- und Wohnhaus in der Corniceliusstraße wurde 2013 eine Gedenktafel angebracht, im Stadtteil Wolfgang existiert die Elisabeth-Schmitz-Schule, im Lamboygebiet eine Elisabeth-Schmitz-Straße. Auch die Bibliothek der Karl-Rehbein-Schule ist nach ihr benannt.
Foto: Stadt Hanau
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