Hilfesystem für Wohnungslose bewährt sich auch in Corona-Krise

Hanau
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"Bisher greift unser Hilfesystem für wohnungslose Menschen in Hanau. Hoffen wir, dass das so bleibt", sagt Bürgermeister Axel Weiss-Thiel.

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In "bewährter Gemeinsamkeit" sorgten die Ökumenische Wohnungslosenhilfe (ÖWH) im Franziskus-Haus und das städtische Amt für Wohnhilfen und Soziales für ein Unterstützungsnetz, das auch den eventuellen Fall einer Corona-bedingt nötigen Isolation von Nichtsesshaften vorbereitet ist. Zugleich hebt Weiss-Thiel hervor, dass Franziskus-Haus und das Amt nach Anmeldung im Rathaus für Bedürftige offen seien wie eh und je. An die Hanauer Bevölkerung appelliert er: "Melden Sie der Polizei oder der Stadtpolizei offenkundig Obdachlose im Straßenbild. Und das lieber einmal mehr als einmal zu wenig, um gegebenenfalls Leben zu retten." "Keine und keiner darf erfrieren", diese Devise steckt auch hinter der Notschlafstelle "Schneckenhaus" im Franziskus-Haus. Wegen der derzeit niedrigen Nachttemperaturen ist sie weiterhin geöffnet.  Stadt Hanau und Main-Kinzig-Kreis unterstützen diesen Erfrierungsschutz für mittellose und obdachlose Menschen in den kalten Wintermonaten finanziell.

Über eine Klingel kann dort ein Bereitschaftsdienst angefordert werden. Das "Schneckenhaus " ist mit Betten und einem eigenen Sanitärbereich ausgestattet und bietet getrennte Übernachtungsmöglichkeiten für Frauen und Männer. Die Hilfe suchenden Menschen werden mit allem versorgt, was zur Übernachtung notwendig ist, bei Bedarf auch mit Essen und Getränken. Normalerweise ist der Verbleib im "Schneckenhaus" auf eine Nacht beschränkt. Jetzt in der Corona-Krise ist diese Regel außer Kraft gesetzt, alle Plätze sind belegt. Die übliche Zahl von sechs Betten ist auf die Hälfte reduziert, um den in der Pandemie nötigen Abstand zu wahren. "Bei Mehrbedarf haben wir Kapazitäten in der Hinterhand", erläutert Stefan Beyer, Leiter des Amtes für Wohnhilfen und Soziales.

"Außer der von Ehrenamtlichen geführten Kleiderkammer, die ohnehin renoviert werden muss, halten wir alle Dienste für Wohnungslose mit Fachleuten am Laufen", beschreibt Franziskus-Haus-Leiter Rainer Broßmann die Lage. Caritas und Diakonie als Träger des Hauses seien es den wohnungslosen Menschen "schuldig sie jetzt nicht im Stich zu lassen". Die Einrichtung zu schließen, sei schon deswegen nicht möglich, weil sie auch Wohnungen unter ihrem Dach habe, in der Menschen auf den Übergang zu einer eigenen Bleibe andernorts vorbereitet werden. Handhygiene und Abstandhalten seien in allen Stockwerken ein Muss. In der Herberge sind statt üblicherweise 15 nun neun Klienten allesamt in Einzelzimmern untergebracht. In der Tagesstätte, in der sich wohnungslose Menschen mit Essen und Trinken versorgen und Geselligkeit suchen, sei das Abstandwahren "eine größere Herausforderung als im Rest des Hauses", bekennt Broßmann.

Bisher seien kein Corona-Verdachtsfall oder gar eine positive Testung auf Covid-19 eingetreten, erläutern Broßmann und Beyer. Und wenn solches doch eintritt? Dann sei im Einzelfall zu entscheiden, im Einvernehmen mit dem Gesundheitsamt des Main-Kinzig-Kreises, erläutert Beyer. Und weiter: "Dann sind drei Isolierungszimmer mit separatem Zugang in einer  Unterkunft der Stadt Hanau vorgesehen."  Freilich würden Versorgung mit Essen und medizinischer Hilfe, die Überwachung bei eventuell Suchtkranken und die Reinigung des Gebäudes dann zu einer "neuen großen Herausforderung für uns". Hierfür fehle trotz bestehendem Pandemieplan des Franziskus-Hauses die Erfahrung, fügt Broßmann hinzu. 

Foto: Das Bild zeigt, wie sich Klienten anstellen für die Auszahlung von Soziallleistungen für Wohnungslose. Das sind 14,40 Euro, die ihnen täglich zustehen und binnen einer halben Stunde vormittags ausgezahlt werden. Jetzt in der Corona-Krise ist der Rhythmus von Tages- auf Wochenauszahlung umgestellt, damit die Abstandsregeln besser eingehalten werden können, wie auf dem Foto zu sehen.

Foto: Stadt Hanau

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