Mehrere Hotlines bieten Betroffenen in Hanau Hilfe

Hanau
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"Ich musste mein Geschäft schließen – wo kann ich Unterstützung beantragen?", "Mein Job ist in Gefahr – was soll ich tun?"

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"Ich bin über 80 und lebe allein – wie komme ich an Lebensmittel?", "Was genau bedeutet das Kontaktverbot?" Diese und viele andere Fragen laufen bei den verschiedenen Hotlines ein, die die Stadt Hanau eingerichtet hat. "Die Menschen machen sich aktuell große und ganz vielfältige Sorgen, um ihre Existenz, um die Versorgung ihrer alten Eltern oder um den Arbeitsplatz. Diese Menschen wollen wir auffangen und ihnen möglichst unkompliziert Hilfestellung bieten. Es gilt unser Leitmotiv: Wir lassen niemanden allein", sagt Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD).

Nach rund drei Wochen ziehen die Verantwortlichen eine positive Bilanz: So verzeichnet beispielsweise das Bürgertelefon mehr als hundert Anrufe pro Tag. "Die meisten Menschen sind sehr freundlich und stellen ganz gezielte Fragen rund um die aktuelle Situation", erzählt Thorsten Wünschmann, Leiter des Hanauer Ordnungsamtes, "wenn neue Themen in die Öffentlichkeit kommen, häufen sich natürlich die Fragen dazu, aber ansonsten beantworten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Bürgertelefon wirklich alles quer Beet." Jeweils vier sitzen in einer Schicht, gearbeitet wird im Drei-Schicht-Betrieb, telefoniert von 7 bis 20 Uhr.

Kurios: Selbst aus anderen deutschen Städten kommen regelmäßig Anrufe. "Und dabei handelt es sich nicht um Irrtümer, sondern tatsächlich um Menschen, die etwas wissen wollen", so Wünschmann. Die Anruferin mit der größten räumlichen Distanz lebt in Zürich: Sie plant einen Umzug in die Brüder-Grimm-Stadt und wollte wissen, ob das im Moment überhaupt möglich ist. Aktuell seien natürlich Masken ganz oben auf der Hitliste des Bürgertelefons. Wünschmann lobt sein Team: "Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind motiviert und engagiert, knien sich richtig in die Aufgabe rein und versuchen, zu helfen, wo es geht." Das komme auch bei der ganz überwiegenden Zahl der Menschen so an: "Wenn die Masken im Ausnahmefall bis an die Haustür geliefert werden, sind die Leute so dankbar. Es gab sogar schon Tränen."

Damit sind auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den anderen Hotlines mehr als vertraut – sie erleben häufig die pure Verzweiflung. Das Team der Sozial-Hotline weiß, dass vor allem das Kurzarbeitergeld die Menschen beschäftigt. Sie machen sich Sorgen, wie sie die Miete bezahlen und ihre Familie ernähren sollen. Ebenfalls gefragt: Antworten zu ausbleibendem Unterhalt, Schutzausrüstung oder Hilfen für Soloselbständige. Den allermeisten Menschen kann das Team eine Antwort bieten, eine Stelle nennen, die sich kümmert oder wo es Zuschüsse gibt. Diesen Anspruch haben auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an der Wirtschafts-Hotline, die direkt an die Wirtschaftsförderung angebunden ist. Hier können sich speziell Unternehmer informieren. Erika Schulte, Chefin der Hanauer Wirtschaftsförderung, beschreibt: "Am Anfang waren wir eher ein Sorgen- und Beruhigungstelefon, doch inzwischen merken die Leute, dass die Soforthilfe ankommt. Jetzt werden sehr konkrete und individuelle Fragen gestellt." Ein Problem sei aus ihrer Sicht, dass es für Mittelständler mit mehr als 50 Mitarbeitern keine direkten Hilfen gebe. Diese Unternehmer könnten bislang nur Kredite beantragen – die Erfahrung aber zeige, dass Soforthilfe gefragt sei. "Auch die Zusammenarbeit mit unseren Partnern in Hanau, der IHK und der Kreishandwerkerschaft zum Nutzen unserer Unternehmen ist in der momentanen Situation beispielhaft", ergänzt Schulte.

Apropos "Soforthilfe": Was machen eigentlich jetzt ältere Menschen ohne Familie vor Ort, die sich nicht selbst um ihren Einkauf kümmern können? Für sie hat die Stadt eine sogenannte "Versorgungs-Hotline" eingerichtet. Dahinter verbergen sich unter anderem ein städtisch organisierter Lieferservice für Lebensmittel und tiefgekühlte Speisen, aber auch eine Liste von Hanauer Apotheken, die Medikamente ins Haus bringen. Die "Versorger" sind gefragt: Bereits in den ersten Tagen nach Freischaltung der Telefonnummer gingen weit mehr als 100 Anrufe ein – vor allem der Lebensmittel-Lieferdienst nimmt vielen Senioren eine Last von den Schultern.

Keine Hotline, aber ein "Hilfsangebot mit Sahnehäubchen" ist die Plattform "Hanau Vorfreude". Hier können Kunden beim Händler, Gastronomen und Dienstleister ihres Vertrauens Gutscheine erwerben, deren Gültigkeit nicht begrenzt ist. Damit erzielen die Geschäfte, die nun geschlossen sind, auch jetzt Einnahmen, und die Kunden können sich auf die Zeit nach dem Kontaktverbot, auf Einkaufen und gastronomische Erlebnisse freuen. Mehr als 10.000 Klicks werden hier pro Tag registriert. Auch für die Zeit, die man jetzt zwangsläufig allein in den eigenen vier Wänden verbringen muss, gibt es jetzt eine Lösung: Unter www.hanaudaheim.de finden sich zahlreiche Anregungen, Videos und Tipps aus ganz unterschiedlichen Bereichen wie Sport, Bildung oder Kulinarik.

Infokasten Hilfsangebote/Hotlines

Bürgertelefon der Stadt Hanau für Fragen zur Lage in Hanau: 06181/ 67660-2001 (täglich von 7 bis 20 Uhr) Sozial-Hotline der Stadt Hanau für  Fragen rund um den Job: 06181-67660-2003 (montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr) E-Mail Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! Bürgertelefon der Stadt Hanau für Menschen, die Hilfe bei der Versorgung mit Lebensmitteln benötigen: 06181-67660-2002 / 06181-295-8130 (montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr; samstags von 9 bis 13 Uhr) E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! Für Fragen rund um die Notdienste der Kindertagesstätten: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! Für Fragen rund um die Notbetreuung der Schulen: Bitte kontaktieren Sie die für Ihr Kind zuständige Schule (montags bis freitags von 8 bis 12 Uhr) Für Fragen von Hanauer Unternehmen, die finanzielle Unterstützung benötigen: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! Gutschein-Portal zur Unterstützung des Hanauer Handels: www.hanau-vorfreude.de Portal für Unterhaltung, Bildung und Kultur: www.hanaudaheim.de

Foto: Wenn Menschen Fragen haben, wird ihnen an verschiedenen Hotlines in Hanau geholfen. Eine davon ist das Bürgertelefon mit zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Foto: Stadt Hanau

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