Hanau bereitet Kita-Öffnung im Vorsichtsmodus vor

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Den 2. Juni sehnen viele Eltern herbei: Dann nämlich verspricht das Land Hessen etwas, das sich "Eingeschränkter Regelbetrieb" in den Kindertagesstätten nennt.

Dieser Begriff könnte indes für Begehrlichkeiten sorgen, die die Kommunen nicht erfüllen können. Auch der Hanauer Eigenbetrieb Kindertagesbetreuung sieht sich vor großen logistischen Herausforderungen. Immerhin sind rund 4000 Kinder betroffen – theoretisch sollen sie dann alle wieder versorgt werden. Ein Ding der Unmöglichkeit, sagen Bürgermeister Axel Weiss-Thiel und die Leiterin des Eigenbetriebes, Astrid Weiermann. Stattdessen haben sie sich viele Gedanken zu einem sinnvollen Konzept gemacht, das möglichst viele Kinder berücksichtigt und den Eltern möglichst viel Verlässlichkeit bietet. Danach machen die Vorschulkinder den Anfang: Sie sollen am 2. Juni wieder in die Kita gehen und würden dann drei Wochen lang jeden Tag für vier Stunden intensiv auf den Schulbesuch in Corona-Zeiten vorbereitet. "Dieses Vorschulprojekt gibt es in jedem Jahr und es ist wichtig für die Kinder. Sie stehen vor einem wichtigen Schritt in einen neuen Lebensabschnitt und müssen darauf vorbereitet und in ihren Fähigkeiten bestärkt werden. Deshalb sollten sie die ersten Nutznießer der Öffnung sein."

Nun aber bereitet das aktuelle Infektionsgeschehen den Verantwortlichen Kopfzerbrechen: Viele der Besucher des Baptistengottesdienstes in Frankfurt leben in Hanau oder haben familiäre Verbindungen hierher. "Das müssen wir genau im Blick behalten. Sicherheit geht hier ganz klar vor", bekräftigt Oberbürgermeister Claus Kaminsky seine Überzeugung, Hanau spiele in der "Mannschaft Vorsicht" und nicht in der "Mannschaft Sorglos", "ich habe allergrößtes Verständnis für die Eltern, die die Betreuung ihrer Kinder herbeisehnen. Aber wir werden nicht sehenden Auges in ein für uns unüberschaubares Krankheitsszenario laufen, das Familien und Beschäftigte in den Kitas gefährdet." Die Planungen für den Wiedereinstieg am kommenden Montag blieben zwar erstmal bestehen, aber wenn die Infektionsrate in Hanau dramatisch steige, werde man den Start verschieben.

Wie geht es weiter? Nach dem Ende des Vorschulprojektes, ab 22. Juni, beginnt die Betreuung für den größten Teil der Kinder: Die sogenannten "Kindergartenkinder", also im Alter von etwa zwei bis sechs Jahren, dürfen wieder in die Kita. Damit werden rund 2500 Mädchen und Jungen versorgt – täglich, aber mit eingeschränkten Betreuungszeiten. "Die Kinder sind von 8 bis 13 Uhr bei uns und bekommen in der Kita auch ihr Mittagessen. Aus unserer Sicht ist dies das Angebot, mit dem wir unter den aktuellen Umständen die Familien am besten unterstützen können. Kontinuität, feste Gruppen, in der Regel die gewohnte Kita und dazu Mittagessen – das hilft allen Beteiligten", erläutert Bürgermeister Weiss-Thiel. Es sei ihm bewusst, dass auch mit diesem Modell nicht alle Anforderungen der Eltern bedient werden könnten, doch seien mit den Hygieneregeln, kleineren Gruppen und anderen Maßnahmen Kapazitäten an Fachkräften und Räumlichkeiten erschöpft. "Wir fahren unter Maximallast. Mehr geht nicht. Und alles andere wäre unverantwortlich." Sie hoffe auf Initiativen von Eltern, die sich zusammentäten, um die Kinder wechselseitig nachmittags zu betreuen.

Noch offen ist die Frage von Neuaufnahmen und Hortbetreuung. Hier könne man erst nach dem Infektionsverlauf eine Entscheidung über Anzahl und Standorte treffen. Voraussetzung für die Öffnung: Schlüssige Hygienekonzepte. Bei Ortsbegehungen mit dem Hygiene-Team des Corona-Krisenstabes wurde die Logistik an den einzelnen Standorten überprüft, Bestände an Seife, Handtüchern und Reinigungsmitteln aufgefüllt und Erste-Hilfe-Pakete mit Masken deponiert. "Hygienemaßnahmen wie häufiges und gründliches Händewaschen werden in den Alltag mit den Kindern integriert und unter Begleitung durchgeführt." Dadurch, dass Abstandsregeln von den Kindern nun mal nicht eingehalten würden, müsse man an anderen Stellen bei der Hygiene nachsteuern. Das Hygiene-Team setzt seine Begehungen aktuell fort und besucht auch Einrichtungen freier Träger.

Oberbürgermeister Kaminsky begrüßt die Planungen des städtischen Eigenbetriebes, der sich schon lange vor Bekanntgabe der Verordnung viele konzeptionelle Gedanken zur praktischen Umsetzung des eingeschränkten Regelbetriebes gemacht habe. Er kritisiert, dass sich nach vollmundiger Ankündigung aus dem Sozialministerium in Sachen Verordnung viel zu lange nichts tat. "Erst am Dienstag kam aus Wiesbaden das offizielle Papier zu den geplanten Öffnungen – hätten wir uns darauf verlassen und tatsächlich abgewartet, dann wären wir wirklich verlassen gewesen", so Kaminsky, "leider sind derartige Hängepartien in der Corona-Krise an der Tagesordnung. Die Kommunen müssen ausbaden, was das Land anzettelt und bekommen dazu dann entweder gar keine oder nur bruchstückhafte Hilfestellungen. Sozialminister Klose suggeriert den Eltern Dinge, die wir nicht umsetzen können. Und wir als Träger sind dann die Bösen." Der Rathauschef betonte, man habe in Hanau frühzeitig in den Startlöchern gestanden und werde den Eltern die bestmögliche Unterstützung bieten.

Auf einen Blick

Am 2. Juni beginnt die Betreuung der rund 900 Vorschulkinder: Sie gehen jeden Tag für vier Stunden in die Kita. Im Rahmen des Vorschulprojektes werden sie auf Schule in Corona-Zeiten vorbereitet. Ihre Betreuung endet am 19. Juni. Am 22. Juni folgen die Kindergartenkinder (etwa 2500; etwa zwei bis sechs Jahre alt). Sie werden täglich von 8.00 bis 13.00 Uhr betreut und erhalten ein Mittagessen (Ganztagsplatz). Die Kinder mit Halbtagsplatz werden von 8.00 bis 12.00 Uhr betreut. Über Neuaufnahmen und Hortbetreuung wird nach Infektionsverlauf entschieden.

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