Corona-Statistik: Hanau bei Todesfällen über dem Durchschnitt

Hanau
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Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) hat sich am Pfingstsonntag mit einer persönlichen Erklärung an die Hanauer Bevölkerung gewendet. Grund sind die nach wie vor hohen Fallzahlen in der Brüder-Grimm-Stadt, die ihn mit Sorge erfüllten, so der Oberbürgermeister. Die Zahlen stünden im Widerspruch zum am Wochenende registrierten sorgloseren Umgang der Hanauerinnen und Hanauer mit den Corona-Vorsichtsmaßnahmen.

Kaminsky appelliert in der auf seiner Facebook-Seite und auf der städtischen Internetseite www.corona.hanau.de veröffentlichten Erklärung, weiterhin Maske zu tragen, die Abstände einzuhalten und die Kontakt-Regeln zu beachten.

Nachfolgend die Erklärung im Wortlaut:

"Liebe Hanauerinnen und Hanauer, mich erreichen auf verschiedenen Kanälen Nachrichten und Beobachtungen, dass die Einhaltung der „Corona-Regelungen“ nachlässt – beim Einkaufen, Kaffee trinken, Freunde treffen. So hat sich eine Kollegin aus dem Klinikum Hanau bei mir gemeldet, die seit Wochen auf der Covid-19-Station arbeitet, die leidvollen Folgen der Krankheit hautnah erlebt und ob der um sich greifenden Sorglosigkeit in der Stadt überaus besorgt ist. Diese Meldungen und meine eigenen Erfahrungen vom Samstag erfüllen mich mit Sorge. Ich habe vollstes Verständnis dafür, dass Sie sich alle nach Normalität sehnen. Dennoch meine dringende Bitte: Halten Sie weiterhin Abstand, tragen Sie einen Mund-Nasen-Schutz, beachten Sie die Kontakt-Regeln. Auch wenn Sie aus den Medien ein Bild erhalten, dass die Zahlen sinken, ist die Pandemie nicht besiegt. Das Virus ist weiterhin unter uns. Und die Lage bleibt angespannt.

Für Hanau gilt das im besonderen Maße. Die Bundes- und Landesregierungen haben sich darauf verständigt, dass das Infektionsgeschehen künftig lokaler betrachtet werden soll. Als Richtlinie haben sie festgelegt, dass verschärfte Maßnahmen ergriffen werden sollen, wenn innerhalb von sieben Tagen 50 Neuinfektionen auf eine Einwohnerzahl von 100.000 zu verzeichnen sind. Viele Länder haben diese Richtzahl bei 35 Neuinfektionen festgelegt. Diese niedrigere Zahl erscheint mir, zumindest als Vorwarnstufe, sinnvoll.

In Hanau haben wir in der vergangenen Woche durch die Ereignisse bei dem Baptisten-Gottesdienst in Frankfurt zeitweise den Wert von 34 Neuinfektionen auf 100.000-Einwohner zu verzeichnen gehabt. Auch wenn diese nach den uns vorliegenden Zahlen inzwischen auf 20 zurückgegangen ist, liegen wir damit beim Blick auf die Statistik des Robert-Koch-Instituts unter den zehn betroffensten Kreisen und Städten in ganz Deutschland. Im Bundes- und Hessendurchschnitt bewegt sich die Zahl übrigens zwischen 4 und 6. Sie können daraus erkennen, dass wir allen Grund dazu haben, in Hanau mehr Sorgfalt walten zu lassen als das möglicherweise in anderen Städten der Region oder des Landes der Fall ist.

Ich appelliere deshalb nachdrücklich an Sie, die bekannten Regelungen weiterhin einzuhalten. Ich will unbedingt verhindern, dass bei uns in Hanau erneute Einschränkungen notwendig sind, um das Infektionsgeschehen in den Griff zu bekommen. Und ich sage es auch ganz offen: Ich entschuldige mich später lieber dafür, dass wir in Hanau möglicherweise zu vorsichtig gewesen sind, als dass ich mich bei Familien entschuldigen muss, deren Angehörige schwer erkrankt oder im schlimmsten Fall sogar verstorben sind. Hierzu eine weitere Zahl, die diese Sorgsamkeit von uns allen einfordert: In Hanau sind im Zusammenhang mit Corona inzwischen 20 Menschen gestorben – damit liegen wir, immer auf 100.000 Einwohner gerechnet, deutlich über dem Bundesdurchschnitt (10), aber auch über dem Durchschnitt aller Bundesländer (in Hessen ist er zum Beispiel 7,6). Das erfüllt mich mit Sorge und erklärt, warum ich seit Wochen die Vorgabe ausgegeben habe, dass wir in Hanau trotz des nachvollziehbaren Wunsches nach Lockerungen immer in der „Mannschaft Vorsicht“ gespielt haben und dies auch weiterhin tun werden.

Das ist auch der Grund dafür, dass ich für eine gesonderte Betrachtung Hanaus und ein umfassendes Lagebild für die Stadt plädiere. Mir geht es selbstverständlich nicht darum, personenbezogene Daten zu erhalten, sondern detaillierte Informationen zu bekommen, um in Hanau verantwortungsvolle Entscheidungen treffen zu können. Ein Beispiel: Wenn es in Stadtteil A eine auffällige Häufung an Fällen geben sollte, würden wir dort möglicherweise Jugendtreffs, Versammlungsorte und ähnliches zeitweise schließen, um dort das Verbreitungs-Risiko zu minimieren. Das ist umsichtiges, lokales Handeln, das die Bundes- und Landesregierung quasi vorgibt.

Bei dem positiven Fall in der Flüchtlingsunterkunft auf Sportsfield Housing, der am Freitag aufgetreten ist, haben wir in Abstimmung mit dem Main-Kinzig-Kreis gemeinsam Maßnahmen ergriffen, die eine Ausbreitung vermeiden sollen. Ich hoffe sehr, dass uns dies gelingen wird. Und ich hoffe sehr, dass dieses gemeinsame abgestimmte Handeln künftig auch für das übrige Infektionsgeschehen in unserer Stadt gilt.

Sie alle können einen Beitrag dazu leisten, dass die Zahlen sinken. Tragen Sie eine Maske! Halten Sie Abstand! Achten Sie auf Hygiene! Und halten Sie sich an die Regeln zum Treffen von Freunden und Bekannten! Wir alle haben beim Gottesdienst in Frankfurt, bei der Restaurant-Eröffnung in Ostfriesland und jetzt ganz aktuell bei den Familienfeiern in Göttingen erfahren müssen, welch fatale Folgen Nachlässigkeiten haben können. Diese können der Allgemeinheit schaden, wenn neuerliche Schließungen von Geschäften, Schulen oder Kindertagesstätten notwendig werden sollten, und im schlimmsten Fall sogar Leben gefährden."

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