Kaminsky: Nordmainische S-Bahn bauen, S 21 stoppen

Hanau

"Die Nordmainische S-Bahn wäre mit einem Bruchteil der Mehrkosten zu finanzieren, die nun für 'Stuttgart 21' bekannt geworden sind. Aber seit Monaten warten wir auf eine endgültige Aussage aus Berlin, wie die bestehende Finanzierungslücke von 60 Millionen Euro zu schließen ist", kritisiert Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky.

Interkulturelle Wochen im Main-Kinzig-Kreis
Harth & Schneider

Für die Stadtentwicklung Hanaus sei die S 7 "enorm wichtig", daher drängt er in einem Schreiben an Bundes- und Landtagsabgeordnete, an Ministerpräsident Volker Bouffier und an Staatssekretär Rainer Bomba aus dem Bundesverkehrsministerium auf "schnelles und klares Handeln zum Nutzen der Weiterentwicklung der östlichen Rhein-Main-Region".

Während in Hessen Einigkeit über die Notwendigkeit der S 7 herrsche, sei "Stuttgart 21" ( S 21),   das Projekt zur Neuordnung des Eisenbahnknotens Stuttgart, ein "hoch umstrittenes Milliardengrab". Dieser Ansicht seien mittlerweile auch Fachleute im Bundesverkehrsministerium, wie deren jüngstes Dossier für den Aufsichtsrat der Deutschen Bahn zeige. Darin ist von einer Kostensteigerung auf nun 6,8 Milliarden Euro die Rede; Anton Hofreiter als Vorsitzender des Bundestags-Verkehrsausschusses fürchtet sogar einen Anstieg auf mehr als zehn Milliarden Euro.

Kaminsky fordert daher das Projekt "Stuttgart" 21 endgültig fallen zu lassen. Denn ein Ende mit Schrecken sei besser als ein Schrecken ohne Ende. Zwei Milliarden Euro habe die DB nach Medienberichten dort bereits ausgegeben. Im Vergleich dazu muteten die für die S 7 veranschlagten insgesamt 430 Millionen Euro "geradezu bescheiden" an.  

Dieses Geld sei "gut investiert in der Wachstumsregion Rhein-Main". Hanau richte seine Stadtentwicklung in der westlichen Innenstadt voll auf die S 7 mit dem Halt Westbahnhof aus, hebt der OB hervor. Die Umgebung des Westbahnhofs sei bereits städtebaulich aufgewertet - und dieser Prozess gehe weiter.

Kaminsky konkretisiert das mit dem Einkaufszentrum Postcarré und dem Kinopolis, die neu entstanden sind. Der Kanaltorplatz sei bereits umgebaut und verschönert. In diesem Jahr schließt sich ein neuer Verknüpfungspunkt für Bus-Fahrgäste direkt am Bahnhof an, gepaart mit einem Kreisverkehr mit Vorteilen für alle Verkehrsteilnehmer. Darüber hinaus entstehe das Ärzte- und Dienstleistungszentrum Gloria-Palais direkt am Westbahnhof. Und das nur 200 Meter entferne Wohnquartier Westcarré sei künftig über den Westbahnhof nach Frankfurt angebunden.

Die Stadt Hanau habe "das Ihre getan, damit der S 7 über den Westbahnhof viele Fahrgäste beschieden sein könnten", ist Kaminsky überzeugt. Nun seien DB und Bundesverkehrsministerium am Zug, "um endgültige Planungssicherheit für die Nordmainische S-Bahn zu schaffen".

Hanau habe anteilig Geld für den S 7-Bau im Etat eingeplant, und für die nötigen Brückenbauwerke in der Brüder-Grimm-Stadt sei längst Baurecht geschaffen. Mehr noch: Am Salisweg haben die Bauarbeiten begonnen, um den ersten von drei beschranken Bahnübergängen in Hanau zu beseitigen. Sein Schluss daraus: "Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht."

Kaminsky warnt abschließend: "Ein Gemeinwesen, das nicht mehr in ökologisch und ökonomisch bedeutsame Verkehrsinfrastruktur wie die Nordmainische S-Bahn investiert, sägt am Ast, der Wohlstand heißt."


Ihnen ist etwas Interessantes aufgefallen im Main-Kinzig-Kreis? Schreiben Sie uns an info@vorsprung-online.de