„Neue Impulse für die Entwicklung des ganzen Quartiers“

Hanau
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Mit der Einleitung von städtebaulichen Maßnahmen will die Stadt Hanau der Entwicklung des Quartiers zwischen der Bruchköbeler Landstraße und dem Fallbach positive Impulse geben.

Die Durchführung einer entsprechenden Voruntersuchung hat der Magistrat bereits beschlossen. Die Stadtverordnetenversammlung wird sich in ihrer nächsten Sitzung am 28. September mit diesem Thema befassen.

"Um darüber hinaus Eingriffe in die Bausubstanz und Quartiersstruktur, die einer zielgerichteten Förderung des Quartiers entgegenstehen könnten, zu unterbinden, wollen wir darüber hinaus von der Möglichkeit des Baugesetzbuches Gebrauch machen, ein Vorkaufsrecht an den Grundstücken in diesem Bereich zu implementieren", erläutert Oberbürgermeister Claus Kaminsky und ergänzt, dass die dafür notwendige Vorkaufssatzung im Magistrat bereits die Zustimmung erhalten hat. Das letzte Wort hat auch hier die Stadtverordnetenversammlung.

Ziel ist es, so der OB, dass die Stadt Hanau durch aufeinander abgestimmte städtebauliche Maßnahmen das bestehende Wohngebiet strukturell sichern will. "Insbesondere den Nachverdichtungs- und Siedlungsdruck wollen wir über geeignete Steuerungsinstrumente maßvoll in die gewünschten Bahnen leiten." Dabei gelte es auch zu beachten, dass dies im Einklang mit zeitgemäßen ökonomischen und ökologischen Bedarfsanforderungen geschehe. Aktuell präsentiert sich das Maßnahmengebiet in einer typischen Siedlungsstruktur der 1950er bis 1980er Jahre mit überwiegend Ein- und Zweifamilienhausbebauung, die über ein oder zwei Geschosse verfügen. Die Grundstücke sind entlang der Straßenfluchtlinien bebaut und verfügen über meist langestreckte Gärten. Durch die Grundstückgrößen in Verbindung mit den stetig steigenden Verkehrswerten für Grundstücke und Wohnimmobilien im Rhein-Main Gebiet ist der Nachverdichtungsdruck auf die innenliegenden Gartenflächen erheblich, was zu einem zunehmendem Eindringen von Gebäuden- und Nebenanlagen in die hinter liegenden Grundstücksfreiflächen führt. Diese Entwicklung wiederum belastet die bisherige hohe Wohnqualität und die ökologischen, faunistischen und kleinklimatischen Funktionen der Freiflächen.

"Es ist schon heute offensichtlich, dass innerhalb der Siedlungsstrukturen Steuerungserfordernisse und Konfliktfelder bestehen, aus denen sich konkrete Untersuchungsbedarfe ergeben", beschreibt OB Kaminsky die Notwendigkeit, hier mit städtebaulichen Maßnahmen entgegenzuwirken. Dabei rücke auch das Gebot der Ressourcenschonung und der Reduzierung des Flächenverbrauchs neue innovative Ansätze für eine verträgliche Nachverdichtung in den Mittelpunkt kommunaler Debatten. "Das jetzt ausgewählte Maßnahmengebiet eröffnet für den weiteren städtebaulichen Diskurs einen nahezu beispielhaften Themenumgriff und macht künftige Konfliktfelder und Entscheidungsbedarfe auch für ähnliche Siedlungsflächen im Stadtgebiet sichtbar."

Dass die Stadt gerade jetzt tätig wird und die entsprechenden Maßnahmen einleiten sowie das Instrument eines städtischen Vorkaufsrechts nutzen will, ergibt sich nach den Worten des OB auch aus dem Siedlungsalter des Quartiers und der sich daraus ergebenden demographischen Entwicklung, die zunehmend Leerstand, Vererbung und Veräußerung erwarten lässt. In Anbetracht der hohen Bodenwerte und der Immobilienpreisentwicklung liegt es hier auf der Hand, dass hohe spekulative Anreize die Nachverdichtung und Strukturveränderung im Bestand ohne wirksame Steuerungsmaßnahmen zusätzlich beschleunigen könnten.

Dazu kommt, dass die Wohngebäude im Gebiet augenscheinlich vielfach überaltert sind und der Gebäudebestand heutigen Wohnraumbedarfen nicht mehr genügt. Eine Verwertung durch Erben oder Erwerber kann hohe Begehrlichkeiten nach einer Nachverdichtung schaffen, die mit den bisherigen Ausnutzungen und Gebäudetypologien kaum mehr vergleichbar ist. "Wir können schon heute beobachten, dass allein in den letzten zehn Jahren zahlreiche Objekte im Gebiet umgebaut oder deutlich verändert worden sind. Dabei ragen die Erweiterungen mit Anbauten und Nebengebäuden schleichend immer weiter in die bislang unbebauten Innenbereiche hinein."

Neben weiteren Aspekten wie die mangelnde Energieeffizienz der Häuser und eine Verkehrsraumgestaltung, die den motorisierten Individualverkehr über Gebühr bevorzugt, haben die geplanten städtebaulichen Maßnahmen auch eine sozialpolitische Komponente. Wie Hanaus Oberbürgermeister erklärt, ist eine geordnete Nachverdichtung bestehender Wohnsiedlungen elementare Grundlage der künftigen Siedlungs- und Wachstumsstrategie im Stadtgebiet Hanau. Anders sei die Versorgung der Bevölkerung mit breit gefächerten Angeboten an unterschiedlichen Wohnformen gar nicht sicherzustellen. Insofern bestehe schon angesichts der hohen Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum ein erhebliches Steuerungsinteresse bei Quartiersumbauten im Bestand. "Das freie Spiel der Kräfte am Immobilienmarkt hat hier in den zurückliegenden Jahren insbesondere in den gewachsenen Wohnlagen der 1950 bis 1980er Jahre stetig zu einer Dynamik geführt, die eine angemessene soziale Angebotsdiversifizierung nicht begünstigt hat, so dass die Befürchtung besteht, dass es auch künftig zu einer Verdrängung etablierter Bewohnergruppen in diesen Gebieten kommen kann. Auch dem wollen wir mit den jetzt auf den Weg gebrachten Maßnahmenpaket entgegenwirken."

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