Gedenktafeln mit Bildern der Opfer des rassistischen Anschlags enthüllt

Hanau
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Gemeinsam mit Angehörigen der Opfer des rassistischen Anschlags vom 19. Februar haben Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) und Stadtverordnetenvorsteherin Beate Funck (SPD) Gedenktafeln an den beiden Anschlagsorten enthüllt. Am Kurt-Schumacher-Platz wurde an den getöteten Vili-Viorel Paun zudem mit einem Gedenkkreuz in besonderer Weise erinnert.

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Zu den Feiern am Schumacher-Platz und am Heumarkt waren die beiden Opferbeauftragten der Bundesregierung und der hessischen Landesregierung gekommen: Edgar Franke und Professor Dr. Helmut Fünfsinn. Am "Tag der Zivilcourage" begrüßte OB Kaminsky zudem die Eltern von Aptug Sözen, der 2018 einen Menschen von einem Gleisbett retten wollte und dabei in einem Frankfurter S-Bahnhof selbst zu Tode kam. Kaminsky sagte am Schumacher-Platz, sieben Monate nach der rassistischen Tat sei das Leben vor allem für die Opferangehörigen "nicht mehr das Gleiche" – und werde es für die Familien auch nie wieder sein. Diese Verluste seien nicht zu ersetzen. Aber die Hanauer Stadtgesellschaft könne versprechen Gökhan, Sedat, Said Nesar, Mercedes, Hamza Kenan, Vili-Viorel, Fatih, Ferhat und Kaloyan "nie zu vergessen".

Eindringlich sagte Kaminsky zum 19. Februar: "Wir wollen wissen, was in dieser Nacht passiert ist, warum und ob es hätte verhindert werden können." Und weiter: "Wir wollen, dass Hanau der Schlusspunkt ist – dass nie wieder so etwas passiert". Die enthüllten Tafeln mit den Opfernamen seien "ein erster Baustein des Gedenkens". Ein Mahnmal werde folgen. Über die Details wolle die Stadt die Opferangehörigen entscheiden lassen und die "breitestmögliche Beteiligung der Stadtgesellschaft" erzielen. Hanau brauche diese öffentliche Diskussion "und die Auseinandersetzung", um die "vielleicht noch abseits Stehenden" zu erreichen.

Zum "Tag der Zivilcourage" passe es, dass die Familie Sözen zur Gedenkfeier mit eingeladen sei. Denn Alptug Sözen habe selbstlos einem anderen Menschen das Leben gerettet. Vili-Viorel Paun habe ebenfalls Zivilcourage gezeigt, nachdem er mitbekommen habe, dass am Heumarkt auf Menschen geschossen worden war. Weil er wegen der überlasteten Telefonleitungen in der Tatnacht bei der Polizei nicht durchkam, folgte er dem Täter mit dem Auto. Am Schumacher-Platz trafen er und der Täter aufeinander, und Paun wurde "brutal ermordet", so der OB weiter. Kaminsky wörtlich weiter: "Wo andere Menschen wegschauten, hat Vili-Viorel in beispielhafter Weise Mut und Zivilcourage bewiesen." Er habe "unser aller Dankbarkeit und Respekt verdient" und werde "immer ein Vorbild bleiben". Er habe "Menschlichkeit über sein eigenes Menschenleben" gestellt.

Vili-Viorel Paun sei nur 22 Jahre alt geworden. Und doch hinterlasse er "ein so großes vorbildliches Erbe". Das Kreuz am Schumacher-Platz sei zum Gedenken und zur Mahnung zu verstehen. Pauns Vater fügte anschließend hinzu, das Kreuz sei ein "Mahnmal für die gesamte Stadt". Beim Enthüllen der Gedenktafel am Heumarkt erläuterte OB Kaminsky, dass die Stadt Hanau zusammen mit Angehörigen bewusst entschieden habe, an beiden Tatorten aller Opfer der rassistischen Tat zu gedenken, auch wenn sie an unterschiedlichen Orten zu Tode kamen. "Das Gemeinschaftliche war uns wichtig", sagte er. Wie zuvor am Schumacher-Platz folgte der Tafelenthüllung eine stille Gedenkminute.

Foto: Verewigt sind die Namen der rassistischen Anschlagsopfer auf der Gedenktafel am Kurt-Schumacher-Platz, ebenso am Heumarkt.
Foto: Zusätzlich zur Gedenktafel erinnert am Kurt-Schumacher-Platz ein Gedenkkreuz an die besondere Zivilcourage von Vili-Viorel Paun.
Fotos: Stadt Hanau

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