OB Kaminsky zeigt Verständnis für Furcht vor weiterem Anschlag

Hanau
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"Ich kann die Beweggründe, die zu der Aktion geführt haben, nachvollziehen", signalisiert Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) Verständnis für die Hanauerinnen und Hanauer, die am Dienstag eine antirassistische Dauer-Mahnwache im Stadtteil Kesselstadt begonnen haben. Mit ihrer Präsenz unweit des Wohnhauses, in dem der Vater des Attentäter Tobias R. lebt, wollen sie deutlich machen, dass sie Angst vor einem weiteren Anschlag haben.

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In den späten Abendstunden des 19. Februars waren neun Menschen mit ausländischen Wurzeln Opfer eines rassistisch motivierten Attentats geworden. Danach tötete der Täter seine Mutter und sich selbst. Auch nach mehr als zehn Monaten sind viele Fragen über die Ereignisse der Schreckensnacht ungeklärt. "In der Pflicht sind nach wie vor die zuständigen Ermittlungsbehörden bei Bund und Land. Dass die Aufklärung so schleppend verläuft und so viele Fragen der Angehörigen nach wie vor offen sind, stellt ihr Vertrauen in unseren Staat auf eine harte Probe", unterstützt der OB die Angehörigen in ihrer nachdrücklichen Forderung, die bestehenden Unklarheiten endlich auszuräumen.

Jetzt lieferte die jüngste Berichterstattung des Magazins "Der Spiegel" weiteren Anlass zur Sorge und Empörung, indem bekannt wurde, dass der Vater des Attentäters mit verschiedenen Strafanzeigen gezeigt hat, dass er das rassistische Weltbild seines Sohnes teilt. "Seine Forderungen auf die Herausgabe der Tatwaffen und auf die Freigabe der seinerzeit gesperrten Internetseite des Sohnes in Verbindung mit dem rechten Gedankengut müssen bei den zuständigen Behörden eigentlich alle Alarmglocken angehen lassen", zeigt sich der Hanauer OB befremdet, dass die Justiz bisher keine Reaktion auf den Beitrag gezeigt hat. "Dass man das so unkommentiert im Raum stehen lässt, ist für mich nur schwer zu ertragen." Denn was der Spiegel für den Artikel recherchiert habe, sei sehr besorgniserregend, macht Kaminsky deutlich, dass es für ihn geradezu unfassbar ist, wie der Vater des Attentäters die Wahrheit umkehre, indem er "die Opfer zu Tätern macht". Dass die Familien der bei dem Anschlag Getöteten auf eine solche Äußerung höchst emotional reagierten, sei für ihn völlig nachvollziehbar. "Doch bei allem Verständnis bitte ich die Familien eindringlich um Besonnenheit."

Kaminsky hält es jedoch für dringend geboten, dass die Geisteshaltung des Vaters des Attentäters und die beschriebenen Sachverhalte unter dem Aspekt der Sicherheit für die Hanauer Bevölkerung geprüft und bewertet werden. "Wer die im Spiegel zitierten Äußerungen des Vaters liest, die das Gedankengut des Attentäters weitertragen, kann sich eines Dèja-Vu gar nicht erwehren", signalisiert der Oberbürgermeister, dass er die Furcht der Initiatoren der Mahnwache verstehen kann und teilt.

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