Investitionen für Vorkehrungen gegen Starkregen-Ereignisse nötig

Hanau
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Lokal begrenzte Starkregen-Ereignisse wie im vorigen Juli das verheerende im Ahrtal oder das Mittelbücher im Juni 2016 sind in den herkömmlichen Berechnungen zu einem hundertjährigen Hochwasserereignis nicht erfasst.

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Die Stadt Hanau will das mit Hilfe eines zu erstellenden Starkregen-Frühalarmsystems (FAS) ändern. Rund 150.000 Euro sind dafür veranschlagt. "Wir haben einen Förderantrag beim Land Hessen gestellt – leider bisher erfolglos", sagt Stadtrat Thomas Morlock (FDP). Im Struktur- und Umweltausschuss der Stadtverordnetenversammlung stellten Michael Ruess, zuständiger Abteilungsleiter beim Eigenbetrieb Hanau Infrastruktur Service (HIS), und der stellvertretende Feuerwehrleiter Markus Doose jetzt eine Übersicht zum Schutz vor Überflutungen infolge Starkregen und Hochwasser vor.

In Hanau setzt sich der Hochwasserschutz aus ortsfesten und mobilen Anlagen zusammen. Zu den ortsfesten gehören die Deiche an Main (links in Klein-Auheim, rechts in Hanau unterhalb der Steinheimer Brücke), Kinzig (beidseitig oberhalb des Herrenmühlen-Wehres bis zur Wilhelmsbrücke) und am Fallbach (nördlich der August-Schärttner-Halle). Als bauliche Vorkehrungen sind die Renaturierungen an Krebsbach und Fallbach nördlich der Maintaler und südlich der Oderstraße anzusehen, ebenso eine derzeitige Grabenaktivierung im Südosten von Mittelbuchen. Durch die naturnahe Umgestaltung wird die Retentionswirkung erhöht, wodurch Abflusswellen abgeflacht werden.

Darüber hinaus werden mobile Schutzanlagen eingesetzt. Diese bestehen aus einfachen Wege-Absperrungen wie Schranken und einfachen Wasserbarrieren wie Sandsackdämmen bis hin zu Absperrschotten und transportablen Wasserbarrieren wie ein Quickdamm und Frankfurter Tonnen. Insgesamt stehen in Hanau knapp 2200 Meter mobile Barrieren zur Verfügung, davon rund 1300 Meter in Form von Frankfurter Tonnen und circa 140 Meter Quickdamm. Dieser soll ebenso wie weitere etwa 650 Meter möglicher Sandsackverbau durch die Frankfurter Tonnen ersetzt werden. Lediglich die verbleibende Länge von rund 110 Metern muss dann weiterhin mit Hilfe von Sandsäcken gesichert werden, da sich die anderen Systeme dort nicht einsetzen lassen – zum Beispiel an Böschungen, Treppen oder Engstellen.

In den vergangenen fünf Jahren hat die Stadt Hanau Morlock zufolge etwa 300.000 Euro in die Modernisierung der mobilen Hochwasserschutzanlagen investiert. "Wir sehen uns damit gut gewappnet", versichert der Stadtrat. Bei Hochwasser sammelt sich in aller Regel durch Niederschläge oder Schneeschmelze allmählich mehr Wasser an, als abfließen kann. Im Unterschied dazu können bei Starkregen plötzlich – wie beispielsweise wie 2016 in Mittelbuchen – 50 Liter und mehr pro Quadratmeter innerhalb einer Stunde fallen. Zum Vergleich: Bei Kanalnetzen wird eine Niederschlagsmenge von rund 20 Litern pro Quadratmeter und Stunde angesetzt. "Größer lassen sie sich für Einzelereignisse nicht bemessen, weil das in keinem Verhältnis zu Kosten und Nutzen stehen würde", verdeutlicht Morlock.

"Um für Starkregenereignisse besser gewappnet zu sein, wollen wir eine entsprechende Gefahrenkarte für das Stadtgebiet erstellen", erklärt der Stadtrat weiter.  Das geschieht mit Hilfe eines Simulationsmodells auf Grundlage des vorhandenen digitalen Geländemodells und von Regendaten des Deutschen Wetterdienstes. "Wenn die Simulationsergebnisse vorliegen, sind gegebenenfalls bauliche und organisatorische Maßnahmen in die Wege zu leiten", so Morlock weiter. Dem vorgeschaltet sei das Starkregen-Frühalarmsystem, "um die Stadtbevölkerung rechtzeitig vor Starkregen warnen zu können".

Die Alarmierung kann über eine Handy-App erfolgen, parallel zieht die Stadt Hanau auch andere System – möglicherweise ergänzend – in Erwägung wie Sirene, App-unabhängige Handymitteilungen (Cell-Broadcasting), Rundfunkmeldungen sowie Lautsprecher-Durchsagen. Die rund 20 Sirenen im Stadtgebiet sollen ausgebaut und modernisiert werden.



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