Kaufhof-Schließung in Hanau: "Große Aufgabe für die Stadt"

Hanau
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„Die nach langem Bangen verkündete Schließung des Galeria-Kaufhauses in Hanau trifft uns hart. Vor allem für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist das eine Horrornachricht“, sagt Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD). Der Galeria-Karstadt-Kaufhof-Konzern hat am Montag angekündigt, mehr als 50 seiner bisherigen Filialen schließen zu wollen; darunter auch jene am Marktplatz in Hanau (wir berichteten).

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In Hanau sollen bis zum 31. Januar 2024 die Lichter ausgehen. Kaminsky spricht von einer "großen Aufgabe", die Hanau nun zu bewältigen habe: "Aber Hanau ist bekannt dafür, dass wir den Kopf nicht in den Sand stecken und uns auch großen Herausforderungen selbstbewusst stellen." Die Stadt strebt an, schnellstmöglich in den Besitz der Immobilie zu kommen. Entsprechende Gespräche mit der Eigentümergesellschaft liefen bereits, so der OB.

Seine Gedanken gelten im Moment aber in erster Linie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die nach monatelanger Hängepartie nun die traurige Gewissheit hätten, dass ihr Arbeitsplatz wegfällt. "Ihnen gilt die Solidarität der Stadt und der städtischen Organe. Ich stehe im Kontakt zum Betriebsrat. Und wir werden jetzt zeitnah weitere Gespräche führen und unsere Hilfe anbieten", so der Oberbürgermeister: "Meine klare Botschaft an die Beschäftigten: Wir lassen Sie nicht alleine!" Er sei seit Bekanntwerden der Galeria-Schieflage im Gespräch mit dem Betriebsrat und habe auch mehrfach versucht, mit der Konzernleitung in Essen ins Gespräch zu kommen. Kaminsky: "Unser Gesprächsangebot ist in der Chefetage allerdings ungehört verhallt. Weder den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern noch der Stadt Hanau wurde Wertschätzung entgegengebracht, es fand keinerlei Austausch statt. Dieses vordemokratische Gebaren des Galeria-Karstadt-Kaufhof-Konzerns und ihrer Eigentümer, der SIGNA-Holding, ist inakzeptabel, auch gegenüber allen anderen Kommunen, die nun von Schließungen betroffen sind."

Dessen ungeachtet habe die Stadt Hanau aber selbstverständlich bereits ihre Hausaufgaben gemacht, hinter den Kulissen liefen die Überlegungen für die Nachnutzung des Gebäudes bereits seit Wochen. "Der Plan der Stadt Hanau heißt nun, das Haus in der Innenstadt zu übernehmen, ins Eigentum zu kommen. Der Eigentümer der Immobilie und der Betreiber des Warenhauses sind rechtlich und wirtschaftlich völlig unterschiedliche Einheiten. Wir stehen in Kontakt zum Eigentümer der Immobilie. Denn wir sehen es als unsere Pflicht an, für die weitere Entwicklung unserer Innenstadt aktiv und vorausschauend zu agieren", unterstreicht der Oberbürgermeister. Priorität habe für die Stadt nun, so schnell wie möglich Verfügungsgewalt über die Immobilie zu bekommen. Kaminsky: "Auf keinen Fall wollen wir eine lange Hängepartie zu Lasten der Entwicklungschancen unserer Stadt zulassen. Wir prüfen folglich auch den Erwerb über eine städtische Gesellschaft mit privaten Partnern oder gegebenenfalls auch allein."

Dass Überlegungen wie diese nicht utopisch sind, verdeutlichen Beispiele aus anderen Kommunen – so hat zum Beispiel die Hansestadt Lübeck vor wenigen Wochen eine ehemalige Karstadt-Sports-Fläche angekauft. "Wir haben mit unserem Stadtentwicklungsprogramm ‚Hanau aufLADEN‘, das bundesweit als Vorbild gelobt wird, zudem bereits mehrfach unter Beweis gestellt, dass wir mutig und offen für neue Ideen sind", erklärt Martin Bieberle, Stadtentwickler und Geschäftsführer der Hanau Marketing GmbH. Er verweist hier unter anderem auf die Causa "Spielwaren Brachmann": Auch hier hat die Stadt über eine ihrer Tochtergesellschaften eine strategisch wichtige Innenstadtimmobilie erworben und konnte mit weiteren intelligenten Instrumenten so die mehr als 170-jährige Tradition des Spielwarenverkaufs an der Stelle erhalten. "Wir haben mit unserer Vorkaufsrechtsatzung und den anderen Bausteinen von ‚Hanau aufLADEN‘ in den letzten Monaten bereits mehrfach gezeigt, dass die Stadt Hanau handlungsfähig und willens ist, im Sinne der Stadtgesellschaft zu gestalten."

Das Kaufhof-Gebäude sei eine der wichtigsten und größten Flächen in der Innenstadt und von hoher strategischer Bedeutung. Und der Kaufhof hat eine lange Tradition, wodurch die weitere Entwicklung auch für das Stadtgefühl von immenser Bedeutung sei, so Bieberle. Die historische Bedeutung der Architektur komme auch darin zum Ausdruck, dass das Gebäude wegen seiner besonderen Fassade unter Denkmalschutz steht.

Der mögliche Erwerb der Immobilie bedeutet nicht, dass die Stadt darin selbst Einzelhandel betreiben wird. "Wir haben bereits Ideen gesammelt, wie so eine Fläche künftig genutzt werden könnte. Beispiele aus anderen Städten geben uns da gute Hinweise", erklärt Bieberle. Mit den Erfolgen des Stadtentwicklungsprogramms "Hanau aufLADEN" habe die Stadt gezeigt, dass sie in der Lage sei, mit "unserem vielfältigen privatwirtschaftlichen Netzwerk kreative und gute Lösungen zu finden", so Bieberle weiter. Diese würden sicherlich immer auch Handel in dieser 1A-Lage beinhalten. "Darüber hinaus gibt es für eine Stadt auf Wachstumskurs auch viele öffentliche Bedarfe, die dort ebenfalls im Herzen unserer Stadt ihren Platz finden könnten. Wichtig ist jetzt, dass wir als Stadt Hanau die Verantwortung übernehmen, dass keine Brache in 1A-Lage entsteht. Langfristiger Leerstand an dieser exponierten Stelle in der Innenstadt würde eine bleierne Wirkung mit sich bringen – und die werden wir verhindern", bekräftigt der Oberbürgermeister: "Einen langen Leerstand können und werden wir an dieser Stelle nicht akzeptieren."

Vor 15 Jahren hatte Hanau eine vergleichbare Herausforderung zu lösen, als das Karstadt-Kaufhaus am Freiheitsplatz aufgegeben wurde – knapp 80 Jahre hatte dort ein Warenhaus gestanden. "Die folgenden Monate des Leerstands haben gezeigt, dass sie das Einkaufserlebnis in einer Innenstadt massiv beeinträchtigen", blickt Kaminsky zurück. Damals hatte sich HBB nach Abschluss des Wettbewerblichen Dialogs dazu entschieden, die Fläche zu erwerben und in das Forum Hanau zu integrieren. "Wir wollen und werden verhindern, dass die erreichten Erfolge unserer Innenstadtentwicklung durch das Gebaren des Galeria-Karstadt-Kaufhof-Konzerns in Gefahr geraten. Wir müssen jetzt handeln, und wir werden jetzt handeln. Denn es ist uns wichtig, was in unserer Stadt passiert – und die historische Chance, zu gestalten, nehmen wir wahr", erklärt der Oberbürgermeister abschließend.

Geäußert haben sich inzwischen auch Boris Rhein (CDU), Hessischer Ministerpräsident, und Tarek Al-Wazir (Grüne), Hessischer Wirtschaftsminister: „Trotz der umfassenden Hilfen der Vergangenheit ist es Galeria leider nicht gelungen, ein dauerhaft funktionierendes Geschäftsmodell zu entwickeln und keine Verluste mehr zu machen. Deshalb will der Konzern jetzt weitere Filialen schließen. Das ist ein bitterer Tag – vor allem für die Beschäftigten der sieben hessischen Filialen, denen jetzt der Verlust ihres Arbeitsplatzes droht. Es ist aber auch ein bitterer Tag für die Städte, denen jetzt weiterer Leerstand und weniger Attraktivität ihrer Innenstädte droht. Für die Landesregierung ist es jetzt vor allem wichtig, dass die bestmögliche Unterstützung für die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geleistet wird, damit sie schnellstmöglich einen neuen Arbeitsplatz finden. Ein entsprechendes Gesprächsangebot an die Konzernleitung werden wir auf den Weg bringen. Klar ist aber auch: Alle Beteiligten, Land, Städte und Handel müssen weiter an der nachhaltigen Belebung unserer Innenstädte arbeiten, die sich verändern werden und verändern müssen.  Attraktive kulturelle Angebote und verbesserte Aufenthaltsqualität, neue Nutzungsformen, ein Mix aus Wohnen, Kultur, Gastronomie, Handel und Gewerbe, unsere Innenstädte müssen einfach mehr bieten als der schnelle Klick online.“


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