Open Stage überzeugt mit facettenreichem Programm und talentiertem Team

Hanau

Die Brüder Grimm Festspiele sind in erster Linie für ihre hochwertigen Theateraufführungen bekannt.

Interkulturelle Wochen im Main-Kinzig-Kreis
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Doch gibt es jedes Jahr auch einen besonderen Abend, an dem nicht die Märchen im Vordergrund stehen, sondern ein buntes Allerlei aus Musik, Poesie, Comedy, Schauspiel und vielem mehr. Bei der jährlichen Benefizgala "Open Stage" präsentierten am letzten Montag nicht nur die Darstellerinnen und Darsteller des Ensembles, sondern auch die Mitarbeiter, die normalerweise hinter den Kulissen bleiben, ihre darstellerischen und musikalischen Talente auf der Bühne des Amphitheaters. Die Mitarbeiter der Festspiele stellen das Programm eigenständig zusammen und bieten somit auch einen Einblick in ihre persönlichen Highlights, Lieder und Szenen, die sie schon immer auf der Bühne präsentieren wollten. Das Ergebnis ist ein facettenreicher und einmaliger Abend voller Magie, Humor und Emotion, der einmal mehr zeigt, dass die Festspiele eine produktive Talentschmiede sind, sowohl auf als auch hinter der Bühne.

Der Erlos der diesjährigen Benefizgala geht an die verwaisten Kinder, die jüngsten Opfer des Erdbebens in Syrien und der Türkei. Die „Open Stage“ eröffnete dann auch passend mit einem türkischen Märchen, erzählt von Detlev Nyga und von der Moderatorin des Abends, Claudia Brunnert, die am Ende des Abends noch ein herzbewegendes Gedicht aus Syrien vortrug.

Musikalische Highlights

Das erste Lied bringt Sophie Göbel, mit „And I´m telling you“ aus dem Broadway-Musical Dreamgirls (1981). Im Signaturlied des Musicals weigert sich die Hauptfigur Effie, zuzulassen, dass ihr Partner sie verlässt, und verkündet ihm mutig: „You´re gonna love me“. Das Lied passt perfekt zu Göbel, weil sie sich mit dem Lied genauso selbstsicher und willensstark zeigt, wie in ihrer Rolle als scharfsinnige Zofe Dorine in „Tartuffe“.

Ein absolutes Gänsehautmoment wird von Alexandra Farkic und Elisabeth Ebner mit dem rührenden Duett von "Yesterday" (The Beatles) geboten, begleitet von Tobias Deutschmann und Joe Schmitz. Im Musical "Aschenputtel" verkörpern Farkic die gute Fee Griseldis und Ebner die böse Stiefmutter Dorabella, die feindselig und streitsüchtig zueinanderstehen. Das Duett zeigt jedoch, was passieren kann, wenn sich die beeindruckenden Stimmen der beiden Sopransängerinnen harmonisch vereinen und gemeinsam über ein gebrochenes Herz singen.

Lars Nieminen, Tontechniker bei den Festspielen, und Leonard Schärf, der im letzten Jahr aufgrund einer Verletzung seine Rolle als Prinz Roman in „Brüderchen und Schwesterchen“ nur zweimal auf der Bühne bringen konnte, präsentierten eine akustische Version von "Roulette" (System of a Down). Kevin Arand brachte ein kraftvolles Medley mit Liedern des US-amerikanischen Musicalkomponisten Stephen Sondheim, darunter "Hello Little Girl" (aus Into the Woods) und "Friend" (aus Sweeney Todd), während Viola Wanke eine mitreißende Kombination aus dem Lied "Astronaut" der deutschen Liedermacherin Anna Depenbusch und dem Drama "norway.today" von Igor Bauersima präsentierte. Isabel Waltsgott, die im Musical Aschenputtels Stiefschwester Dorette spielt, zeigt bei der „Open Stage“ ein ganz anderes Register mit dem Lied „Irgendwann“ aus dem Goethe-Musical.

Ein weiterer musikalischer Höhepunkt wurde dem Publikum von Barbara Krabbe beschert, die zwei Lieder des französischen Chansonniers Charles Aznavour präsentierte. Mit den Liedern "Formidable" und "She" zaubert sie im Nullkommanichts eine französische „Laissez-faire“ Atmosphäre in das Amphitheater. Ihre Interpretationen berühren das Publikum und können auf viel Applaus zählen. Damit bietet Barbara Krabbe einen kleinen Vorgeschmack auf ihr abendfüllendes Aznavour-Konzert "Quand tu m'aimes", das am 17. Juli in der wallonischen Ruine in der Hanauer Innenstadt stattfinden wird.

Eine ungewöhnliche musikalische Begegnung bieten Michael Berres und Myriam Akhoundov mit dem Song "Suddenly Seymour" aus dem Film "Der kleine Horrorladen" (1986), in dem Seymour und Audrey ihre Liebesgefühle füreinander offenbaren. Hans im Glück, der Aschenputtel seine Liebe gesteht – solche einzigartigen Momente erlebt man nur bei der "Open Stage". Und auch die internationale Perspektive darf nicht fehlen. Elisabeth Ebner und Franz Frickel, beide gebürtige Österreicher, singen im österreichischen Dialekt ein Lied von Rainhard Fendrich und präsentieren eine von Ebner ins Österreichische übersetzte Version des wunderschönen Songs "Shallow" aus dem Film "A Star is Born" mit dem Titel „Seichte Wasser“. Ebner und Frickel gelingt es scheinbar mühelos, in das beeindruckende Gesangsregister von Lady Gaga und Bradley Cooper einzutauchen, und die dramatische Spannung des Originals zu übermitteln.

Surreal, absurd und einfach witzig

Bei der "Open Stage" gibt es auch viel zum Lachen, zum Beispiel die humorvolle und rockige musikalische Kurzfassung von Aschenbrödel, die von Claudia Artner und Alexandra Farkic auf der Bühne präsentiert wird. Auch die poetisch-surrealistische Choreographie mit lebendigen Strickpuppen überzeugt. Auf der Bühne sehen wir drei Figuren, von Kopf bis Fuß farbenfroh und schick in Strick gekleidet. Sie heben Gewichte, ziehen an einem Tau und erobern schließlich alle einen Ballon, begleitet von gefühlvoller Musik von Pina Bausch. Ob sich wohl die Kostüm- und Maskenbildnerinnen Anke Küper, Kerstin Laackmann und Wiebke Quenzel hinter den Strickpuppen verstecken?

Eine Begegnung der dritten Art sieht das Publikum in dem bekannten Badewanne-Sketch von Loriot, der von Detlev Nyga, Benedikt Selzner und Dominik Penschek auf der Bühne zum Leben erweckt wird. Nyga und Selzer bringen dem Publikum nicht nur mit den bekannten Onelinern („Aber ich kann länger!“ oder „Die Ente bleibt draußen!“) zum Lachen, sondern auch mit ihrer humorvollen Darbietung und der skurrilen Kleidung in Bademützen, Schwimmhosen und absurd langen Bärten.

Nicht weniger begeistert war das Publikum von Jonas Milkes Neuinterpretation des Märchens Rapunzel. In der ersten Fassung beschweren sich jedoch Rapunzel (Anna Larissa Grosenick) und der Prinz (Michael Berres) über die unlogische Erzählstruktur des Märchens und bitten Milke, das Ganze umzuschreiben. Auch die zweite Fassung überzeugt die beiden nicht, bis sie schließlich eine Fassung auf die Bühne bringen, in der eine emanzipierte Rapunzel den Prinzen aus dem Turm befreit und den Heiratsantrag des Prinzen freundlich ablehnt, da sie noch viele andere Männer befreien muss. Die Darsteller zeigt große Spielfreude, und Anna Larissa Grosenick, die in diesem Jahr ihr Debüt bei den Festspielen feiert, beeindruckt das Publikum mit ihrem Gesangtalent und ihrer warmen Stimme.

Poetische Momente

Mit der szenischen Lesung „Zum Schießen“ präsentieren Maximilian Gehrlinger und Fabian Baecker sich als kreative Tausendfüßler. Die beiden Hauptdarsteller aus "Hase und Igel" haben eine unterhaltsame Verwechslungskomödie geschrieben, die im November ihre Premiere in der Stadtmühle Babenhausen feiern wird.

Auch Poesie fehlt bei der "Open Stage" nicht. Victoria Grace Findlay, die in "Hase und Igel" die etwas tollpatschige Kröte Gloria Grün verkörpert, zeigt eine komplett andere Seite und verwöhnt das Publikum mit einer Lesung von zwei klassischen Sonetten von William Shakespeare in Originalsprache. Wie ihr Name bereits verrät, hat die Deutsche auch englische Wurzeln, und somit ist ihre Interpretation elegant, stimmungs- und ausdrucksvoll. Später am Abend stehen auch Gedichte vom deutschen Lyriker Eugen Roth aus seiner Sammlung „Ein Mensch“ auf dem Programm. Versen wie „Der Gast“ oder „Das Schnitzel“ zeigen eine einfühlsame, lustige, aber auch nachdenkliche Analyse der Höhen und Tiefen des menschlichen Charakters, liebevoll vorgetragen von Christopher Krieg.

Der Abend wurde mit dem Lied "The Rainbow Connection" aus dem Muppet Film (1979) abgeschlossen, das von allen Teilnehmenden der "Open Stage" gesungen wurde. Das Lied transportiert eine Botschaft der Toleranz und der Verwirklichung von Träumen, die sowohl im künstlerischen Bereich als auch im alltäglichen Leben von grundlegender Bedeutung ist.

Die "Open Stage" zeigt erneut die Vielfältigkeit und das Engagement des Festspielensembles und des Festspielteams. Noch bis zum 30. Juli sind alle im Amphitheater zu bewundern, in dem Musical „Aschenputtel“, das Schauspiel „Hans im Glück“, das Familienstück mit Musik „Hase und Igel“ und in „Tartuffe“ von Molière. Danach setzen die Darstellerinnen und Darsteller ihre vielfältigen Talente deutschlandweit in anderen Projekten ein. Hoffentlich können wir ihre Talente ab Mai 2024 wieder in Hanau erleben.

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