"Tatort Gaslobbyismus": Fridays for Future sperrt Stadtwerke Hanau ab

Hanau
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In einer Kunstaktion von Fridays for Future Hanau wurde am Montagmittag der Bereich vor den Stadtwerken Hanau als "Tatort Gaslobbyismus" abgesperrt. Personen in Trenchcoats und weißen Kitteln haben mit Lupen nach Spuren der Gelder gesucht, die das Stadtwerk in Form von Mitgliedsbeiträgen an den Gaslobby-Verband "Zukunft Gas" zahlt. Passant*innen bekamen Flyer mit Informationen zu der Problematik ausgeteilt.



Ein Mitglied der Gruppe mit dem Schild „Stadtwerke Hanau“ übergab einem weiteren Mitglied mit der Aufschrift „Zukunft Gas“ auf der Brust einen Geldkoffer, bevor die beiden unter einer Wolldecke verschwanden. „Meine Kollegin und ich haben eindeutig festgestellt, dass die Stadtwerke Hanau mit der Gaslobby unter einer Decke stecken“, sagt ein als Detektiv verkleidetes Mitglied der Gruppe. „Die Beweise haben wir sichergestellt“, ergänzt die andere „Detektivin“.

Die Aktion soll laut Fridays for Future die Kund*innen der Stadtwerke Hanau darauf aufmerksam machen, dass mit dem Geld aus ihren Stromrechnungen ein Lobbyverband finanziert wird, der sich für den Erhalt der Geschäfte mit klimaschädlichem Erdgas einsetzt, und dass die Höhe dieser Zahlungen nicht offengelegt wird. Dies stehe im starken Widerspruch zu der Transparenz- und Gemeinwohlverpflichtung kommunaler Unternehmen sowie den Klimaschutzzielen der Stadt Hanau. Deshalb fordert Fridays for Future Hanau die Stadtwerke auf, die Höhe der jährlichen Zahlungen an Zukunft Gas offenzulegen, sowie aus dem Branchenverband der Gasindustrie auszusteigen. Denn Zukunft Gas stehe für Greenwashing von fossilem Gas, das falsche Versprechen vom Heizen mit Wasserstoff macht und Verstrickungen mit der russischen Gaswirtschaft hat, mit denen die Stadtwerke Hanau laut Fridays for Future nichts zu tun haben sollten.

Zum Hintergrund: Die Aktion ist Teil einer Reihe von Protesten gegen die Mitgliedschaft von mehr als 70 deutschen Stadtwerken im Lobbyverein "Zukunft Gas", sowie der Intransparenz vieler dieser Stadtwerke bezüglich der Höhe ihrer Zahlungen an den Verband. Zukunft Gas bündelt als Branchenverband die Interessen großer Gaskonzerne, wie Shell, Wintershall, Uniper und bis 2022 auch Gazprom Germania. Bereits im Februar 2023 erschien eine Investigativrecherche von Correctiv, die kritisiert, dass kommunale Unternehmen einen fossilen Lobbyverband mitfinanzieren. Daraufhin forderte auch die Transparenzinitiative LobbyControl die Stadtwerke in einem offenen Brief und einer Petition auf, den Verband zu verlassen. Einige Stadtwerke sind bereits als Reaktion auf die Kritik aus dem Verband ausgetreten (siehe Links zu Artikeln unten), die Stadtwerke Hanau haben bisher jedoch nicht auf die Forderung nach Transparenz und einem Austritt reagiert. Mit einer Petition will Fridays for Future Hanau weiteren Druck auf die Stadtwerke aufbauen.

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