Häusliche Gewalt erneut um 6,7% angestiegen: Frauenplenum fordert zum Handeln auf

Hanau
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Mit Entsetzen und großer Betroffenheit hat das Frauenplenum Hanau auf den aktuell vorgestellten Lagebericht 2023 zur Entwicklung Häuslicher Gewalt reagiert.

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Der Lagebericht erscheint seit 2015 jährlich, er ist Teil der Polizeilichen Kriminalstatistik. In ihm werden die konkreten kriminalstatistischen Kennzahlen durch das Bundeskriminalamt aufbereitet. Der Bericht 2023 wurde vor wenigen Tagen - am 07. Juni 2024 - durch Bundesinnenministerin Nancy Faeser und Bundesfamilienministerin Lisa Paus vorgestellt. Der Lagebericht 2023 weist erneut einen Fallzahlenanstieg häuslicher Gewalt um 6,7% im Vergleich zum Jahr 2022 auf. Bereits 2022 waren die Opfer häuslicher Gewalt um 8,5% gegenüber dem Jahr 2021 gestiegen. Damals vermutete man vor allem Auswirkungen durch die Pandemie. 155 Frauen und 24 Männer sind im Jahr 2023 durch ihre Partner oder Ex-Partner getötet worden. Auch hier ist ein Anstieg zu verzeichnen. 2023 wurden 155 (2022-133) Frauen und 24 (2022-19) Männer durch ihre Partner oder Ex-Partner getötet. Der Anteil weiblicher Opfer liegt hier ebenfalls weit über dem Anteil männlicher Opfer. Die Tötung von Frauen wegen ihres Geschlechts oder wegen bestimmter Vorstellungen von Weiblichkeit durch Männer, denen sie nahe standen, wird als Femizid bezeichnet.

„Erschreckend, so die Hanauer Frauenbeauftragte Cornelia Gasche, ist es, dass alle Maßnahmen der Aufklärung und Information zu verpuffen scheinen. Im Gegenteil, seit der Ratifizierung der Istanbul-Konvention schaffen wir es in der Bundesrepublik nicht, die Hilfesysteme bedarfsgerecht auszubauen. Wir brauchen Schutzplätze für Betroffene und wir brauchen mehr Beratungsangebote. Insbesondere aber müssen Angebote der Arbeit mit Tätern und Angebote für zu Gewalt neigenden Menschen ausgebaut werden. Es ist Juni 2024, das Bundesförderprogramm für den Ausbau von Schutzplätzen ist ausgelaufen und es ist noch nicht bekannt, welche Finanzierungsmittel es ab 2025 geben wird. Alle, die sich vor Ort auf den Weg machen, um bspw. Frauenhausplätze zu schaffen, stochern im Nebel. Viele Kommunen, die ihre Frauenhäuser vor Ort bei der Ausbauplanung und deren Umsetzung unterstützen, sehen sich mit nahezu unüberwindbaren bürokratischen Schwierigkeiten konfrontiert,“ so Cornelia Gasche.

Claudia Borowski, Präsidentin von Zonta Hanau und seit vielen Jahren Mitglied im Frauenplenum sowie Inge Rühl, Vertreterin evangelischer Frauen im Frauenplenum, fordern gemeinsam mit ihren Mitstreiterinnen endlich ausreichend Finanzmittel, die auch mindestens über einen Planungshorizont von 5 Jahren abgesichert sind und kompetente Fachstellen, die die örtlichen Planungsträger qualifiziert unterstützen anstatt sie monatelang mit ihren Förderanfragen und Antragsstellungen im Unklaren zu lassen, solange bis die nächste Förderperiode zu Ende gegangen ist.

„Jedes Opfer von Häuslicher Gewalt ist ein Opfer zu viel. Zudem zeigen Evaluationen, dass gerade Kinder aus Familien mit Häuslicher Gewalt, im eigenen Leben oft wieder mit Gewalt reagieren, da sie nie Konfliktfähigkeit gelernt haben und durch die eigene Gewalterfahrung nachhaltig traumatisiert sind. Somit werden Opfer wieder zu Tätern. Wir müssen uns in der Gesellschaft noch viel offener mit Gewalt auseinandersetzen und unsere klare ablehnende Haltung zeigen. Es muss überall ein Thema werden. Es gehört auf jeden Tisch, es geht uns alle an,“ so die Aufforderung des Hanauer Frauenplenums an alle Mitbürgerinnen und Mitbürger!

„Gewalt beginnt dort, wo der Respekt verloren geht. Wenn Geringschätzigkeit, Abwertungen als tägliche Grenzverletzung akzeptiert wird - gleich welcher Person oder Gruppe gegenüber, sind wir alle gefordert STOP zu sagen und einzugreifen. Oft sehen sich Betroffene selbst in der Schuld und trauen sich nicht Hilfe zu suchen. Gerade, wenn es in der Familie Kinder gibt, setzen sich Frauen unerträglichen und am Ende lebensgefährlichen Situationen aus, um die Familie für die Kinder zu schützen. Ein gefährlicher Trugschluss,“ betont Swantje Ganecki, Mitarbeiterin im Frauenhaus Hanau, „denn am Ende sind die Kinder natürlich selbst Opfer gewalttätiger Familiensysteme“.

„Bestehende Schutz- und Beratungsangebote müssen finanziell abgesichert werden, genauso wie der dringend überfällige Ausbau von Schutzplätzen und Beratungsangeboten eine verlässliche Finanzierungsplanung braucht. Das aktuell vom Bundesfamilienministerium vorgelegte Gewalthilfegesetz, in dem es um den strukturellen Ausbau und die finanzielle Absicherung von bedarfsdeckenden Hilfesystemen geht, ist der richtige Weg. Wir erwarten als Frauen, dass alle politisch Beteiligten konstruktiv an diesem Gesetzesvorhaben mitwirken. Es muss schnellstens praxistaugliche, verbindliche und endlich auch ausfinanzierte präventive und schützende Hilfegebote geben,“ so die klare und unmissverständliche Forderung des Frauenplenums Hanau.

Definition Häusliche Gewalt

Häusliche Gewalt beinhaltet alle Formen körperlicher, sexueller oder psychischer Gewalt und umfasst familiäre sowie partnerschaftliche Gewalt. Häusliche Gewalt liegt vor, wenn die Gewalt zwischen Personen stattfindet, die in einer familiären oder partnerschaftlichen Beziehung zusammenwohnen. Sie liegt auch vor, wenn sie unabhängig von einem gemeinsamen Haushalt innerhalb der Familie oder in aktuellen oder ehemaligen Partnerschaften geschieht. Damit beinhaltet die Häusliche Gewalt zwei Ausprägungen, nämlich die Partnerschaftsgewalt und die innerfamiliäre Gewalt. Bei der Partnerschaftsgewalt werden die Opfer und Tatverdächtigen betrachtet, die in einer partnerschaftlichen Beziehung waren oder sind, bei der innerfamiliären Gewalt die Opfer und Tatverdächtigen die in einer verwandtschaftlichen Beziehung zueinanderstehen (ohne (Ex-)Partnerschaften).

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