Expertenteam für Palliative Pflege: DRK Rügen-Stralsund übernimmt Hanauer Modell

Hanau

Über die Grenzen Hanaus und des Main-Kinzig-Kreises hinaus ist mittlerweile ein neues Versorgungskonzept für Menschen in Alten- und Pflegeheime bekannt geworden: Das Expertenteam für Palliative Pflege mit dem Arbeitstitel „Hanauer Modell“.

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Dieses wurde von 2018 bis 2020 aufgebaut und findet in den 14 Alten- und Pflegeheimen des Main-Kinzig-Kreises Anwendung. Das Konzept stammt aus der Feder des Fördervereins für Palliative Patienten-Hilfe Hanau e.V., der auch die wesentlichen Kosten zur Etablierung des Projektes getragen hatte.

Ausgangslage für dieses Modell ist die unerträgliche Situation, in der sich palliativ zu versorgende Menschen in den Pflegeheimen befinden. Die zunehmende haus- und fachärztliche Unterversorgung von Heimbewohnern, der Mangel an geeigneten Pflegekräften in den stationären Einrichtungen, die meist unzureichende Kommunikation zwischen Pflegekräften und Ärzten und die Tatsache, dass die Situation für die schwächsten Menschen in der stationären Pflege trotz jahrelanger Bemühungen immer schlechter wird, hat zu der Ausarbeitung und Etablierung dieses Konzeptes geführt.

Gegenstand des Expertenteams ist ein Kreis erfahrener Pflegefachkräfte mit einer Palliativ-Care-Ausbildung. Das Besondere am Hanauer Modell ist die Tatsache, dass dieses Team unabhängig von der regulären Pflege arbeitet. Ganz gleich, ob und von welchen Mängeln auch immer die Versorgung der Bewohnerinnen und Bewohner einer Pflegeeinrichtung betroffen ist, arbeitet das Team ausschließlich für die optimale Versorgung des ihm anvertrauten Personenkreises, der meist zwischen zehn und zwanzig Prozent der Bewohner beträgt. Das Team stellt anhand der Symptome, aus Gesprächen und Rückmeldungen und weiteren Informationen einen Versorgungsplan auf, den es mit den regulären Pflegekräften umsetzt. Sind Fachärzte, Therapeuten, Seelsorger, ambulante Hospizdienste oder andere Unterstützungen erforderlich, werden diese über ein weitreichendes Netzwerk organisiert. Hierzu greift das Team auf die Mitglieder des Runden Tisches zurück, der sich mit dem Förderverein vor über zwanzig Jahren etabliert hat und in dem alle Disziplinen und Vertreter befinden, die an der palliativen Versorgung beteiligt sind.

Ein wesentliches Kennzeichen des in der Tagschicht tätigen Expertenteams ist die telefonische Erreichbarkeit rund um die Uhr. Auf diesem Weg können Hausärzte zuverlässige Informationen über ihre Patienten erfragen, können Angehörige kompetent Auskunft und Rat erhalten und holen die Kolleginnen und Kollegen der regulären Pflege sich noch einmal die Bestätigung für pflegerische Maßnahmen in Krisensituationen. Das Ziel des Teams ist dabei stets die aus Sicht der Betroffenen optimale Versorgung hinsichtlich einer schmerz- und angstfreien Umgebung.

Das Projekt zeigte von Beginn an Wirkung. Die Zusammenarbeit mit den Ärzten wurde deutlich kompetenter und respektvoller erlebt, aufgrund genauer Interventionspläne und Bedarfsmedikationen konnten die Pflegekräfte selbst zeitnah Unterstützung und Hilfe leisten, die Zahl der Notfalleinweisungen des Personenkreises in Kliniken ging von 80 bis 90 auf lediglich zwei pro Jahr zurück. Eine besondere Bewährungsprobe brachte die Corona-Pandemie, als nur vereinzelt Ärzte die Einrichtung besuchen konnten. Die bereits erprobten Kommunikationsstandards hielten die Versorgung palliativ zu versorgender Menschen auch in dieser Zeit durch die Arbeit des Teams auf hohem Niveau.

Mit dem Hanauer Modell hat der Förderverein nun zumindest für die Palliativversorgung in Alten- und Pflegeheimen eine funktionierende Antwort auf den Pflegenotstand und Fachkraftmangel gefunden und wollte dieses Modell möglichst jeder Einrichtung im Kreisgebiet nahebringen und die Etablierung fördern. Jedoch wurde festgestellt, dass die meisten Betreiber abwinkten. Man wollte das zusätzliche für die Palliativversorgung finanzierte Personal eher in der regulären Pflege etablieren, um dort den permanenten Personalmangel zu lindern und lehnte daher eigenständige Teams ab. Unerwartetes Interesse kam dafür aber aus der Stadt Bergen auf Rügen vom dortigen Deutschen Roten Kreuz. Aufmerksam geworden auf das Expertenteam teilte es mit, dass die Konzeption dort die Antwort auf viele offene Fragen sei und man daher genau dieses Modell bei sich etablieren wolle.

So kommt nun Ende Januar eine kleine Delegation aus Bergen zur Hospitation nach Hanau und Rodenbach. Diese besteht aus Herrn Lammel (Bereichsleitung), Frau Iding (Pflegedienstleitung) und Frau Wedlich (Teamleitung). Neben den Standards und Abläufen wurde von der Leitung des EPP-Teams, Frau Silvia Fuß, einige Vertreter des Netzwerks „Runder Tisch“ nach Hanau in den Blauen Saal des Wohnstifts eingeladen, um von dem Aufbau des bislang einmaligen Netzwerks zu berichten und den DRK-Mitarbeitenden Empfehlungen für die eigene Aufbauarbeit auf ihrer Insel zu geben. Da der Förderverein seine Konzeption allen Interessierten zur Verfügung stellt, wird es auch eine Kooperationsvereinbarung mit dem DRK aus Mecklenburg-Vorpommern geben, um sich möglichst über alle Aspekte dieses zukunftsweisenden Modells austauschen zu können und die Erkenntnisse hier wie dort in die Weiterentwicklung des „Hanauer Modells“ einfließen zu lassen.


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