Die SPD-Fraktion im Hanauer Rathaus hat sich mit der ehemaligen Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderung Hanau, Geschäftsführerin der Brüder Grimm Berufsakademie, Erika Schulte, zu einem ausführlichen Austausch über die neue arbeitsmarktpolitische Strategie Hanaus getroffen, deren verantwortliche Redakteurin sie ist.
Die Strategie, erarbeitet unter der Leitung von Bürgermeister Dr. Maximilian Bieri und von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen, trägt den Titel „Miteinander.Arbeiten“ und setzt auf enge Kooperation zwischen Behörden, Wirtschaft und Bildung.
Fraktionsvorsitzende Ute Schwarzenberger, Sozialausschussvorsitzender Julian Straub und Erika Schulte beleuchteten im Gespräch die Ziele, Maßnahmen und Hintergründe der ganzheitlich gedachten Strategie. Anlass ist ein bedeutender Meilenstein: Am 1. Januar 2026 wird Hanau kreisfrei und übernimmt damit erstmals selbst die Verantwortung für die Grundsicherung für Arbeitssuchende (SGB II, Bürgergeld) – das war bisher Aufgabe des Main-Kinzig-Kreises.
„Damit können wir alle Bereiche der Sozialgesetzgebung und zentrale kommunale Funktionen – von der Wohngeldstelle über die Volkshochschule bis hin zur Arbeitsvermittlung – in Hanau bündeln und gemeinsam mit der Agentur für Arbeit gestalten“, so Schwarzenberger.
Arbeitsmarkt im Wandel – Chancen und Herausforderungen
Schwarzenberger sieht dringenden Handlungsbedarf: „Auf der einen Seite fehlen uns in Branchen wie Pflege oder Handwerk dringend Arbeitskräfte, auf der anderen Seite steigt die Zahl der Menschen, die keine Arbeit finden – oft über lange Zeiträume. Wir müssen den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken, indem wir mehr Teilhabe am Arbeitsleben ermöglichen.“
Erika Schulte erläuterte den Entstehungsprozess der Strategie: „Wir haben auf Basis statistischer Analysen ein klares Bild von Arbeitsmarkt und Arbeitslosigkeit in Hanau gewonnen. In zahlreichen Gesprächen mit Expertinnen und Experten, Unternehmen, Bildungsträgern und sozialen Einrichtungen haben wir die zentralen Handlungsfelder erarbeitet.“
Neuer Arbeitsmarktpolitischer Beirat
Kernstück der Strategie ist, dass zukünftig enger vernetzt gearbeitet werden wird, sowohl intern, als auch mit externen Partnern. Hierfür wurde ein Arbeitsmarktpolitischer Beirat eingerichtet, der die Umsetzung begleitet und Impulse gibt. Vertreten sind dort alle Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung, die Agentur für Arbeit, das neue Jobcenter, die IHK, Kreishandwerkerschaft, Gewerkschaften, der Betriebsrat des größten Ausbildungsbetriebes in Hanau, Diakonie und das Behindertenwerk Main-Kinzig.
„Wir arbeiten vernetzt und schaffen einen Beirat, der Kompetenzen bündelt, Perspektiven einbringt und gemeinsam Lösungen entwickelt“, betont Schulte.
Fokus auf Fachkräftesicherung und Jugendförderung
Zentrales Ziel ist die Sicherung von Fachkräften. Dazu gehören Investitionen in Bildung, Kinderbetreuung, Integration, gezielte Fachkräfteanwerbung sowie die Attraktivitätssteigerung des Wirtschaftsstandorts Hanau.
Julian Straub ergänzt: „Wir wollen eine Jugendberufsagentur gründen, um jungen Menschen ohne Schulabschluss oder Ausbildung Perspektiven zu geben. Gleichzeitig richten wir unseren Blick auf Langzeitarbeitslose, Menschen mit Behinderung und auf die Integration von Migrantinnen, Migranten und Geflüchteten.“
Das „Haus rund um das Erwerbsleben“ – ein bundesweites Leuchtturmprojekt
Ein besonders innovativer Baustein ist das „Haus rund um das Erwerbsleben“, zentral am Hanauer Hauptbahnhof. Hier sollen künftig Agentur für Arbeit, Jobcenter, städtische Stellen und die Volkshochschule unter einem Dach arbeiten.
„Wir schaffen einen Ort, an dem Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen schnelle, kompetente Unterstützung in allen Fragen rund um Arbeit, Ausbildung, soziale Absicherung und Integration erhalten – ohne unnötige Schnittstellen oder bürokratische Hürden“, so Schulte.
Der Neustart des Jobcenters erfolgt mit modernen, digitalisierten Prozessen und in enger Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit, um Qualität und Effizienz nachhaltig zu sichern.
Erfolgskontrolle als fester Bestandteil
Zur Messung des Fortschritts wird ein Kennzahlensystem auf Basis standardisierter Daten der Agentur für Arbeit eingeführt. „Nur so können wir rechtzeitig erkennen, ob Maßnahmen wirken, und bei Bedarf gegensteuern“, erklärt Schulte.

Ihnen ist etwas Interessantes aufgefallen im Main-Kinzig-Kreis? Schreiben Sie uns an info@vorsprung-online.de















