Medizinhilfe Karpato-Ukraine: „Hilfe weiterhin dringend erforderlich!“
Leitungsteam der Medizinhilfe (von links): Wolfgang Axt, Dr. Andrea Müller, Dr. Martin Weindel, Christine Scherbaum, Vladlen Maslov, Dr. Martina Scheufler, Manfred Matzner, Holger Kliem.
Die humanitäre Arbeit der Medizinhilfe Karpato-Ukraine läuft weiter auf Hochtouren.
Erst vor wenigen Tagen wurde ein weiterer Hilfstransport in die ostukrainische Millionenstadt Charkiw auf den Weg gebracht. Diese steht durch den russischen Angriffskrieg unter täglichem Beschuss durch russische Truppen. „Die Versorgungslage ist angespannt, medizinische Hilfe dringend erforderlich“, sagt die Leiterin der Medizinhilfe, Dr. Martina Scheufler.
Der aktuelle Transport enthielt über 8 Tonnen medizinische Hilfsgüter, darunter auch eine komplette, voll funktionsfähige Anästhesie-Ausstattung, die aus einer Praxis im Vogelsberg stammt. Die Vermittlung dieser außergewöhnlichen Spende erfolgte über die Landesärztekammer Hessen. Die Verteilung in Charkiw muss innerhalb von nur vier Wochen durch die NGO „Kharkiv Volunteer Union“ an aktuell 27 Krankenhäuser und Ambulanzen nachweislich erfolgt sein. „Dadurch ist verlässlich sichergestellt, das alle Spenden zeitnah dort ankommen, wo sie gebraucht werden“, so Scheufler.
Parallel dazu laufen in Hanau bereits die Vorbereitungen für den nächsten großen Transport: Ein weiterer Sattelschlepper soll in Kürze in Richtung Myrhorod, ebenfalls in der Ost-Ukraine gelegen, starten. Auch dort wird medizinisches Material dringend benötigt, nicht zuletzt für Binnenvertriebene aus Frontregionen. Die aus einem Umkreis von 100 Kilometern zusammengetragenen Hilfsgüter werden vom ehrenamtlichen Team in die Lagerhalle der Spedition Hellmann East Europe im Hanauer Hafen gebracht. Sobald genug Güter vorhanden sind, um einen LKW zu füllen, startet der Transport.
Im August dieses Jahres feierte die Medizinhilfe mit Gästen aus dem aktiven Helferkreis, Gesellschaft und Politik ihr 30-jähriges Bestehen sowie das 25-jährige Jubiläum des „Christian Medical Center“ in Mukachevo (Westukraine), das mit Spenden durch die Medizinhilfe aufgebaut werden konnte. Gefeiert wurde mit zahlreichen Gästen, darunter der Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky, in der Neuen Johanneskirche. Das Zentrum in Mukachevo ist heute ein medizinisches Vorzeigeprojekt und behandelt täglich etwa 200 Patientinnen und Patienten.
Mit dem nahenden Winter steigen die Herausforderungen: Stromausfälle, zerstörte Infrastruktur und fehlende Heizmaterialien erschweren die Lage in vielen Regionen der Ukraine. Die Medizinhilfe appelliert daher erneut an ihre Unterstützerinnen und Unterstützer. „Spenden bleiben bitter nötig, um weitere Hilfstransporte und gezielte medizinische Hilfe zu ermöglichen. Denn die Menschen leiden sehr unter den russischen Angriffen“, sagt Scheufler.
Die Medizinhilfe ist eine humanitäre Initiative aus dem Rhein-Main-Gebiet und arbeitet unter dem Dach der Evangelischen Stadtkirchengemeinde Hanau. Seit 1996 engagiert sie sich in der Ukraine zur Verbesserung der medizinischen Versorgung. Seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs wurden fast 40 Sattelzüge und weitere kleinere Transporte medizinischer Hilfsgüter in Städte bis an die Front organisiert. Dafür wurde die Medizinhilfe 2023 bereits mit dem Deutschen Engagement Preis ausgezeichnet. Ihre Leiterin Dr. Martina Scheufler erhielt vor einigen Jahren das Bundesverdienstkreuz am Bande.
Leitungsteam der Medizinhilfe (von links): Wolfgang Axt, Dr. Andrea Müller, Dr. Martin Weindel, Christine Scherbaum, Vladlen Maslov, Dr. Martina Scheufler, Manfred Matzner, Holger Kliem.