Am Donnerstag, 16. April 2026, wurden Sicarú Cuéllar Paprotte und Theresa Lischke mit dem Celia Holtzer Stipendium 2026 ausgezeichnet.
Auch in diesem Jahr vergab die Gesellschaft für Goldschmiedekunst e.V. wieder zwei Celia Holter Stipendien an zwei Schülerinnen der Staatlichen Zeichenakademie Hanau in Höhe von insgesamt 14.000 Euro. Nach einem spannenden Jurytag, an dem alle Bewerber*innen ihre persönlichen Gestaltungsprojekte vorstellten, wurden die zwei Stipendien abends bei einer feierlichen Veranstaltung den Schüler*innen verkündet.
Zitat Nicola Jäger, Präsidium der Gesellschaft für Goldschmiedekunst e.V., und Malte Guttek, Geschäftsführer der Gesellschaft für Goldschmiedekunst e.V.: „Wir freuen uns mit den Stipendien den Schüler*innen hier in Hanau eine außergewöhnliche Chance zu geben. Sie haben nach der schulischen Ausbildung die Gelegenheit, ein selbst entwickeltes Projekt zu realisieren. Eingebettet in eine fachliche Begleitung durch Mentor*innen werden sie auf hohem Niveau in ihrer individuellen Entwicklung gefördert.“
Das Celia Holtzer Stipendium ermöglicht Schüler*innen der Staatlichen Zeichenakademie Hanau, sich nach dem Abschluss einem persönlichen Gestaltungsprojekt zu widmen. Im Rahmen des Stipendiums haben die Stipendiat*innen die Möglichkeit, themenbezogene Forschungsreisen anzutreten, eine fachkundige Unterstützung durch Mentor*innen oder finanzielle Zuschüsse für Material- und Werkzeugkosten zu bekommen. So können sich die Stipendiat*innen umfassend ihren individuellen Projekten zuwenden. Am Ende des Stipendiums erfolgt eine Präsentation der Ergebnisse in der Foyervitrine des Deutschen Goldschmiedehauses Hanau.
Den Mitgliedern der diesjährigen Jury fiel ihre Entscheidung nicht leicht. Malte Guttek, Geschäftsführer der Gesellschaft für Goldschmiedekunst e.V. und Leiter des Deutschen Goldschmiedehauses Hanau; Nicola Jäger, Goldschmiedemeisterin und staatlich geprüfte Produktdesignerin, und Dr. Sabine Runde, ehemalige Oberkustodin, Kuratorin Mittelalter bis Gegenwart, Museum Angewandte Kunst Frankfurt, wählten zwei Bewerbungen für das Stipendium 2026 aus. Die beiden Projekte „Formen des Verlusts“ von Sicarú Cuéllar Paprotta und „Die Musterbücher der Zeichenakademie. Binärsysteme hinterfragen durch die Kombination von Hochleistungsfasern und ‚weiblicher‘ Handarbeit“ von Theresa Lischke überzeugten die dreiköpfige Jury mit ihrem Enthusiasmus, technischen Fachkenntnissen und Forschungsfragen, die über den Tellerrand blicken. Die feierliche Vergabe des Stipendiums am Abend lockte zahlreiche Schüler*innen und Lehrkräfte der Staatlichen Zeichenakademie Hanau in das Goldschmiedehaus, um gemeinsam zu feiern und anzustoßen.
Die Jury begründet ihre Entscheidung wie folgt: „In Deutschland kennt Trauer keine flächendeckende Rituale, vielmehr befindet sich dieser Bereich im Umbruch. Für Sicarú Cuéllar Paprotta ist die Auseinandersetzung mit den Themen ‚Trauer‘ und ‚Verlust‘ ein gesellschaftlich durchweg präsentes Thema, für das sie nach Darstellungsweisen sucht. Dabei möchte sie nicht die Trauer um Personen, sondern auch individuelle und kollektive Verlusterfahrungen thematisieren und erforschen. Das historische Material für Trauerschmuck ist Gagat und wird bei ihr zentral verwendet, um mit ihm körpernahe Ausdrucksformen als Medium gesellschaftlicher Kommunikation zu vermitteln. Das Projekt birgt das Potenzial, Trauer und Verlust in einer heutigen Form zu interpretieren.“
Das zweite Stipendium wurde mit folgender Begründung vergeben: „Der Besuch in der Bibliothek der Zeichenakademie brachte Theresa Liscke viel Inspiration. Die alten Bücher zu Stick- und Klöppelmustern offenbarten sich als Verbindung zu Computerlogik und digitalen Prinzipien. Warum Gegensätze oft gar nicht so starr sind, wie sie auf den ersten Blick zu sein scheinen, untersucht sie in ihrem Projekt. Der Einsatz von Carbon von Aramid als Fasern der Hochtechnologie ist der Ausgangspunkt zur Umsetzung von textilen Vorlagen aus den Büchern der Zeichenakademie. Dabei fasziniert die Polarität zwischen den schwer zerstörbaren Materialeigenschaften der Fasern und der Zartheit und Fragilität der Stickereien. Von diesen historischen Vorbildern angestoßen, erweist sich das Projekt als ein experimentelles Forschungsvorhaben.“
Die beiden ausgezeichneten Stipendiatinnen werden 2027 mit ihren Projekten beginnen. Auf dem Instagram Kanal des Celia Holtzer Stipendium @celia_holtzer dokumentieren sie ihre Prozesse und Ergebnisse. Das Celia Holtzer Stipendium wird jährlich von der Gesellschaft für Goldschmiedekunst e.V. an zwei begabte Absolvent*innen der Staatlichen Zeichenakademie Hanau im Andenken an Celia Holtzer (1957-2003) vergeben. Celia Holtzer war 1989 selbst Schülerin an der Zeichenakademie. Das Stipendium wurde nach ihrem frühen Tod von ihren Eltern Jeanne Sybill Wallman Holtzer und Dr. Howard Holtzer gestiftet.
Von links: Dr. Sabine Runde, Nicola Jäger, Theresa Lischke, Sicarú Cuéllar Paprotta, Malte Guttek. Foto: @GfG-Archiv