Bei einem Treffen im Hanauer Rathaus würdigte Oberbürgermeister Claus Kaminsky diese finanzielle Unterstützung als "ein ganz besonderes Zeichen der Verbundenheit mit der Stadt und ihrer Geschichte". Schließlich werde hier dank des bürgerschaftlichen Engagements zweier renommierter Institutionen ein Stück Stadtgeschichte auf ganz besondere Weise zugänglich gemacht, so der OB.
Das Bronzerelief, das auch Bestandteil der "Kunst und Kultur im öffentlichen Raum im Rahmen des Stadtumbaus" ist, soll seinen künftigen Standort auf dem neu entstehenden kleinen Stadtplatz an der Marktstraße zwischen Altstadt und Forum Hanau bekommen. Wie Kaminsky seinen Besucherinnen erläuterte, liefert das Stadtmodell einen wichtigen Baustein zur Vermittlung der Historie. Darüber hinaus sei es jedoch auch wunderbar geeignet, einen identitätsstiftenden Akzent bei der Gestaltung der neuen Innenstadt zu setzen. "Es gibt immer wieder kritische Stimmen", so der OB, "dass das Erscheinungsbild unserer Städte immer uniformer und damit austauschbarer wird." Kunst im öffentlichen Raum sei hier das geeignete Instrument, um dem entgegenzuwirken und er sei sehr dankbar für das Engagement der Lions-Damen und der Nagel-Stiftung, die dies möglich machten.
Sabine Krempel, Präsidentin des Lions Clubs, knüpfte daran an und machte im Gespräch mit dem OB deutlich, dass es gerade dieser Aspekt und die sich daraus ergebende Bedeutung des Projektes für die Stadtgesellschaft gewesen sei, die den Club dazu bewogen habe, hier als Sponsor aufzutreten und Verantwortung für eine hochwertige Innenstadtgestaltung zu übernehmen.
Mit dem Relief werde das historische "Gesicht" der Stadt jenen nahegebracht, die Geschichte im Wortsinne "begreifen" wollten, ergänzte Barbara Nagel für die gleichnamige Stiftung. Die außergewöhnliche 3-D-Darstellungsweise des bekannten "Metzger-Plans" könne einzigartige Eindrücke vermitteln und erschließe auch Gästen von außerhalb auf den ersten Blick den historischen Stadtgrundriss in seiner Besonderheit.
Vorbilder für einen solchen Stadtplan der besonderen Art, der es dank der entsprechenden Beschriftung in Braille blinden Menschen ermöglicht, sich mit den historischen Gegebenheiten in Hanau vertraut zu machen, gibt es inzwischen in vielen Städten Deutschlands. Auch die Hanauer Darstellung stammt aus der Werkstatt von Egbert Broerken (Welver/Westfalen), der als ausgewiesener Fachmann schon andernorts zahlreiche Stadtansichten als Tastmodell umsetzte.
Basis für das Bronzerelief ist die bekannte Hanauer Vogelschau von Christoph Metzger aus dem 17. Jahrhundert aus dem Bestand des Hanauer Geschichtsvereins, die in einem Maßstab von 1:1000 und mit einer Größe von 1,20 x 1,20 Metern umgesetzt wird. Dabei erhalten alle Straßen, Plätze und wichtige Gebäude ihre Bezeichnungen in Braille- und Normalschrift. Das Modell wird im Wachsausschmelzverfahren in sogenannter "10er Bronze", die höchste Detailgenauigkeit sicherstellt, gegossen und anschließend ziseliert, patiniert sowie mit Hartwachs als Schutz gegen Umwelteinflüsse überzogen. Es soll spätestens Ende 2015 mit der Eröffnung des Forums Hanau eingeweiht werden.
Die Gesamtkosten für das Bronzerelief inklusive des Sockels und der Befestigungsarbeiten sind mit rund 30.000 Euro veranschlagt. Die Stadt Hanau übernimmt neben den beiden Institutionen ebenfalls ein Drittel dieser Summe, die Mittel stammen aus dem bereits 2012 beschlossenen Budget für "Kunst und Kultur im öffentlichen Raum" beim Fachbereich "Stadtentwicklung & Bürgerservice". Die wissenschaftliche Begleitung und Projektabwicklung übernimmt der Hanauer Geschichtsverein 1844 e.V.
Foto: Die Damen des Lions Clubs Hanau Schloss Philippsruhe mit ihrer Präsdidentin Sabine Krempel sowie Barbara Nagel von der Nagel-Stiftung im Gespräch mit Oberbürgermeister Claus Kaminsky zur Gestaltung des geplanten Stadtmodells aus Bronze. Foto: Stadt Hanau
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