Am 10. April 2014 ist es genau 130 Jahre her, dass Dr. Kurt Blaum - zweimaliger Oberbürgermeister von Hanau - in Straßburg geboren wurde.
Aus diesem Anlass erinnert Oberbürgermeister Claus Kaminsky, an seinen berühmten Vorgänger und dessen Leistung für die Stadt. "Er war ein großer Mann mit der Rückgrat und mit Visionen, der unbeirrbar seinen Weg ging und so die Stadt und ihr Bild entscheidend prägte", so der OB. "Blaum trotzte den Nationalsozialisten und machte aus seiner kritischen Haltung keinen Hehl. Das hat ihn das Amt gekostet." Doch genau wie die Stadt Hanau, sei Blaum aus den Trümmern des Zweiten Weltkriegs neu auferstanden und habe im Rahmen seiner beispielhaften Karriere noch viele große Erfolge gefeiert.
"Blaum hatte ein tiefes Verständnis und großes Interesse für das Thema Stadtentwicklung", berichtet Kaminsky weiter und zitiert aus dem Aufsatz "Die drei Stufen" zum Wiederaufbau deutsche Städte 1947 von Kurt Blaum: "Das Bild einer Stadt spiegelt den Charakter der Bürgerschaft, in der Vergangenheit, ihr Wollen für die Zukunft. Es soll der heranwachsenden Jugend Auftrieb, dem Fremden ein Bekenntnis geben. Deshalb liegen in ihm starke seelische Kräfte, die für das Wesen einer Bevölkerung von tiefer Bedeutung sind. Die Neugestaltung ist die Aufgabe der Städtebauer, d.h. der Bürgerschaft und der Architekten. Möchten sie mit Verantwortlichkeitsgefühl und Wirklichkeitssinn, künstlerischer Phantasie und feinem Takt in den kommenden Jahrzehnten den Aufbau meistern: 'Der Städte Würde ist in Eure Hand gegeben - bewahrt sie!"
Am Donnerstag, 10. April 2014, um 18 Uhr, wird Dieter Lockl aus Bad Vilbel einen Vortrag zum Thema "Oberbürgermeister Kurt Blaum - ein Straßburger in Hanau" halten. Die Veranstaltung in Kooperation mit dem Hanauer Geschichtsverein 1844 e.V. findet im Rahmen der Ausstellung "Paris mon amour - Picasso, Baumeister, Poliakoff... Meisterwerke des Musée Unterlinden, Colmar" statt. Der Eintritt ist frei.
Hintergrund:
Blaum studierte in Kiel und Straßburg Jura und promovierte 1907. Im Anschluss arbeitete als Gerichtsassessor, Verwaltungsdirektor des Armenwesens in der elsässischen Metropole, war von 1914-1916 Soldat und anschließend vortragender Rat und Regierungsrat im Württembergischen Innenministerium in Stuttgart.
1921 wurde Blaum (Deutsche Demokratische Partei) zum Oberbürgermeister der Stadt Hanau gewählt. In seine Amtszeit fielen u. a. die Hanauer Verwaltungsreform, die Einweihung des Mainhafens (1924), und der Stadthalle (1928). Es entstanden die Wohnbauprojekte Beethovenplatz ("Zirkus Blaum") und Hafenplatz. Mit Wirkung zum 1. April 1933 wurde Blaum wegen seiner antinationalsozialistischen Einstellung beurlaubt. Anschließend war er als wissenschaftlicher Publizist und Wirtschaftsberater tätig. Er zog 1937 nach Oberursel und wurde 1943/1944 dienstverpflichtet als Betriebsführer einer Flugzeugmotorenfabrik in Oberursel.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Blaum vom 2. April bis 10. Juni 1945, erneut von der amerikanischen Militärregierung als kommissarischer Oberbürgermeister in Hanau eingesetzt. Doch schon am 4. Juli 1945 folgte jedoch - als Nachfolger von Wilhelm Hollbach - die Berufung zum kommissarischen Oberbürgermeister von Frankfurt am Main. Während seiner Amtszeit standen der Beginn des Wiederaufbaus, die Sicherung der Versorgung der Bevölkerung und der Aufbau einer funktionsfähigen Stadtverwaltung im Vordergrund.
Am 25. Juli 1946 unterlag er als Kandidat der CDU bei der ersten demokratischen Oberbürgermeisterwahl nach dem Krieg dem Kandidaten der SPD, dem Düsseldorfer Oberstadtdirektor und Oberbürgermeister, Walter Kolb. Anschließend wurde Blaum Präsident des Landesamtes für Vermögenskontrolle Hessen, 1947-1948 geschäftsführender Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft deutscher Sparkassen- und Giroverbände und Girozentralen. Auch arbeitete er 1948 an der Währungsreform mit und wurde später Aufsichtsratsvorsitzender der Bavaria-Schifffahrts- und Speditions-AG, Mitbegründer und Mitglied des Hauptausschusses des Deutschen Alpenvereins, Präsident des Landesverbandes Hessen des Deutschen Roten Kreuzes, Präsident der Polytechnischen Gesellschaft in Frankfurt am Main und Vorstandsmitglied des paritätischen Wohlfahrtsverbandes. 1952 erhielt Kurt Blaum für sein Engagement das große Bundesverdienstkreuz.
Kurt Blaum verstarb am 26.11.1970 in Bad Homburg und wurde am 3. Dezember 1970 auf dem Hauptfriedhof Hanau beigesetzt.
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