„Dem Leben nicht mehr Tage, sondern dem Tag mehr Leben geben“

Hanau

Sollen Sterbehilfevereine verboten werden? Wann dürfen Ärzte Sterbehilfe leisten? Menschenwürde kontra staatlicher Zwang zum Leiden?

Interkulturelle Wochen im Main-Kinzig-Kreis

Der Bundestag will bis Sommer 2015 eine gesetzliche Regelung treffen. Es ist ein Grenzgang für Politiker und Mediziner. Die Abgeordneten müssen beispielsweise entscheiden, ob und wann für Ärzte ein „assistierter Suizid“  zulässig ist. Wichtige Anregungen für die Diskussion erhielt der Bundestagsabgeordnete Dr. Sascha Raabe bei einem Besuch des Hospiz Louise de Marillac Hanau. „Auf keinen Fall darf der ärztlich assistierte Suizid dazu führen, dass die Anstrengungen für einen Ausbau der Palliativmedizin reduziert werden", sagt der SPD-Politiker.

Für die Politik ist die Entscheidung ein ethischer Grenzgang, für die Mitarbeiter des Hospiz Louise de Marillac ein täglicher psychischer Grenzgang. „Wir wollen Hilfe beim Sterben, nicht zum Sterben geben“, sagt Dr. Maria Haas-Weber. Die engagierte Fachärztin und Palliativmedizinerin aus Mittelbuchen ist Vorsitzende des Fördervereins Palliative Patienten-Hilfe Hanau, der zwei Schwerpunkte verfolgt: die Einrichtung von mehr „Palliativoasen“ in den Pflegeheimen und die Etablierung einer gesellschaftlichen Sorgekultur ähnlich der Nachbarschaftshilfe. Eine Erstberatungsstelle für Schwerstkranke und Sterbende soll in Hanau etabliert werden, um Betroffene und Familienangehörige besser zu informieren.

Vorgestellt wird das Projekt auch im Rahmen der Veranstaltung „Hilfe beim Sterben oder Hilfe zum Sterben?“ am Samstag, 22. November, ab 13 Uhr im Congress Park Hanau (CPH). Prominenter Gastredner ist der ehemalige SPD-Vorsitzende und Bundesminister a.D. Franz Müntefering, zu dem Parteigenosse Raabe für den Förderverein den Kontakt hergestellt hatte. Im Vergleich zur Pflege im Altenheim ist das Hospiz auch dank der Kostenübernahme durch die Krankenkassen vorbildlich aufgestellt. Pro Schicht kümmern sich mindestens zwei Fachkräfte mit Zusatzausbildung „Palliativcare“ um die maximal acht Gäste in der Einrichtung am Vinzenz-Krankenhaus, dazu auszubildende Krankenschwestern, Küchen- und Haushaltshilfen, Ehrenamtliche und Ärzte – ein „multidisziplinäres Team“, erläutert Hospizleiterin Christa Kuhn. Es gehe darum, mit Kleinigkeiten Lebensqualität zu schenken und gleichzeitig Ängste zu lösen. „Wir wollen dem Leben nicht mehr Tage, sondern den Tagen mehr Leben geben“, sagt Kuhn. „Die Autonomie des Menschen zu wahren, ist die erste Pflicht“, sagt Dr. Haas-Weber.

„Das Hospiz Louise de Marillac ist ein Musterbeispiel für einen Quantensprung der Betreuung. Den Mitarbeitern zolle ich für ihre Arbeit höchsten Respekt. Wir hoffen alle, dass wir diesen ‚Luxus‘ nie in Anspruch nehmen müssen, aber es ist gut, dass Menschen nicht mehr wie vor einigen Jahren abseits und allein sterben müssen“, bilanzierte Raabe nach dem Besuch.

Foto: „Quantensprung der Betreuung“: Schatzmeister Ralf Schilling, Hospizleiterin Christa Kuhn, Fördervereinsvorsitzende Dr. Maria Haas-Weber und der Bundestagsabgeordnete Dr. Sascha Raabe (von links).


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