„Wer glaubt, dass die Mehrzahl der Konsumenten mit dem Fahrrad zum Einkaufen fahren, ist naiv. Aber wer glaubt, dass man mit dem Fahrrad ins Krankenhaus fährt, lebt in einer anderen Welt“, stellt der Vorsitzende der Freien Demokraten und ehemalige Stadtrat der Stadt Hanau, Dr. Ralf-Rainer Piesold, nüchtern fest.
Die Kritik an der jetzigen Verkehrspolitik bezieht sich auf die Bereiche des ruhenden Verkehrs und des fließenden Verkehrs, der durch den Bau von Schikanen eingeschränkt werden solle. Ein Hauptärgernis des Liberalen ist die Verkehrssituation rund um das Klinikum Hanau. Trotz mehrjähriger Planungen sei es noch nicht gelungen, die Situation nur annähernd zu entschärfen. Teure Parkplätze, die offensichtlich eine abschreckende Wirkung erzielen sollen, seien aber genau das falsche Signal. Kranke Menschen aber auch Besucher sind häufig auf einen nahen Parkplatz angewiesen. Nach Dr. Piesold könne man am Beispiel der Universitätsklinik Frankfurt deutlich sehen, dass ausreichend Parkplätze und ein großes Parkhaus für die Menschen eine große Hilfe seien. Von Hanau nach Frankfurt brauche man außerhalb des Berufsverkehrs eine halbe Stunde, müsse nicht lange sich um einen Parkplatz bemühen und komme deshalb dann auch schnell zu der gewünschten Einrichtung. Auch diesen Aspekt sollte man in Hanau berücksichtigen, wenn man über die Attraktivität des Krankenhauses nachdenkt. Zwar werde in Hanau immer wieder mal über eine Erweiterung des Parkplatzangebotes am Klinikum Hanau spekuliert, aber passiert sei zum Ärger der Bevölkerung fast nichts. Das Parkplatzproblem wird sich nach Ansicht des Freien Demokraten in Zukunft noch verstärken. Durch den Wegfall der Parkplätze an der Wallonisch-niederländischen Kirche sei die Lage schon heute angespannter als noch vor einigen Wochen. Wenn nun das Hanau Forum eröffnet werde, würde sich die Situation zusätzlich erschweren. Die 550 neuen Parkplätze seien kaum ausreichend, um die notwendige Kundenanzahl aufzunehmen, die hoffentlich das Einkaufszentrum anzieht. Auch das Argument, die umliegenden Parkhäuser könnten den Bedarf decken, erscheint unzureichend. Das Parkhaus Am Frankfurter Tor verfüge über 555 Stellplätze und in der Marktplatz Tiefgarage ständen 183 Plätze zur Verfügung. Selbst wenn man weitere, abgelegene Parkhäuser, wie das Parkhaus am Schwimmbad mit einbeziehe, sei die Zahl im Vergleich zu anderen Städten eher bescheiden. Hier verweist der Liberale nur auf die City Galerie in Aschaffenburg, wo ca. 1700 Parkplätze zur Verfügung ständen. Da das Forum wirtschaftlich attraktiv sei wird sich somit der Parkplatzdruck im Umfeld erhöhen. Auch bei der Preisgestaltung sieht der Freie Demokrat in Hanau Nachteile. In Aschaffenburg koste die Stunde 1,10 € während man in Hanau 2,40 € in der Tiefgarage berappen müsste. Von einer einkaufsfreundlichen Planung könne man hier wohl kaum sprechen.
Vollkommen unverständlich sei es aber, dass in Hanau der Individualverkehr zunehmend absichtlich und vorsätzlich behindert würde. So sei der Bau von Hindernissen in Kesselstadt nicht nur ärgerlich sondern vollkommen überflüssig. Da man Hanau kaum mit Städten, wie Frankfurt vergleichen könne, sei es auch nicht sinnvoll, Verkehrskonzepte aus den Innenstädten von Metropolen zu übertragen. Die Menschen, die nach Hanau kämen, um einzukaufen oder ins Krankenhaus zu gehen, kämen vorwiegend mit dem Auto, da die Anbindung des Umlandes mit dem ÖPNV nicht so funktioniere, wie der ÖPNV z. B. an der Hauptwache. Es sei auch noch nicht einmal notwendig, den Individualverkehr einzudämmen. In ein paar Jahren könne man mit Fahrzeugen rechnen, die elektrisch oder mit Wasserstoff angetrieben würden und somit weder Lärm noch Abgase produzierten. Deshalb sei die Organisation des Individualverkehrs durch intelligentere Verkehrsleitsysteme notwenig und nicht die grüne Vorstellung man könne eine Fahrradstadt nach niederländischem Vorbild schaffen. Wer an dieser Aussage Zweifel habe, könne dies gerne anhand der Entwicklung des Kinzigbogens nachvollziehen. Nicht nur dass dort über 500 Arbeitsplätze geschaffen wurden, sondern er zieht auch immer wieder neue Unternehmen, wie nun bald auch Audi, nach Hanau. Das liege natürlich in erster Linie an der Erreichbarkeit des Kinzigbogens durch das Auto, meint Dr. Piesold und verweist darauf, dass die FDP damals in schwierigen Verhandlungen Teile der SPD, die Grünen und die BfH davon überzeugen musste. Dass die CDU den Bau vollkommen abgelehnt habe, könne heute wohl überhaupt niemand mehr nachvollziehen.
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