Zahl der Scheidungs- und Trennungsberatungen gestiegen

Hanau

Die Scheidungskinderquote hat sich seit 1960 bundesweit verdreifacht. Familien geraten aus der Balance.

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Das spürt auch die Familien- und Jugendberatung (fjb) der Stadt Hanau. Die Zahl der Fälle, bei denen die Beratung im Kontext einer familiengerichtlichen Auseinandersetzung stattfindet, ist seit 2012 um 23 Prozent gestiegen. „Eine Zahl die betrübt“, sagt Sozialdezernent Axel Weiss-Thiel, „aber die auch zeigt, dass die fjb eine wichtige und etablierte Institution für Familien in unserer Stadt ist“.

Früher gehörte es zu den klassischen Lebensentwürfen, im jungen Erwachsenenalter zu heiraten und Kinder zu bekommen, wirft Weiss-Thiel einen Blick zurück. Heutzutage verschiebe sich das Alter für eine   Familiengründung nach hinten. Hinzu komme, dass sich immer mehr Frauen beruflich engagieren können und müssen. Oftmals seien beide Elternteile berufstätig, was die Anforderung mit sich bringe, die Ziele des beruflichen Erfolgs und des glücklichen Familienlebens miteinander zu verbinden.

„Wir als Stadt unterstützen Eltern dabei, Beruf und Familie gut vereinbaren zu können, indem wir eine qualitativ und quantitativ hochwertige Kindertagesbetreuung und eine vielfältige Bildungslandschaft anbieten“, so der Sozialdezernent. Doch das sei  leider keine Gewähr, dass es gelinge, die Balance zwischen Beruf, Familie und den  eigenen Bedürfnissen zu finden und zu halten.  „Dauern Stressbelastungen zu lange und finden sich nicht ausreichend Ressourcen zur Erholung und Entspannung, treten bei den Eltern Erschöpfungszustände auf. Die Kinder leiden oft mit “, weiß Diplom-Psychologin Dr. Annette Siegismund aus ihrer täglichen Arbeit. Sie leitet die Familien- und Jugendberatung am Sandeldamm 21 und wird dabei von sechs Mitarbeiterinnen – Psychologinnen, Sozialpädagoginnen und einer Erzieherin -  unterstützt. Manchmal eskalieren die Konflikte, die mit dem alltäglichen Familienleben verbunden sind.

„Wir sind immer froh, wenn  die Erwachsenen zu uns kommen, bevor allzu viel Porzellan zerschlagen ist“, so Annette Siegismund. Sie seien sich der mit Trennung und Scheidung  verbundenen Probleme für ihre Kinder bewusst und suchten frühzeitig die Beratungsstelle auf, um einen Weg zu finden, ihren Kindern trotz der meist schmerzhaften Trennung zwei verlässliche Elternteile zu erhalten. In der Beratung, die auch die Kinder einbinde, werde diesen Ideen und Strategien an die Hand gegeben, wie sie mit den unterschiedlichen Sichtweisen ihrer Eltern und deren nicht immer zu vermeidenden Streitigkeiten umgehen können. Manchmal könnten sich Mütter und Väter bei einer Trennung jedoch überhaupt nicht auf eine gemeinsame Vorgehensweise zum Wohl ihrer Kinder einigen, so die Diplom-Psychologin. Häufig spielten hierbei   finanzielle Fragen, grundlegende existentielle Faktoren  sowie eigene Werthaltungen eine große Rolle.  Bei teilweise lange andauernden gerichtlichen Auseinandersetzungen gerieten nicht selten die Interessen der Kinder aus dem elterlichen Blickfeld. Doch auch in dieser Situation gelinge es Eltern im Laufe der Beratung durch die fjb, den Fokus auf die Entwicklung ihrer Kinder zu legen. „Unser Anliegen ist es, gemeinsam mit den Eltern daran mitzuwirken, kurz- und langfristige Schäden zu vermeiden,  die Kinder aufgrund einer lang andauernden Stressbelastung durch eskalierte familiäre Konflikte erleiden können. Die Familien- und Jugendberatung ist telefonisch unter der Nummer 06181/187530 erreichbar. Die Öffnungszeiten sind montags bis freitags von 9 bis 13 Uhr sowie montags bis donnerstags von 14 bis 17 Uhr.


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