„Die Wohnungen im Ostkarree auf einen wirklich modernen und energetisch zeitgemäßen Standard zu bringen, würde die Baugesellschaft rund 7,2 Millionen Euro kosten. Dieser Summe stehen Investitionen von rund 8,8 Millionen Euro für einen kompletten Neubau gegenüber. Unter diesen Umständen gibt es nur eine wirtschaftlich sinnvolle Lösung, nämlich die Liegenschaften abzureißen und neuen Wohnraum an dieser Stelle zu schaffen.“
Nach den Worten von Jens Gottwald, Geschäftsführer der Baugesellschaft Hanau, hat sich das Unternehmen die Entscheidung nicht leicht gemacht und mit Unterstützung renommierter Architekturbüros sehr detailgenau geprüft, ob und mit welchem Aufwand die aus der Nachkriegszeit stammende Liegenschaft Ostkarree erhalten werden könnte.
Der Aufsichtsrat, ergänzt Oberbürgermeister Claus Kaminsky als Vorsitzender der Gremiums, habe angesichts der Ergebnisse des koordinierenden Architekten Stefan Forster erkennen müssen, dass sich die Hoffnung auf eine sanierungsfähige Gebäudesubstanz im Ostkarree leider nicht habe bestätigen können, auch wenn die Ausgangslage auf den ersten Blick besser schien als im Westkarree.
Dabei habe die Machbarkeitsstudie zwar auch die Kosten für eine einfachen Basissanierung ermittelt, die mit 5,5 Millionen Euro rund drei Millionen Euro preiswerter als ein Neubau gewesen wäre. „Doch das wäre lediglich oberflächliche Kosmetik geblieben, die an der maroden Grundsubstanz und den nicht mehr zeitgemäßen Grundrissen der Wohnungen wenig geändert hätte. Deshalb haben wir uns einhellig für den Abriss der vorhandenen Bebauung ausgesprochen.“
Gleichzeitig mit der Entscheidung über die Zukunft der Liegenschaft hat der Aufsichtsrat den Geschäftsführer und sein Team auch beauftragt, für die 37 Mieter ein ebenso komfortables und sozial verträgliches Umzugsmanagement zu organisieren wie es seinerzeit bereits für die Mieter des Westkarrees angeboten wurde. 39 Wohnungen im Ostkarree stehen bereits leer.
Bereits einen Tag nach der Entscheidung des Gremiums wurden die betroffenen Bewohner der Liegenschaft vom Geschäftsführer der Baugesellschaft in einer Mieterversammlung persönlich darüber informiert, dass die Tage des Ostkarrees gezählt sind. Ein Auszug bw. Umzug der derzeitigen Mieter wäre aber auch bei einer umfassenden Sanierung unumgänglich gewesen, erinnert Jens Gottwald daran, dass die Gebäudekomplexe auch für die Alternativ-Planung komplett leer hätten sein müssen.
Neben der schlechten baulichen Verfassung der Gebäude sind es auch die Wohnungsgrößen, die nach den Worten von Jens Gottwald nicht mehr zeitgemäß sind und auch nach einer Entkernung nur schwierig in Zuschnitte umzuwandeln wären, die heutigen Ansprüchen genügen würden. So sind von den insgesamt 76 Wohnungen allein 21 Einheiten kleine Ein-Zimmer-Wohnungen, für die es heutzutage kaum mehr Interessente gebe. Lediglich drei Wohnungen verfügen über drei Zimmer.
Spätestens Anfang 2015 sollen die Häuser im Ostkarree leer sein. Zeit genug, um detaillierte Pläne für die künftige Bebauung und Nutzung des Areals in Abstimmung mit dem Investor Bouwfonds zu machen, der das benachbarte Westkarree entwickelt und vermarktet. Der Geschäftsführer der Baugesellschaft würde das Projekt, das für das gesamte Quartier Südliche Innenstadt eine zusätzliche Aufwertung bedeuten würde, nach eigenen Worten gern in der Regie des städtischen Wohnungsunternehmens verwirklichen. „Immerhin handelt es sich nach Abschluss des Stadtumbaus hier um eine 1a-Lage, in der die Baugesellschaft unbedingt auch präsent sein sollte.“
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