Wie sieht die Arbeit der ehrenamtlichen Hanauer Willkommenslotsen aus, die Flüchtlinge in Hanau willkommen heißen und sie dabei unterstützen sich in Hanau zurecht zu finden?
Wie gelingt es den Flüchtlingen in unserem, für sie völlig fremden, Land anzukommen? Darüber tauschten sich Vertreter/innen der SPD Fraktion mit zwei der 38 Hanauer Willkommenslotsen und den von ihnen betreuten Flüchtlingen aus.
SPD-Mitglied Mustapha Jebabli ist einer dieser Willkommenslotsen, der u.a. eine vierköpfige Syrische Familie betreut. Die Eltern waren mit ihren vier und fünf Jahre alten Söhnen ganze 4 Monate unterwegs, um einen sicheren Zufluchtsort zu finden. Nach weiteren zwei Monaten in einer Erstaufnahmeeinrichtung in Hessen, sind sie vor zwei Monaten in Hanau angekommen. In Syrien war die Frau als Schneiderin für Modedesign tätig, der Vater hatte als selbstständiger Fliesenleger sein Geschäft im nun großteilig zerstörten und immer noch umkämpften Aleppo. Sie wurden in kürzester Zeit als Asylsuchende anerkannt. Sich in einer neuen Umgebung zurechtzufinden fällt zunächst nicht leicht, besonders da bei Behördengängen und anderer Herausforderungen im Alltag der Familie, die Sprachbarriere das größte Hindernis darstellt. Umso mehr erweist sich die Unterstützung des Willkommenslotsen als hilfreich. Der aus Tunesien stammende und seit 1970 in Hanau lebende Mustapha Jebabli kennt sich hier nicht nur gut aus, sondern er kann sich mit der Familie vor allem problemlos auf Arabisch verständigen. Jetzt arbeiten sie vor allem mit Sprachkursen daran, ihr Leben alsbald selbstständig bestreiten zu können, um insbesondere ihren Kindern eine Zukunftsperspektive zu ermöglichen. Die Familie ist dezentral in einer Mietwohnung in Hanau untergebracht. Der Idealfall einer dezentralen Unterbringung in Wohnungen, der lange Zeit die Regel in Hanau war, ist jetzt nicht mehr umsetzbar. „Aufgrund der stark gestiegenen Flüchtlingszahlen in Deutschland, ist für viele Kommunen die dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen nicht mehr möglich“, bedauert Hanaus Sozialdezernent Axel Weiss-Thiel. So auch in Hanau. Es gelinge nicht mehr, ausreichend Wohnungen für die Unterbringung anzumieten. Deshalb nimmt Hanau im August eine Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Sportsfield Housing in Betrieb. Auch hier sollen die Flüchtlinge intensiv betreut werden. „Es gibt ein Betreuungskonzept, indem gerade auch die Betreuung durch Willkommenslotsen ein wichtiger Bestandteil ist“, so Weiss-Thiel. Diese unterstützen bei der Vermittlung von Sprachkursen, bei Behördengängen, der Teilhabe an Freizeitangeboten, z. B. durch den Besuch bei Vereinen aber auch im Umgang mit bisher unbekannten Dingen des Alltags.
Über ihre Erfahrungen in der Betreuung von in Gemeinschaftsunterkünften untergebrachten Flüchtlingen, berichtete die SPD-Stadtverordnete Gabriele Ewald. Sie betreut zwei Flüchtlinge aus Eritrea, die in der Gemeinschaftsunterkunft in der Steinheimer Ludwigstraße untergebracht sind. Die beiden jungen Männer haben sich nach ihrer Flucht in der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes, in Gießen, kennengelernt und sind Freunde geworden. Einer der jungen Männer besucht seit fünf Monaten einen Deutschkurs bei der VHS und kann sich schon gut verständigen. Er möchte eine Ausbildung als Kfz-Mechatroniker machen. Dafür wird er, mit Unterstützung von Gabi Ewald, seine Zeugnisse in Eritrea anfordern. Dort ist er zwölf Jahre zur Schule gegangen. Der andere der beiden jungen Männer hat in Eritrea eine Ausbildung absolviert und in seinem Heimatland in der Nachrichtentechnik gearbeitet. Auch darüber werden jetzt die Zeugnisse angefordert. Beide haben das Ziel, hier einen Arbeitsplatz zu finden und möglichst bald auf eigenen Füßen zu stehen.
Gabi Ewald ist überzeugt, dass von der Arbeit als Willkommenslotse beide Seiten profitieren. „Durch den gegenseitigen Austausch entsteht Verständnis füreinander“. Für die unterschiedlichen kulturellen und religiösen Hintergründe, die Gewohnheiten und die Bedeutung von auch scheinbar Selbstverständlichem. „So spielt die für viele Deutsche wichtige Pünktlichkeit in vielen Herkunftsländern der Flüchtlinge nur eine untergeordnete Rolle“, so Gabi Ewald. Das müsse man erst begreifen und könne dann vieles auch etwas lockerer sehen. Sie sieht in ihrer Arbeit als Willkommenslotsin eine enorme Bereicherung. Die Lotsen würden mit Fragen und evtl. auftauchenden Problemen auch nicht allein gelassen. „Wir wurden gut vorbereitet und die Ansprechpartner/innen bei der Stadt Hanau unterstützen uns bei Fragen und Unklarheiten“, stellt sie anerkennend fest.
Das ehrenamtliche Engagement der Lotsen aber auch der Vereine und Kirchengemeinden und der freien sozialen Träger, sei ungeheuer wichtig und ohne dieses wäre die Aufgabe für die Kommunen nicht zu bewältigen, unterstreicht der sozialpolitische Sprecher der Hanauer SPD Fraktion, Amin Jebabli. Dies insbesondere, da die Landesregierung in Hessen von der Entwicklung der Flüchtlingszahlen völlig überfordert sei und es von Seiten des Landes kein Konzept gäbe, eine erfolgreiche und damit für die Aufgenommenen und die aufnehmende Seite zufriedenstellende Integration der Flüchtlinge in unsere Gesellschaft zu gestalten. „Hanau ist hier mit seinem Konzept der „Willkommenskultur“, gut aufgestellt“, stellt die Fraktionsvorsitzende der SPD, Cornelia Gasche, fest. „Durch Einbezug der Bürgerinnen und Bürger und gezielte und umfassende Information, ist es gelungen, eine erfolgreiche Aufnahme zu schaffen“, so Gasche und Jebabli. Diese gelte es zu bewahren und weiter auszubauen. „Wir danken allen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern für ihr Engagement und wünschen ihnen weiterhin viel Erfolg.
Foto: Die beiden Willkommenslotsen, Gabriele Ewald und Mustapha Jebabli, und die von ihnen betreuten Flüchtlinge im Kreis der Vertreter der Hanauer SPD.
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