Jung trifft Alt vor und hinter der Kamera

Hanau

Was wollt ihr von uns wissen?  Diese Frage stellten 16 Frauen und ein Mann zwischen 16 und 94 Jahren beim Videoprojekt "Jung trifft Alt", das die Jugendwerkstatt Hanau gemeinsam mit dem städtischen Seniorenbüro initiiert hatte.

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jungalt hanauSie gewährten sich eine Woche lang gegenseitig Einblicke in die jeweilige Lebenswelt - mit oft überraschenden Einsichten. Ergebnis ist ein sympathischer Film, der am  28. Juni um 12.30 Uhr im Rahmen von "Silver Screen", dem dritten Europäischen Filmfestival der Generationen, im Kinopolis Hanau öffentlich Premiere feiert.

Ruhe bitte. Kamera läuft. "Was war der schönsten Moment in Ihrem Leben? Die  94-jährige Annemarie Huth, die mit ihren zwei Interviewerinnen auf dem Sofa ihres Wohnzimmer sitzt, spricht ohne zu zögern ins Mikrofon: "Als mein Mann aus Russland aus dem Krieg zurückgekehrt ist." Und gleich folgt die nächste Frage. "Wie haben Sie sich kennengelernt?" Ein lebhaftes Gespräch entwickelt sich, immer wieder unterbrochen von Anweisungen der Kamerafrau und der Tontechnikerin, fachlich begleitet vom Medienpädagogen Urs  Daum vom Medienprojektzentrum Offener Kanal Offenbach.

jungalt hanau1Der Verein Jugendwerkstatt Hanau, eine berufliche Bildungseinrichtung der Jugendhilfe (Mitglied im Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck), hatte die Idee für das Videoprojekt, an dem zwölf junge Frauen im Alter von 16 bis 22 Jahren teilnehmen, die sich  ein Jahr lang auf die Ausbildung zur Altenpflegerin vorbereiten. Zur Qualifizierung  gehört neben dem Praktikum in der Martin-Luther-Stiftung und im Altenhilfezentrum Bernhard Eberhard  auch eine individuelle sozialpädagogische Begleitung und Beratung bei der Berufsorientierung.  Barbara Heddendorp vom Seniorenbüro der Stadt Hanau gewann mit Annemarie Huth (94), Mathilde Daniels (78), Adelheid Kleine (69), Inge Müller (75) und Jürgen Christmann (68) fünf Ehrenamtliche, die sich auf die junge Generation und das Medium Film einließen. Den Anstoß, vor der Kamera mit Alt und Jung in einen Dialog zu kommen, gab im Herbst 2011 die Ausstellung "Jahrhundertmensch", die eine Gruppe junger Frauen der Jugendwerkstatt besuchte. Sie trafen im Congress Park Hanau auf Annemarie Huth. "In dem Gespräch kam ans Licht", erinnert sich Barbara Heddendorp, "dass beide Generationen  Altersbilder in sich tragen, die nicht unbedingt der Realität entsprechen und nicht selten Klischees sind. Alt bedeutet nicht gleich inaktiv zu sein und jung nicht  vor allem zu chillen und keine Verantwortung  für Andere übernehmen zu wollen."

Petra Mumme und Katharina Dudek von der Jugendwerkstatt und Barbara Heddendorp  leiten das Projekt. Gedreht wurde in Hanau, Maintal und Babenhausen. Die jungen Leute und die Senioren mussten das Drehbuch schreiben, die Film- und Tontechnik beherrschen und  den Film  unter Anleitung von Profi Urs Daum  auch schneiden. Schon die Vorstellungsrunde im Seniorenbüro ließ erkennen, dass beide Generationen großes Interesse hatten, sich näher kennen zu lernen. Beeindruckt waren die älteren Teilnehmerinnen, welch große Verantwortung die jungen Frauen in den Altenpflegeeinrichtungen tragen. Die Jugendlichen erzählten von ihrem Arbeitsalltag und wie sie ihre Freizeit verbringen.  Sie waren überrascht, wie aktiv und unternehmenslustig ältere Menschen sind. Eine junge Frau nahm an einer Fahrradtour des Seniorenbüros von Steinheim nach Babenhausen  teil, "und kam dabei ganz schön ins Schwitzen", berichtet Barbara Heddendorp schmunzelnd.

 "Das Filmprojekt zeichnet sich dadurch aus, dass es Spielraum für spontanes Handeln zulässt", erklärt Katharina Dudek. Drei Teams mit jeweils vier jungen Frauen und ein bis zwei Senioren filmten an Orten, an denen sich Jung und Alt aufhalten und Freizeit gestalten, unter anderem am Brüder-Grimm-Denkmal auf dem Marktplatz, im Park der Wallonisch-Niederländischen Kirche und auf dem Bewegungsparcours  im Schlossgarten.

Das Projekt von Jugendwerkstatt und Seniorenbüro passt in den Kontext des bundesweiten Wettbewerbs "Video der Generationen", der seine Beiträge ebenfalls beim Filmfestival  präsentiert. Im Kinopolis in Hanau sind von 10.30 Uhr an drei Filme zu sehen, in denen sich junge Filmemacher mit dem Thema Alter und Altern auseinandergesetzt haben. In "Schlagkräftige 1,47" spielen zwei Kommissare und eine 90-Jährige die Hauptrolle. "Testfahrer" erzählt von einem 69-jährigen Rollstuhlfahrer, der trotz schwerer Erkrankungen seinen Humor nicht verloren hat. "Das Herz vergisst nicht" ist ein Film über das Leben mit Demenz in türkischstämmigen Familien aus dem Ruhrgebiet. Moderiert werden die Vorführungen von Holger Twele vom Kinder- und Jugendfilmzentrum in Deutschland.  Der Eintritt ist frei.  Für Schulklassen wird eine Reservierung wird unter der Telefonnummer 06181/6682050 oder per Mail (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) empfohlen. Informationen zum Videoprojekt gibt es bei Barbara Heddendorp (06181/6682060 oder Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!).

Foto: Adelheid Kleine (links) beim Interview vor dem Brüder-Grimm-Denkmal.

Foto: Mathilde Daniels (rechts) und die jungen Frauen beim Dreh im Park der Wallonisch-Niederländischen Kirche.

Fotos: Stadt Hanau


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