Für Haus und Grund sowie die Freien Demokraten gehe dies nur durch private Investitionen in den Wohnungsbau. Dafür seien auf allen politischen Ebenen die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Der Stadtrat a. D. und Vorsitzende der FDP Hanau, Dr. Ralf-Rainer Piesold, der Fraktionsvorsitzende der FDP in der Hanauer Stadtverordnetenversammlung, Thomas Morlock und das FDP Ortsbeiratsmitglied, Marion Oberesch, trafen sich zu einem Gespräch mit dem 1. Vorsitzenden von Haus und Grund, Andreas Angert, der 2. Vorsitzenden Birgit Bauer-Seuring und dem Geschäftsführer Stephan Weber. Für Andreas Angert sei Hanau immer noch stark durch die Bauten der Nachkriegszeit geprägt, die teilweise keinen zeitgemäßen Wohnstandard mehr aufweisen. Dadurch sei das Angebot von "einfachen" im Vergleich zu hochwertigen Wohnungen immer noch recht hoch. Das würde sich auch in der Bevölkerungsstruktur Hanaus -insbesondere der Innenstadt- bemerkbar machen. Ändern könne man dies nur durch vermehrte private Investitionen, wie man sie in den Konversionsgebieten schon teilweise realisiert habe. Private Investitionen könnten aber nur dann vollzogen werden, wenn überzogene Bauvorschriften dies nicht verhinderten, meint Dr. Piesold und zeigt sich über immer neue und restriktivere Bauvorschriften besorgt. Als Beispiel führte er die neue Bauordnung in Baden-Württemberg an, die vorschreibe, dass man mehrere überdachte Fahrradständer pro Wohnung nachweisen müsse. Überspannte Bauvorschriften gelten leider sowohl für den Neubau, als auch für die Sanierung von Altbauten. Auch bei der Aufstellung und Umsetzung von Bebauungsplänen in Hanau sollte man sich flexibler zeigen, meint der ehemalige Baudezernent der Stadt Hanau. Er wies darauf hin, dass unter der ehemaligen großen Koalition von CDU und SPD in Hanau Bauvorschriften sehr restriktiv gehandhabt worden seien. Heute müsste man die Stellplatzsatzungen überdenken und anpassen.
Im Interesse von Investitionen in den Wohnungsbau - also der Schaffung von neuem Wohnraum in allen Preissegmenten- seien es Fehlentscheidungen des Hanauer Magistrats gewesen, sich sowohl im Zuge der Hessischen Kappungsgrenzenverordnung 2014 als auch bei Einführung der aktuellen weiteren so genannten "Mietpreisbremse" für Neuvermietungen um eine Einstufung der Stadt Hanau als Gebiet mit angespanntem Wohnungsmarkt zu bemühen. In dieser Bewertung waren sich die Liberalen mit Haus und Grund Hanau einig. Zum einen sei es in Hanau durch Ausweisung zahlreicher Baugebiete bei einem Bevölkerungszuwachs von mehr als 5.000 Menschen in den letzten 5 Jahren gelungen, das Niveau der Mietpreise weitgehend stabil zu halten. Zum anderen kann die FDP gut nachvollziehen, dass sich Haus und Grund Hanau als Interessenvertretung der Vermieter deshalb derzeit nicht an der Fortschreibung des Hanauer Mietspiegels beteilige. Der Mietspiegel habe nach übereinstimmender Meinung der FDP mit Haus und Grund Hanau durch die Regelungen zur so genannten Mietpreisbremse bei Preisbildung für Neuvermietungen eine grundlegend andere Funktion erhalten. Gerade im Preissegment unterhalb der Vergleichsmieten - also für den so genannten bezahlbaren, weil preisgünstigen Wohnraum- tragen Mietpreisbremsen nichts zur Kappung von Mieterhöhungen bei.
Der FDP Fraktionsvorsitzende Morlock kritisierte in diesem Zusammenhang auch deutlich, dass die Hanauer Stadtverordnetenversammlung nicht in diese wohnungspolitisch bedeutsamen Entscheidungen des Magistrats eingebunden worden sei. Nur als abschreckendes Beispiel zu werten, seien Maßnahmen der Stadt Frankfurt, die durch Milieuschutzsatzungen die Sanierung von Altbauten verhindere. Dadurch würde in Eigentumsrechte eingegriffen, meint Frau Bauer-Seuring, die dies deshalb ebenso ablehnt, wie die Beschlagnahme von Wohnungen zur Flüchtlingsunterbringung. Für Frau Oberesch, wie auch für die anderen Freien Demokraten, ist die Frage nach bezahlbarem, qualitativ gutem Wohnraum in Hanau durchaus eine Frage, die Politik zu beantworten habe. Wenn jedoch die Investitionen durch private Eigentümer nicht mehr wirtschaftlich vollzogen werden können, müsse die Hanauer Baugesellschaft zwangsläufig mehr Wohnraum schaffen. Frau Oberesch sieht hierfür insbesondere in "ihrem" Stadtteil Südost starken Handlungsbedarf.
Foto: Thomas Morlock (FDP), Stephan Weber (H+G), Andreas Angert (H+G), Birgit Bauer Seuring (H+G), Marion Oberesch (FDP) Dr. Ralf-Rainer Piesold (FDP).
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