Korrekt, ruhig, bescheiden, sachkompetent – so lauten die Attribute, die dem Hanauer Ehrenbürger und Alt-Oberbürgermeister Hans Martin oft zugeschrieben wurden.
So beispielsweise, als er 2011 nach 15-jährigem Wirken als Vorsitzender der Martin-Luther-Stiftung verabschiedet wurde. Am 18. Oktober vollendete er sein 85. Lebensjahr – für seinen Nach-Nachfolger im OB-Amt, Claus Kaminsky, und für Stadtverordnetenvorsteherin Beate Funck ein Anlass zu ausführlicher Würdigung.
„Wer sich über mehr als 40 Jahre die Zuneigung der Menschen in Hanau erhalten hat, wenn sie ihm begegnen, der muss eine herausragende Persönlichkeit sein“, findet Kaminsky. Nur wenige hätten sich in den vergangenen Jahrzehnten so um Hanau verdient gemacht wie Martin. Parlamentsvorsteherin Funck sieht als Charakteristika für Martins Wirken „Augenmaß, Pflichtbewusstsein und Verantwortlichkeit“. Der Jubilar war von 1972 bis 1984 und von 1985 bis 1994 Oberbürgermeister von Hanau. Zuvor wirkte er hier von 1966 bis 1972 als Bürgermeister. Der gebürtige Frankfurter, Sohn eines Eisendrehers, trat nach dem Abitur 1951 bei der Stadt Frankfurt als Auszubildender für die Verwaltungslaufbahn ein und studierte zeitgleich Rechtswissenschaften in Frankfurt. Später avancierte er zum jüngsten Magistratsdirektor der Mainmetropole, ehe er dem Ruf folgte Wahlbeamter in Hanau zu werden.
Am 30. Juni 1994 ging Hans Martin auf eigenen Antrag in den Ruhestand und erhielt die Ehrenplakette der Stadt Hanau in Gold. Noch im gleichen Jahr wurde er zum Ehrenbürger der Stadt Hanau ernannt. Im Rückblick bezeichnet Kaminsky die Gebietsreform 1974 als „größte Leistung Hans Martins für Hanau“. Seine Fähigkeit zum Ausgleich und zum Zusammenführen sei dienlich gewesen, um die neuen Stadtteile zu integrieren. Darüber hinaus hebt Kaminsky in seiner Laudatio hervor, dass Martin die Autobahn 66 im Hanauer Stadtgebiet durchgesetzt habe. Einen ähnlichen Stellenwert für die städtische Entwicklung habe die Vereinbarung mit der Bahn gehabt, beschrankte Bahnübergänge am West- und Nordbahnhof zu beseitigen.
Hans Martin habe darüber hinaus die ersten wirklichen Schulentwicklungspläne konzipiert. Hohe Landesschule, Otto-Hahn-Schule, Ludwig-Geissler-Schule und die Kaufmännischen Schulen wurden neu gebaut, die Heinrich-Heine-Schule entstand als eine modellhafte Grundschule in neuer Form und inhaltlicher Konzeption. In seiner zweiten Amtszeit wurden in mehreren Stadtteilen Bürgerhäuser eröffnet, ebenso die August-Schärttner-Halle und das Museum Schloss Steinheim. Mit den ersten Fußgängerzonen habe Hanau in der Ära Martin „städtebauliches Neuland für Hanau“ betreten, so Kaminsky weiter. Der Jubilar habe den Westen der Stadt von den belästigenden und schädlichen Auswirkungen der Eisengießerei Wilhelma befreit und dort ein attraktives Wohnviertel geschaffen. Weststadt und Tümpelgarten seien in seiner Amtszeit als Wohngebiete entwickelt worden.
Funck rechnet es Martin auch als Verdienst an, lange bevor das Gesetz dies vorschrieb so etwas wie einen Ausländerbeirat ins Leben gerufen zu haben. Ziel sei gewesen, das Zusammenleben von Ausländern und Deutschen in Hanau konfliktfrei zu organisieren. Vorlaufkurse, in denen Migrantenkinder vor dem Schuleintritt Deutsch lernten, seien Ende der 70er Jahre eingeführt worden und damit Richtung weisend gewesen für den Spracherwerb. 40 Jahre lang gehörte Martin dem Vorstand der Martin-Luther-Stiftung an. Aus dieser Erfahrung heraus war er schon zu Beginn seiner OB-Amtszeit der Überzeugung, dass die Stadt auf Altenhilfe in eigener Trägerschaft nicht eingerichtet sei. Seine damalige Grundidee, deshalb die Stiftung Althanauer Hospital mit der Martin-Luther-Stiftung zu verschmelzen, wurde dann in jüngster Vergangenheit tatsächlich umgesetzt.
„Hans Martin hat hier sehr viel früher als andere erkannt, worin der zukunftsweisende Weg besteht“, hält Kaminsky ihm zugute. Das sei ein weiterer Beleg dafür, dass Martins „Lebenswerk zum Wohle Hanaus einzigartig“ sei. Es sei „erfreulich, dass Hans Martin jetzt wieder körperlich und geistig auf der Höhe ist und sich auf den Besuch seiner alten Weggefährten freut“, so der OB abschließend.
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