Barbara Mergenthal nimmt Babys die Furcht vorm Wasser

Hanau
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Schwupp, Schwupp, Schwubbe di Schwupp – wer dieses Lied von den drei kleinen Fischen kennt, der kennt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch Barbara Mergenthal.

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Seit über 35 Jahren führt sie Babys und Kleinkinder bei der Turngemeinde Hanau (TGH) an das nasse Element heran. Samstag für Samstag singen Barbara Mergenthal, ihr Mann Ralf, Stefan Auerbach sowie das rund zwölfköpfige Helferteam das Lied von den drei kleinen Fischen, die sich vor dem Hai fürchten. Von 9 bis 18.30 Uhr. 40-mal im Jahr. Mehr als 10.000 Teilnehmer sind es gewesen, die im Therapiebecken der Martin-Luther-Stiftung ihre ersten Schwimmerfahrungen gesammelt haben.

„Viele davon erkenne ich bis heute“, lacht die 51-jährige Abteilungsleiterin. Und seit kurzem kommen jene, die bei Barbara Mergenthal im Babyalter die Furcht vor dem Wasser verloren haben, mit ihrem eigenen Nachwuchs. So wie Ralf Mosler. Der Sohn von TGH-Ehrenpräsident Walter Mosler ist mit drei Jahren in Begleitung seiner Mutter Ulla das erste Mal ins 34 Grad warme Wasser der Martin-Luther-Stiftung gehüpft. Heute sind es seine Kinder, die hier spielerisch ans Schwimmen herangeführt werden. Mit Erfolg. Der siebenjährige Noah hat seine Freischwimmer-Prüfung erfolgreich gemeistert. Schwester Noemi, fünf Jahre alt, hat gerade das Seepferdchen erworben.

„Wenn man das hier sieht, geht einem das Herz auf“, sagt Großvater Walter Mosler. Er kann sich noch gut daran erinnern, wie das damals war, als der damalige Vorsitzende Jakob Holzschuh mit seinem Sohn Klaus (auch Vorstandsmitglied) das Konzept eines Babyschwimmkurses, das sie aus dem „Freiburger Kreis“, einem bundesweiten Zusammenschluss von Traditionsvereinen, mitgebracht hatten, in den TGH-Vorstand trugen. 1979 war das – „und viele hatten Schiss davor – vor allem aus versicherungstechnischer Sicht“, erinnert sich Mosler. Der damalige Schwimm-Abteilungsleiter Werner Engelhardt und dessen Frau Elisabeth waren wie Mosler selber, der damals schon im Vorstand saß, aber sofort Feuer und Flamme. Mit der Martin-Luther-Stiftung wurde schnell der passende Partner gefunden – und so tummelten sich im März 1980 erstmals Babys und Kleinkinder im Therapiebecken der Stiftung.

„Die Zusammenarbeit mit der Martin-Luther-Stiftung ist bis heute hervorragend“, sagt der aktuelle TGH-Präsident Rüdiger Arlt, der als Beispiel darauf verweist, dass Renovierungsarbeiten am Bad stets in den Kurspausen stattfänden. Das war auch die Voraussetzung dafür, dass das Angebot stetig ausgebaut werden konnte. Fanden die Kurse zum Start nur vormittags und zunächst nur 18-mal im Jahr statt, herrscht heute fast das ganze Jahr und den kompletten Samstag über Hochbetrieb in dem kleinen Becken. 175 Babys und Kinder sind es aktuell, die in 19 halbstündigen Kursen angeleitet werden. Und trotzdem gibt es – wie schon zum Start vor 36 Jahren – eine lange Warteliste mit weiteren Interessenten.

„Das Baby- und Kleinkinderschwimmen ist eine absolute Erfolgsgeschichte“, sind sich Mosler und Arlt einig. Das liege auch am Konzept, das stets weiterentwickelt worden sei. „Anfangs stand das Schwimmen lernen nicht im Vordergrund,  sondern das spielerische Heranführen ans Wasser“, erinnert sich Mosler. Heute gibt es zwei Welten: Morgens gehen die Babys gemeinsam mit einem Elternteil ins Wasser, und nachmittags steht für die Größeren das Schwimmen lernen im Fokus – mit 1:1-Betreuung. Denn Barbara Mergenthal gewinnt immer wieder junge Trainer für ihre Sache. Ein gutes Dutzend ist es derzeit, das mit den Kleinkindern durch das Becken pflügt. Die Eltern sind dann maximal noch Zuschauer. Und stets aufs Neue begeistert, wenn der Nachwuchs plötzlich mit dem Seepferdchen-Abzeichen aus der Halle zurückkommt. „Das sind die schönsten Momente“, strahlt Barbara Mergenthal, die aus der Schwimmer-Familie Goy stammt. Zwei ihrer Schützlinge hätten es sogar schon mit vier Jahren geschafft, die Freischwimmer-Prüfung abzulegen. „Das waren meine persönlichen Höhepunkte“, sagt die Abteilungsleiterin.

Für den TGH-Vorstand ist das Angebot ein Pfund. „Es trägt neben dem Turnen maßgeblich dazu bei, dass die TGH-Familie weiter jung bleibt“, sagt Arlt. Gut die Hälfte der mehr als 3600 Mitglieder ist unter 18 Jahre alt. Das Baby- und Kleinkinderschwimmen beschere dem Verein aber nicht nur immer wieder neue Mitglieder, sondern auch junge ehrenamtliche Helfer. „Wir sind hier eine große Familie“, erzählt Stefan Auerbach, der auch schon seit 30 Jahren mit im Boot ist. Nicht selten komme es vor, dass Kinder, die bei ihnen das Schwimmen gelernt hätten, später selber als Trainer ins Wasser stiegen. So wie Samuel Mergenthal. Der 13-jährige Sohn der Abteilungsleiterin lernte im Martin-Luther-Becken das Schwimmen – und gibt sein Know-How heute gemeinsam mit Mama und Papa selber an den Nachwuchs weiter. „Dass meine ganze Familie meine Leidenschaft für das Schwimmen und für die Arbeit mit Kindern teilt, ist fantastisch. Ohne das würde es aber auch nicht gehen“, sagt Barbara Mergenthal.

Angesichts der gesellschaftlichen Entwicklung, dass immer mehr Kinder nicht schwimmen können, ist sich das dreiköpfige Leitungsteam der gewachsenen Verantwortung gleichwohl bewusst. Der Spaß steht aber bis heute im Vordergrund. „Natürlich sollen die Kinder bei uns auch Schwimmen lernen, aber sie sollen Freude am Wasser haben. Deshalb steht es an erster Stelle, mögliche Ängste abzubauen – auch bei den Eltern“, erzählt Mergenthal. Natürlich ist es von Vorteil, wenn die Eltern von heute dereinst selber in der Martin-Luther-Stiftung ihre ersten Wassererfahrungen gesammelt haben. „Diese Wiederbegegnungen sind schon etwas ganz Tolles“, freut sich die Abteilungsleiterin. Auch nach 35 Jahren ist ihr die Freude an ihrer Arbeit anzumerken und verweist darauf, dass derzeit auch 7 Kinder mit Behinderungen die Kurse besuchen. Ganz im Sinne von Inklusion und entsprechend zeitgemäß. Das Lied von den drei kleinen Fischen singt sie jedenfalls immer noch voller Elan. Samstag für Samstag. Kurs für Kurs.


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