Zwölfjähriger Jousa startet persönliches Ukraine-Hilfsprojekt

Mittelbuchen
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Mit den aus der Ukraine geflüchteten Menschen mitzufühlen, das ist für Josua selbstverständlich. Aber das reicht dem zwölfjährigen Karl-Rehbein-Schüler nicht. "Ich wollte etwas bewirken", erzählt der Sechstklässler Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD). Sie begegnen sich in der Mehrzweckhalle Mittelbuchen, wo unter den derzeit untergebrachten fast 200 Geflüchteten auch rund 80 Kinder und Jugendliche im Alter von 0 bis 18 Jahren sind.

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Für die verzichtete Josua Mitte März auf eigene Geburtstagsgeschenke und sammelte stattdessen mit Elternhilfe unter Freunden, Familie, Bekannten und Geschäftsleuten Geld für Geschenke an junge Geflüchtete – passend zum orthodoxen Osterfest am 24. April. Und so sind bei der Spendenübergabe in der Mehrzweckhalle auf einem Tisch 80 Schokohasen-Paare aufgebaut, jeweils ergänzt um einen 20-Euro-Einkaufsgutschein bei Globus.

Um seinem Zeichen der Ukraine-Hilfe Nachdruck zu verleihen, will Josua auch den OB dabeihaben. Kaminsky hat gerne zugesagt. Im Beisein geflüchteter Frauen und Kinder zitiert das Stadtoberhaupt Erich Kästners Satz "Es gibt nichts Gutes, außer man tut es." Er stellt Josuas Solidarität heraus. Nachdem diese Aussage übersetzt ist, applaudieren die Menschen aus der Ukraine.

Kaminsky sagt, tausendfache solch kleiner Zeichen hälfen "unseren Erdball hoffentlich ein klein wenig menschlicher zu machen". Er nutzt die Gelegenheit, den "verbrecherischen Krieg" Russlands gegen die Ukraine zu geißeln. Und er gibt der Hoffnung Ausdruck, dass die Geflüchteten "hier bei uns ein bisschen Frieden finden können". Kein hier Lebender könne trotz Nachrichtenstudiums wirklich ermessen, was das ukrainische Volk erleiden müsse und wie "traurig und bestürzend" das sei.

Josuas Betroffenheit rührt auch daher, dass seine Mutter Natalja selbst ukrainische Wurzeln hat. Und dass sein Vater Andreas sich Mitte März mit einem Freund auf den Weg nach Polen gemacht hat, um Geflüchteten aus der Ukraine zu helfen. Eine Mutter mit ihrer Tochter und zwei kleinen verängstigten Hunden haben sie bei sich in der Familie aufgenommen, zudem kurzfristig ein älteres Ehepaar, das inzwischen sicher in Hanau untergebracht ist.

Die Eltern schildern, wie Josua mit Kriegsbeginn "uns immer wieder umarmte und sagte, dass er uns lieb hat". Und sie bewerten diese Fürsorge als "Versuch eines Kindes für seine Eltern ein sicherer Hafen zu sein – was eigentlich nicht so sein sollte".  Das habe sie "so sehr berührt", dass sie seine Geburtstags-Geldgeschenke für seine persönliche Flüchtlingshilfe angemessen aufrundeten. Durch Josuas Handeln sei ihr Verantwortungsgefühl "für unsere Mitmenschen in der Ukraine" weiter gewachsen.

Bevor Josua in der Mittelbücher Mehrzweckhalle die Ostergeschenke an die jungen Geflüchteten verteilt, soll er selbst das Wort ergreifen. Er sagt zu den ukrainischen Gästen: "Ich hoffe, dass ich euch mit den Ostergeschenken eine kleine Freude bereiten konnte.". Aber für mehr Worte reicht es nicht. Sichtlich bewegt wischt er sich die Tränen aus den Augen. Dutzende von Menschen um ihn herum spenden ihm abermals Applaus.

Foto: Josua (links) und sein Klassenkamerad und Freund Enver.
Foto: OB Claus Kaminsky (neben Josua und mit Maske) bedankt sich für die 80 Ostergeschenke.
Quelle: Stadt Hanau