Evelin Weber als "Klaa Staanemer Todefraa" und Burkhard Huwe als "Werschengel", beide vom hiesigen Geschichtsverein, führten die Teilnehmer durch die Geschichte des Friedhofs und seiner Grabstätten.

Von Kirchhöfen zu Friedhöfen: Wandel der Bestattungskultur

Zu Beginn des Rundgangs erläuterten die beiden Experten die Entwicklung der Bestattungskultur im 19. Jahrhundert. Vor der Verlegung der Friedhöfe vor die Orte im Zuge hygienischer Vorschriften, fanden Beerdigungen auf Kirchhöfen statt. Mit dem Bevölkerungswachstum und dem Platzmangel auf den Kirchhöfen, wurde der Friedhof Nord als neuer, systematisch angelegter Friedhof angelegt.

Reihengräber und Friedhofsfelder: Neue Begräbnisformen

Der Friedhof Nord spiegelte diesen Wandel mit seinen Reihengräbern und Friedhofsfeldern wider. Die Begräbniskultur selbst änderte sich ebenfalls. Früher wurden Verstorbene aufgrund der Angst vor dem Scheintod drei Tage lang zu Hause aufgebahrt. Mit dem Bau von Leichenhallen verlagerte sich dieser Prozess dorthin.

Todenfrau und Werschengel: Aufgaben und Wandel der Berufe

Die Aufgaben der "Klaa Staanemer Todefraa" und des "Werschengels" waren vielfältig. Sie kümmerten sich um die Vorbereitung der Verstorbenen, den Grabaushub und das Anlegen der Leichenhalle. In den 1960er Jahren änderten sich diese Berufe und wurden durch neue Berufsbilder abgelöst.

Denkmalgeschützte Grabstätten: Zeitreise durch Stilepochen

Nach der Einführung begaben sich die Teilnehmer auf eine Zeitreise durch die Jahrhunderte. Anhand ausgewählter, denkmalgeschützter Grabstätten erläuterten Weber und Huwe die verschiedenen Stilepochen der Bestattungskultur.

Beeindruckende Grabmale: Familiengrabstelle Rouselle und Grablege der Familien Herzing

Besonders eindrucksvoll war die klassizistische Familiengrabstelle Rouselle, gestaltet vom Bildhauer Aloys Boller aus Worms. Die Grablege der Familien Herzing hingegen zeigte den Stil der historistischen Renaissance. Die Führung führte weiter durch die Epochen bis hin zum Baustil der 1930er Jahre.

Gemütlicher Abschluss: Leichenschmaus in geselliger Runde

Den Abschluss des Jubiläums bildete, wie beim Geschichtsverein üblich, ein geselliger Leichenschmaus. Bei Speis und Trank konnten die Teilnehmer die gewonnenen Eindrücke Revue passieren lassen und sich über die Geschichte des Friedhofs Nord austauschen.

Der Friedhof Nord in Hanau-Steinheim: Ein Ort der Erinnerung und des kulturellen Erbes

Der 150-jährige Friedhof Nord in Hanau-Steinheim ist mehr als nur eine Begräbnisstätte. Er ist ein Ort der Erinnerung, der Einblicke in die Geschichte der Stadt und den Wandel der Bestattungskultur bietet. Dank des Engagements des Geschichtsvereins und der Stadt Hanau wird dieses kulturelle Erbe bewahrt und für die Zukunft lebendig gehalten.

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