Stadt will Bildungscampus im Pioneer Park Hanau kaufen

Copyright: Stadt Hanau/winhard 3d München

Wolfgang
Typographie
  • Smaller Small Medium Big Bigger
  • Default Helvetica Segoe Georgia Times

Der geplante Bildungscampus auf dem Gelände des Pioneer Park Hanau soll städtisches Eigentum werden. Dies besagt eine Vorlage an die Stadtverordnetenversammlung, der der Magistrat der Stadt Hanau in seiner letzten Sitzung zustimmte. Die Stadtverordnetenversammlung wird am 13. Juni 2022 abschließend über das Vorhaben entscheiden. Wie Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) in der jüngsten Magistratssitzung erläuterte, verfolgt die Stadt Hanau seit 2017 das Ziel, im Pioneer Park Hanau einen Bildungscampus zu errichten.

Anzeige

Die Umsetzung soll bis 2026 erfolgen. Hier soll der neue Standort der Brüder Grimm Berufsakademie Hanau (BGBA) entstehen. Zudem wird in dem Gebäude eine Dependance der Volkshochschule Hanau (VHS) sowie ein Quartierstreff, ein "Dritter Ort" beheimatet sein. "Der neue Bildungscampus im Pioneer Park Hanau wird eine absolute Vorzeigeadresse in Hanau!", versicherte der OB. Der Bildungscampus solle ein zentraler Ort für Lehre, Weiterbildung, Integration, Zusammenkunft, Kommunikation und Freizeit werden. Er bestehe aus Funktions- und Schulungsräumen sowie Räumen für Ausstellungen und Vorträge. Aufenthaltsqualität innerhalb und außerhalb des Gebäudes solle geschaffen werden und Raum für Begegnung und Austausch im Quartier und im Stadtteil Wolfgang entstehen. "Insbesondere in Bezug auf die Brüder Grimm Berufsakademie ist der Bildungscampus ein sehr wichtiger strategischer Vorwärtsschritt", erklärte Kaminsky. "Die Wettbewerbssituation auf dem Studienmarkt hat sich deutlich verschärft. Ein eigener Campus für die BGBA ist unerlässlich um weiter wahrnehmbar und attraktiv für Studieninteressierte zu sein und zu bleiben!"

Der Bildungscampus ist eine Maßnahme, die mit Mitteln des Städtebauförderprogramms "Nachhaltige Erneuerung" im "Klima-Pionier-Quartier" umgesetzt werden soll. Geplant ist, dass die Stadt Hanau den "Bruder 3" aus dem historischen Gebäudeensemble der fünf westlichen Brüder mit einem Grundstück von rund 5050 Quadratmetern zu einem Kaufpreis von 250.000 Euro von der LEG Hessen-Hanau GmbH erwirbt und für die genannten Nutzungen herrichtet. Zu den Kosten erläuterte Martin Bieberle, Chef der Stadtentwicklung: "Für den Erwerb des Bildungscampus hat der Fördermittelgeber bereits förderfähige Gesamtkosten von 260.000 Euro bewilligt." Ebenso sei die Notwendigkeit einer Modernisierung und Instandsetzung des Bruders 3 für die zukünftige Nutzung als Bildungscampus vom Fördermittelgeber grundsätzlich anerkannt. Hierfür wurden bereits Fördermittel für Gesamtkosten von 7,8 Millionen Euro bewilligt. Nachdem sich im Laufe des Jahres 2021 die Nutzungen und die hierfür erforderlichen Umbaumaßnahmen konkretisierten, habe die Stadt Hanau mit dem Förderantrag 2022 weitere Kosten von 7,2 Millionen Euro zur Förderung angemeldet, der Zuwendungsbescheid werde im Herbst 2022 erwartet, so Bieberle. "Die Kosten für die Sanierung und den energetischen Umbau des Gebäudes und der klimaangepassten Anlage des Außengeländes von zur Zeit geschätzt circa 16 Millionen Euro werden somit zu rund zwei Drittel durch Fördermittel von Bund und Land getragen."

Der Hauptnutzer des Bildungscampus, die Brüder Grimm Berufsakademie, bietet mit ihren ausbildungsintegrierten dualen Studiengängen Produktgestaltung, Designmanagement sowie und Innovationsmanagement und Marketing ein deutschlandweit einzigartiges Konzept. Sie ist aktuell noch in den Räumlichkeiten der Staatlichen Zeichenakademie Hanau untergebracht und bildet rund 100 Studierende aus. "Damit bleibt die BGBA weit hinter ihren Möglichkeiten zurück", erklärte Geschäftsführerin Elke Hohmann. Eine weitere Entwicklung sei am aktuellen Standort jedoch aufgrund mehrerer Faktoren nicht möglich: "Zum einen wird die BGBA durch die räumliche Situation kaum wahrgenommen, was einen mangelnden Bekanntheitsgrad zur Folge hat und ihre Wettbewerbssituation beeinträchtigt. Zum anderen sind geringe Entfaltungsmöglichkeiten, mangelnde räumliche Kapazitäten und institutionelle Einschränkungen - bedingt durch das Untermieterverhältnis an einer Schule - begrenzende Faktoren und hemmen ebenfalls eine nachhaltige und erfolgreiche Weiterentwicklung der Akademie", erläuterte Hohmann. Der für das Jahr 2026 angestrebte Umzug auf den Bildungscampus Pioneer Park sei für die weitere positive Entwicklung der Berufsakademie daher elementar. Die strategische Kooperation mit der Staatlichen Zeichenakademie bleibe auch in der Zukunft ein elementarer Bestandteil des Studiengangkonzepts der BGBA, betont Hohmann.

Zusätzlich soll im Pioneer Park Hanau eine Dependance der Volkshochschule Hanau (VHS) als kommunale Dienstleistungseinrichtung für Weiterbildung und Qualifizierung eingerichtet werden, damit diese ihr Angebot weiter ausbauen kann. "Insbesondere notwendig wird das durch den Zuzug von rund 5.000 Menschen allein auf dem Areal der ehemaligen Pioneer Kaserne aber auch durch die Entwicklungen in den ehemaligen Konversionsgebieten in Hanau-Wolfgang, die inzwischen zu den neuen Wohngebieten Lehrhöfer Park und Argonner Park geworden sind und dadurch bereits zu beträchtlichen Bevölkerungszuwächsen geführt haben", erläuterte Kaminsky. Darüber hinaus solle in räumlicher Nähe zu "Sportsfield" für die dort lebenden Geflüchteten ein entsprechendes Angebot etabliert werden. "Volksbildung auch als wichtiger Bestandteil einer sich stark verändernden Gesellschaft, muss als kommunale Aufgabe einen Platz und einen Ort dort haben, wo die Menschen leben und direkt miteinander in Kontakt kommen", bekräftigte der OB.

Auch aus diesem Grund soll neben den beiden Bildungseinrichtungen im Bildungscampus ein Quartierstreff als "Dritter Ort" entstehen, der neben dem "Ersten Ort" (Arbeitsstätte/ Schule) und dem "Zweiten Ort" (Familienleben) als Treffpunkt für die nachbarschaftliche Gemeinschaft genutzt werden kann. "Das Ziel besteht darin, einen kommunalen Kommunikations-, Kultur- und Lernort zu schaffen, an dem kulturelle und soziale Teilhabe gemeinwohlorientiert, generationenübergreifend und ohne jedwede Hürden möglich gemacht wird", so Kaminsky. Dieser Treffpunkt solle barrierefrei zugänglich und für alle Bürgerinnen und Bürger nutzbar sein.

Im Außenbereich des "Bruders 3" ist nach jetzigem Planungsstand unter anderem eine Aktionsfläche in Form eines Amphitheaters vorgesehen, weiß der OB zu berichten. Sie biete nicht nur Raum für kleine Veranstaltungen, Aufführungen und Konzerte, sondern diene gleichzeitig als Lichthof und weiterer Zugang ins Gartengeschoss zum Quartierstreff, dem "Dritten Ort". Die Außenflächen sollen von allen Einrichtungen gemeinsam genutzt werden können und ein Lern-, Treff- und Kommunikationsort mit hoher Aufenthaltsqualität sein. "Die Gestaltung der Grünflächen wird die Erholungsbedarfe der Menschen ebenso berücksichtigen wie die Aspekte der Klimaanpassung. Hinzu kommen Flächen zum Parken, eine kleine Ladestation für E-Autos und E-Bikes, großzügige Fahrradabstellplätze mit Gründächern sowie eine gute Wegeführung in und mit der Umgebung", erklärte Kaminsky. Der Außenbereich sie zudem für gelegentliche gastronomische Nutzungen im Kontext Campus und selbstorganisierte Campus- und Quartiersfeste geeignet.

Synergieeffekte mit den Entwicklungen im unmittelbaren Umfeld seien zu erwarten, berichtete der OB: Dazu zähle insbesondere der im "Bruder 5" ansässige Makerspace ,,PioneerMakers", der Start-ups und Menschen ein Forum für neue Lebens­ und Arbeitskonzepte bietet. "PioneerMakers" offeriere neben der Möglichkeit des Co-Workings auch ein New Work-Trainingsgelände für Teams aus Unternehmen und funktioniere als Testumgebung für neue Geschäftsideen und Arbeitskonzepte. "Die räumliche Konzentration dieser innovativen Lern- und Arbeitsumgebungen ist ein sehr guter Nährboden, um neues Wissen generieren und transferieren zu können", so Kaminsky.

In räumlicher Nähe zum Bildungscampus soll in der ehemaligen Kantine der US­ Army, dem denkmalgeschützten "Kasino", ein Ort für betreutes Wohnen entstehen. "Das Angebot im Bildungscampus ermöglicht es den Seniorinnen und Senioren ohne große Umstände und lange Wege am sozialen Leben teilzunehmen. Gleichzeitig bildet diese Nutzergruppe auch Potential für erweiterte Angebote der VHS und darüber hinaus für generationenübergreifende Aktionen, gegenseitige Bereicherung und Erfahrungsaustausch für alle Menschen im Quartier", erläuterte Kaminsky Die Bewohnerinnen und Bewohner im östlichen Teil von Sportsfield Housing leben in Wohnungen, die nach dem Abzug der US-Army zur Unterbringung von Geflüchteten genutzt werden und nur durch die Aschaffenburger Straße räumlich vom Pioneer Park getrennt sind. "Auch sie werden von den Entwicklungen im Bildungscampus profitieren", ist sich der OB sicher. Der Quartierstreff als "Dritter Ort" werde einen wesentlichen Beitrag zur sozialen und kulturellen Integration leisten. Aufgrund des angespannten Wohnungsmarkts in der Region sowie der weiterhin zu erwartenden Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine sei absehbar, dass diese Wohnungen auf Sportsfield Housing perspektivisch noch über Jahre zur Unterbringung von Geflüchteten genutzt werden müssen. "Es ist unsere erklärte Absicht, die Bedürfnisse der dort lebenden Menschen bei den im Stadtteil Wolfgang und auf Pioneer entstehenden sozialen Einrichtungen zu berücksichtigen", so der OB.

Im westlichen Teil von Sportsfield, dem Gelände der ehemaligen Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Hessen, wird ein Aus- und Fortbildungsstandort der Zollverwaltung Einzug halten. Mittelfristig werden hier rund 300 junge Menschen lernen und arbeiten. Auch die Einrichtung von Unterkünften ist in diesem Zusammenhang vorgesehen. Auch hier sind Synergieeffekte mit dem Bildungscampus zu erwarten. "Der Bildungscampus im Pioneer Park Hanau wird unsere Stadt und ihre Bürgerinnen und Bürger um auf vielfältige Art und Weise bereichern und ist ein großer Schritt in die richtige Richtung", so Kaminsky abschließend.

bildungscmpioneer az

bildungscmpioneer az1

Copyright: Stadt Hanau/winhard 3d München