Fünf Jahre tierische Landschaftspflege und Booster für die Artenvielfalt

Hasselroth
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Als im November 2016 das Beweidungsprojekt der HGON (Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz e.V.) in Hasselroth startete, hätten sich die Initiatoren und Betreiber selbst nicht vorstellen können, welche unglaublichen Erfolge für die Natur in so kurzer Zeit verzeichnet werden können.

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Dieses Jahr besteht das Projekt am Naturschutzgebiet „Hässeler Weiher von Neuenhaßlau“ bereits fünf Jahre.

Inspiriert durch ähnliche Projekte, welche unter dem Motto „rewilding Europe“ in vielen europäischen Ländern betrieben werden, haben sich die Vorsitzenden des HGON Arbeitskreises Main-Kinzig, Andreas Höfler und Dr. Ralf Sauerbrei über viele Jahre mit den Planungen und der praktischen Umsetzung befasst. Viele Projekte dieser Art haben bereits internationale Anerkennung gefunden und sind touristische Anziehungspunkte, nicht nur für Naturschutz-Insider. In der „Geltinger Birk“, den „Cuxhavener Küstenheiden“ oder auch in der ungarischen Puszta können sich naturinteressierte Urlauber bei seltenen Beobachtungen von Tierarten, wie z.B. dem Seeadler, erholen oder sich einfach an den genügsamen Weidetieren erfreuen.

Die Beweidung durch große Tiere, wie in Neuenhaßlau durch Rinder und Pferde, hilft vielen seltenen Arten sich in diesem Gebiet zu etablieren oder bestandsbedrohte Arten im Gebiet zu erhalten. Rohboden, welcher durch den Tritt der Tiere verursacht wird, ist ein bevorzugtes Keimbett unserer heimischen Orchideen. Im Frühjahr, Ende April kann man auf der Fläche über eintausend Exemplare des Breitblättrigen Knabenkrautes entdecken. Seine farbenfrohen Blütenstände locken ihrerseits viele Insekten zur Bestäubung an. Die Bestände anderer bedrohter Pflanzarten, wie Sandglöckchen oder Heidenelken und weiterer Orchideenarten entwickeln sich ebenso positiv.

Auch der Dung der Tiere ist für die Biodiversität auf der Weide von grundlegender Bedeutung. Vom Dung lebende Insekten sind wertvolle Nahrungsquellen für viele Vogelarten, Säugetiere und Reptilien. Monitoringberichte belegen, dass sich auch die Artenvielfalt der Vögel in den letzten fünf Jahren deutlich gesteigert hat. Hier hat sich zum Beispiel aus vorher nur einem Paar, das größte Vorkommen des seltenen Rohrschwirls in Hessen entwickelt und es existieren drei bis viermal so viele Reviere des Neuntöters als zu Beginn des Projektes. Auf der Weide leben alle in Hessen heimischen Spechtarten. Braunkehlchen, Wiedehopf und verschiedene seltene Watvögel nutzen die Weide regelmäßig als Rastbiotop während des Frühjahrs- und Herbstzuges und profitieren von dem erhöhten Nahrungsangebot. Auch die Populationen von Kleintieren, wie Fledermäusen, Reptilien und Amphibien haben über die Projektlaufzeit zugenommen.

Neben dem Wald, stellt extensiv bewirtschaftetes Grünland zudem einen der wichtigsten natürlichen CO2-Speicher dar. Gräser bilden den größten Teil ihrer Biomasse unterirdisch in Form von feinsten Wurzeln. Deren Wachstum wird durch jedes Abbeißen des Grases über der Bodenoberfläche angeregt. Dadurch speichert der Boden in extensiv bewirtschafteten Weiden z. T. mehr Kohlendioxid als Waldboden. Auf diese Weise wirkt das Weideprojekt am Hässeler Weiher auch dem Klimawandel entgegen. „Unser Beweidungsprojekt ist auf multifaktorielle Art und Weise ein Gewinn für Umwelt und den Menschen und aus meiner Sicht dadurch eines der innovativsten Naturscchutzprojekte im Main-Kinzig-Kreis“, verdeutlicht Biologe und HGON-Projektträger Dr. Ralf Sauerbrei.

Die Anerkennung als Projekt der „UN-Dekade Biologische Vielfalt“ im Jahr 2019 hat den Betreuer des Projektes Andreas Höfler bestätigt, seine Bemühungen für den Umweltschutz mit großem Engagement weiterzuführen. „Wir freuen uns besonders über die vielen positiven Rückmeldungen aus der Bevölkerung“, so Höfler. „Es ist eine win-win-Situation für Mensch und Natur entstanden, das möchte ich gerne im Auftrag der HGON noch ausweiten und Lebensräume für weitere bedrohte Tier- und Pflanzenarten schaffen. Die Förderung der Biodiversität ist eine der großen Aufgaben um eine lebenswerte Zukunft für unsere Kinder und Enkelkinder zu gestalten“. Auch erwähnen möchte Höfler die freiwilligen Helfer und privaten Flächeneigentümer, die Grundstücke für das Projekt zur Verfügung gestellt haben. „Ich habe viel Hilfe und Unterstützung in den verschiedensten Bereichen bekommen und ich möchte mich von Herzen bei allen bedanken, die die HGON und mich durch praktische Mithilfe und durch die Überlassung von Grundstücken unterstützt haben und weiter unterstützen. Jede Hilfe zählt!“ Die HGON bietet nach wie vor Führungen zur Weide auf Anfrage an und führt gemäß der Pandemielage auch ab dem kommenden Frühjahr wieder regelmäßig öffentliche Führungen zu den Heckrindern und Koniks durch. Im Frühling werden nun auch wieder Fohlen erwartet, die es bisher nur im ersten Jahr nach Projektbeginn zu sehen gab.

Wer die HGON und das Beweidungsprojekt unterstützen möchte kann eine steuerlich absetzbare Spende an den HGON Arbeitskreis Main-Kinzig mit dem Konto IBAN DE80 5066 3699 0000 0871 30 der Raiffeisenbank Rodenbach senden. Mehr Infos zum Projekt findet man unter www.hgon-mkk.de

Foto: Die Weide liegt direkt an der Bahnlinie Hanau-Fulda.

Foto: Rinder und Pferde grasen friedlich gemeinsam.

Foto: Junge Neuntöter auf einem Weidepfosten.



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