Beweidungsprojekt Hässeler Weiher will weiter wachsen

Hasselroth
Typographie
  • Smaller Small Medium Big Bigger
  • Default Helvetica Segoe Georgia Times

Viel hat die HGON, die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz, schon erreicht: Das Beweidungsprojekt im Naturschutzgebiet "Hässeler Weiher von Neuenhaßlau" läuft erfolgreich seit fünf Jahren und hat die Artenvielfalt der heimischen Natur nachweislich verbessert.

genauweiherhassel az

Jetzt bringt ein Gewinn der Umweltlotterie GENAU dem Umweltprojekt 5000 Euro. Sie sollen dem Bau von Zäunen auf neuen Flächen dienen. Die Gespräche zur Ausweitung der Beweidungsfläche sind in vollem Gange.

Ebenso nützliche wie schön anzusehende Konik-Pferde und Heck-Rinder tummeln sich seit 2016 auf dem Naturschutzgebiet "Hässeler Weiher von Neuenhaßlau". Sie beweiden ganzjährig das inzwischen durch Zukäufe und Pacht auf 20 Hektar vergrößerte Gebiet zwischen Langenselbold und Hasselroth, der Kinzig und der Bahnstrecke Frankfurt-Bebra. Verantwortlich dafür ist die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON), die sich für den Erhalt der Artenvielfalt engagiert, etwa durch ihren Einsatz für naturnahe Wälder und Flussauen. Inspiriert durch ähnliche Projekte, welche unter dem Motto „rewilding Europe“ in vielen europäischen Ländern betrieben werden, hatten sich die Vorsitzenden des HGON Arbeitskreises Main-Kinzig, Andreas Höfler und Dr. Ralf Sauerbrei, über viele Jahre mit den Planungen und der praktischen Umsetzung befasst.  Die Beweidung durch die großen Tiere hilft vielen seltenen oder bestandsgefährdeten Arten, sich im Naturschutzgebiet zu etablieren oder zu halten. „Der Rohboden, den die Tritte der Tiere entstehen lassen, ist ein bevorzugtes Keimbett unserer heimischen Orchideen. Ihre farbenfrohen Blütenstände locken ihrerseits viele Insekten zur Bestäubung an. Die Bestände anderer bedrohter Pflanzarten, wie Sandglöckchen oder Heidenelken und weiterer Orchideenarten entwickeln sich ebenso positiv“, erklärt Höfler. Und auch der Dung der Tiere ist für die Biodiversität auf der Weide von grundlegender Bedeutung. Vom Dung lebende Insekten sind wertvolle Nahrungsquellen für viele Vogelarten, Säugetiere und Reptilien. „Wir wissen aus Monitorings, dass sich auch die Artenvielfalt der Vögel in den letzten fünf Jahren deutlich gesteigert hat.  Hier hat sich zum Beispiel aus vorher nur einem Paar das größte Vorkommen des seltenen Rohrschwirls in Hessen entwickelt, und es existieren drei bis viermal mehr Reviere des Neuntöters als zu Beginn des Projektes. Auf der Weide leben alle in Hessen heimischen Spechtarten, Braunkehlchen, Wiedehopf und verschiedene seltene Watvögel, sie nutzen die Weide regelmäßig als Rastbiotop während des Frühjahrs- und Herbstzuges und profitieren von dem erhöhten Nahrungsangebot. Auch die Populationen von Kleintieren wie Fledermäuse, Reptilien und Amphibien haben über die Projektlaufzeit zugenommen“.

Damit zukünftig noch mehr blühender und reichhaltiger Lebensraum für die Natur und Umwelt zur Verfügung stehen kann, bemühen sich die beiden Verantwortlichen der HGON aktuell um neue, ergänzende Flächen, die ebenfalls der Beweidung zugeführt und mit einem entsprechenden Zaun abgesichert werden sollen. Die finanziellen Mittel stehen jetzt zur Verfügung, dank eines Gewinns bei der Umweltlotterie GENAU für ein Umweltprojekt. 5000 Euro spülte dieser Gewinn in die Kassen der Umweltschützer. Nun laufen Gespräche mit Verantwortlichen der Gemeinde Hasselroth als Eigentümerin der ersehnten Brachflächen. Eine Entscheidung steht aktuell bevor. „Wir würden uns das für unser Naturschutzprojekt sehr wünschen, die Weideflächen ausdehnen zu können, sehen aber auch die Interessen der örtlichen Jägerschaft, die dem Weideprojekt kritisch gegenübersteht“, so Höfler.

Das Projekt „Ganzjährige Multispeziesbeweidung im NSG "Hässeler Weiher von Neuenhaßlau"“ ist das 31. Projekt im Main-Kinzig-Kreis, das seit dem Start der Umweltlotterie GENAU den Zusatzgewinn für die Umwelt erzielen konnte. Der Main-Kinzig-Kreis profitierte damit bislang von einer Umweltförderung aus der Lotterie GENAU in Höhe von insgesamt 155.000 Euro für seine Umweltprojekte. Bewerbungen für den GENAU-Zusatzgewinn können jederzeit unter www.genau-lotto.de/projekteinreichen angemeldet werden. Sie werden dann nach fachlicher Prüfung durch den Umweltprojektbeirat in den Kreis der zur Auswahl stehenden Umweltprojekte aufgenommen.

Das Spielprinzip der 2016 gestarteten Umweltlotterie GENAU von LOTTO Hessen ist weltweit einmalig: Jeder Tipper gibt auf seinem Spielschein eine hessische Postleitzahl an und erhält pro Los eine fünfstellige Identifikationsnummer, die sogenannte Los-ID. Aus allen teilnehmenden Losen wird dann die Los-ID gezogen, auf die der garantierte Hauptgewinn von mindestens 10.000 Euro entfällt und die gleichzeitig den Gewinner-Landkreis bestimmt. Alle teilnehmenden Lose im Landkreis oder der kreisfreien Stadt des Hauptgewinners gewinnen, außerdem ein Umweltprojekt. Welche Natur- und Umweltprojekte mit dem 5.000 Euro-Zusatzgewinn gefördert werden, entscheiden die jeweiligen Wochengewinner von GENAU.

Foto: Konik-Pferde und Heck-Rinder tummeln sich seit 2016 auf dem Naturschutzgebiet "Hässeler Weiher von Neuenhaßlau" entlang der Bahnstrecke Frankfurt-Fulda. Quelle: HGON