Wohnen im Alter: Senioren wollen zu Hause bleiben

Hasselroth

Dieses Ergebnis überrascht nicht: Die Mehrheit der Hasselrother Bürgerinnen und Bürger über 50 Jahren, die an der Befragung zum Thema „Wohnen im Alter“ teilgenommen haben, wollen in ihren eigenen vier Wänden wohnen bleiben.

Morgenpost
Kreiswerke Main-Kinzig

Über 75 Prozent erklärten, dass sie ihre Wohnung auch zu einem späteren Zeitpunkt nicht verlassen wollen. 949 von 3.321 angeschriebenen Bürgern haben an der Befragung teilgenommen, dazu kommen noch 28 Fragebögen von Ehepaaren, so dass die Gesamtteilnehmerzahl bei 977 liegt. Die Befragung soll als Grundlage für die Entscheidung über den Bau einer Einrichtung für Senioren in Hasselroth dienen.

Das größte Interesse an diesem Thema scheint dabei im Ortsteil Neuenhaßlau zu bestehen, denn von dort kamen 412 Fragebögen zurück, aus Niedermittlau wurden 379 und aus Gondsroth 163 ausgewertet. 23 Fragebögen hatten keine Ortsangabe. Darunter waren 522 Frauen, 431 Männer und 24 Fragebögen ohne Geschlechtsangabe. Das Alter der Teilnehmer der Umfrage liegt zwischen 50 und 93 Jahren, das Durchschnittsalter bei 61,84 Jahren. 299 Teilnehmer waren im Alter zwischen 50 und 60 Jahre, 678 waren über 60 Jahre alt.

Bei den Wohn-Wünschen im Alter waren Mehrfachnennungen möglich, das Ergebnis war dennoch eindeutig: 75,54 Prozent wollen in ihrer bisherigen Wohnung bleiben. Einen Umzug in eine betreute Wohnanlage könnten sich 69,91 Prozent vorstellen, fast genauso viele legen aber auch dort großen Wert auf ihre Privatsphäre und wollen in einer eigenen Wohnung leben. Um nicht zu vereinsamen, wünschen sich viele Senioren zusätzlich einen Gemeinschaftsraum für alle Bewohner. Als Gründe für den Umzug in eine Seniorenanlage gibt die Mehrheit fehlende Mobilität und Schwierigkeiten bei der Hausarbeit an. Beim Wohnungstyp wird von knapp 60 Prozent eine Zweizimmer-Wohnung mit Küche und Bad favorisiert.

Bei der Frage nach den Anforderungen an eine seniorengerechte Gemeinde steht die ärztliche Versorgung an erster Stelle. Aber auch die Anbindung an den Öffentlichen Nahverkehr, die Nähe zu Banken und Behörden, Kultur- und Freizeitangebote sowie Vereinsangebote für Senioren haben einen hohen Stellenwert. Einkaufsmöglichkeiten kamen bei diesem Punkt nur auf knapp über 40 Prozent. Bei den Dienstleistungen von Dritten ist ein Notrufsystem besonders gefragt, was beim Wunsch nach einem Verbleib in der eigenen Wohnung aber auch nicht überrascht. Putz- und Einkaufsdienste werden ebenfalls überdurchschnittlich gefordert.

Unsicher wurden viele Teilnehmer bei der Frage nach dem gewünschten Pflegetyp und kommentierten diese Frage handschriftlich. Beanstandet wurde, dass die Beantwortung abhängig sei von der individuellen Pflegebedürftigkeit im Alter und eine eindeutige Antwort jetzt nicht möglich sei. Die Auswertung in diesem Punkt ergab, dass 62,64 Prozent eine Tagespflege wünschen, 21,29 Prozent eine Nacht- und 34,70 Prozent eine Kurzzeitpflege. Eigene Vorschläge konnten die Teilnehmer bei der Frage nach wünschenswerten Angeboten für Senioren in der Gemeinde machen. Genannt wurden hier ein Park oder eine Grünanlage mit Sitzgelegenheiten, Fitnessraum, Schwimmbad, Mehrgenerationenhaus, Internet, Bezahlbarkeit, Seniorenbeirat sowie Angebote wie Basten, Weiterbildungen und gemeinsame Ausflüge.

Ebenfalls ein Ergebnis der Befragung: Nicht einmal die Hälfte der Bürger über 50 Jahren haben sich bislang überhaupt mit dem Thema „Wohnen im Alter“ beschäftigt. 40,74 Prozent erklärten, sich darüber bereits Gedanken gemacht zu haben, nur 18,42 Prozent haben sich über die entsprechende Finanzierung informiert und dabei beispielsweise mit Fördermitteln, Zuschüssen und Pflegestufen vertraut gemacht. Exakt 59,98 Prozent erklärten, zu einem Umzug in eine Einrichtung in Neuenhaßlau bereit zu sein. Dort hat die Gemeinde hinter der Grundschule derzeit ein Grundstück für den Bau einer Senioreneinrichtung reserviert.

Im letzten Punkt der Befragung ging es um die aktuelle Wohnsituation. Die große Mehrheit lebt demnach momentan zu zweit im eigenen Haus. Die überwiegend zur Verfügung stehende Wohnfläche liegt dabei zwischen 101 und 150 Quadratmetern. Aber obwohl viele Senioren in ihrer eigenen vier Wänden alt werden wollen, ist nur ein verschwindend geringer Teil der derzeit bewohnten Wohnungen und Häuser vollständig barrierefrei. Das Wohnumfeld der Hasselrother Seniorinnen und Senioren ist zum Großteil ebenfalls nicht oder nur teilweise barrierefrei.

Mit den Ergebnissen der Bürgerbefragung soll sich jetzt zunächst der Sozialausschuss der Hasselrother Gemeindevertretung beschäftigen.


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