„Wir wollen nicht provozieren, wir wollen Aufmerksamkeit für unsere Sache erregen.“






Klaus Weingärtner stellte am Mittwochabend mit seinen Mitstreitern erstmals die Ziele der Bürgerinteressengruppe Umgehungsstraße Hasselroth einer breiten Öffentlichkeit vor. Und das Interesse war groß: Über 80 Bürgerinnen und Bürger kamen ins Schützenhaus Gondsroth und wollten wissen, wie die Chancen auf eine Entlastung von Dreck und Lärm durch den Durchgangsverkehr stehen. Die Antwort liegt irgendwo zwischen Ernüchterung und Hoffnung: Letztlich hängt es davon ab, ob das Hessische Verkehrsministerium bereit ist, den Hasselrother Teil der einst gemeinsam mit Freigericht geplanten Umgehungsstraße doch noch zu bauen.
Darum geht es: Ursprünglich sollte eine Umgehungsstraße von Horbach und Neuses aus an Altenmittlau und Somborn vorbei und dann zwischen Gondsroth und Niedermittlau hindurch über die neue Bahnüberführung, die spätestens Anfang 2016 fertig sein soll, laufen und dann den Verkehr zum Autobahnanschluss Rothenbergen leiten. Nach 40 Jahren Hoffnung und 30 Jahren Planung lehnte die Freigerichter Gemeindevertretung die bereits ausgearbeiteten Pläne im Mai 2012 überraschend ab. „Ich bitte um Nachsicht, dass ich aus Freigericht komme, aber ich habe damals mit meiner Fraktion die Hand an der richtigen Stelle gehoben“, musste sich der Landtagsabgeordnete und CDU-Fraktionsvorsitzende in der Nachbarkommune, Hugo Klein, am Mittwochabend dennoch deutliche Kritik an der damaligen Ablehnung anhören. Vor allem die geplanten weiteren Bau- und Gewerbegebiete in Freigericht stießen auf Unverständnis. „Von dem Geld haben wir nichts, aber dafür den Verkehr“, unterstellte Jürgen Grün von der Bürgerinteressengruppe dem Freigerichter Bürgermeister Joachim Lucas gar einen „kleinen Denkfehler“, wenn er eine vor kurzem installierte Ampelanlage für sinnvoll erachte, da es in absehbarer Zeit keine Umgehungsstraße geben werde und diese Straße, die direkt nach Gondsroth führt, weiter stark befahren werde. „Es war doch dieser Bürgermeister, der mit seiner Partei die Umgehungsstraße abgelehnt hat“, erntete Grün zumindest bei den anwesenden 80 Bürgerinnen und Bürgern dafür Zustimmung. Ein wichtiges Argument für den Bau einer Umgehungsstraße könnte auch die neue Bahnüberführung in Niedermittlau werden. „Wie sinnvoll ist die Beseitigung der Schranken ohne Umgehungsstraße?“, werde laut Grün zwar die Bahnhofssiedlung von Lärm und Dreck befreit, dafür sei allerdings ein verstärktes Verkehrsaufkommen im Niedermittlauer Altdorf zu erwarten.
Das will die Bürgerinteressengruppe nicht akzeptieren und daher den Druck auf die Landesregierung erhöhen. Bis Ende März sollen die verkehrstechnischen Untersuchungen abgeschlossen sein, mit denen vor allem geprüft wird, ob über eine Ortsumgehung Hasselroth tatsächlich genügend Fahrzeuge rollen und die Ortsdurchfahrten entlastet werden würden. Für Bürgermeister Uwe Scharf steht dies außer Frage: „Mir kann niemand erzählen, dass eine Wirkung für Hasselroth geringer wäre, nur weil Freigericht wegfällt“, plädierte er zudem dafür, dass das in den vergangenen 40 Jahren für die Planung verwendete Geld „nicht einfach in den Wind geschossen wird“. Ein Szenario wie in Freigericht, wo binnen weniger Wochen die Stimmung kippte und die Umgehungsstraße dann von der Gemeindevertretung abgelehnt wurde, schließt er für Hasselroth aus: „In der Kernsumme sind wir uns einig“, erklärten auch Christian Benzing (SPD), Klaus Breideband (CDU), Jürgen Roth (SWG) und Karl Steiß (LINKE/per vorgelesener E-Mail), dass ihre Fraktionen und Parteien die Forderung nach einer Verkehrsentlastungen für die drei Hasselrother Ortsteile auch in Zukunft unterstützen werden.
Der Landtagsabgeordnete Hugo Klein ging sogar noch einen Schritt weiter: „Ich gebe ihnen mein Ehrenwort, dass dies eine der Aufgaben sein wird, die ich in den nächsten fünf Jahren ganz akribisch bearbeiten werde.“ Womit zu den zeitlichen Erwartungen schon alles gesagt war: Selbst bei positiven Signalen aus Wiesbaden würde ein Planfeststellungsverfahren wohl mindestens drei Jahre dauern, bis zum ersten Spatenstich wäre es auch danach noch ein weiter Weg. Der neue Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Bündnis 90/Die Grünen) ist für Klein zwar ein – bislang eher unangenehmer – alter Bekannter, den ebenfalls neuen zuständigen Staatssekretär Mathias Samson hat er bislang noch gar nicht kennengelernt. Allerdings bestehe die Hoffnung, dass die Sachbearbeiter im Ministerium, die mit dem Thema bereits vertraut sind, auf ihren Posten bleiben.
In Kürze wollen sich auch die Mitglieder Bürgerinteressengruppe Umgehungsstraße Hasselroth davon ein Bild machen. Noch vor Bekanntgabe der verkehrstechnischen Untersuchungen sollen Unterschriftenlisten in Wiesbaden übergeben werden, um die Forderung nach einer Verkehrsentlastung zu untermauern. Zudem sind weitere Aktionen geplant, die nächste am Ortseingang von Neuenhaßlau. „Außerdem gibt es weiterhin die Möglichkeit, auf der Hauptstraße zu parken“, forderte Jürgen Grün von der Bürgerinteressengruppe die Anwohner auf, ihre Fahrzeuge auf der Durchgangsstraße, hier besteht nur in wenigen Bereichen ein Parkverbot, abzustellen. Was allerdings dann bei dem hohen Verkehrsaufkommen in Gondsroth passiert, war bei den beiden geplanten „Park-Aktionen“ zu sehen: Binnen Minuten kam der Verkehr fast komplett zum Stillstand.
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