Am Donnerstagabend will die Bürgerinteressengruppe auf einer öffentlichen Sitzung über die Absage der Umgehungsstraße Hasselroth beraten.
Am Donnerstagabend will die Bürgerinteressengruppe auf einer öffentlichen Sitzung über die Absage der Umgehungsstraße Hasselroth beraten.
Ab 19.30 Uhr sind alle Bürgerinnen und Bürger in das Schützenhaus in Gondsroth eingeladen. Laut Jürgen Grün von der Interessengruppe soll vor allem „das für uns doch sehr enttäuschende Ergebnis inhaltlich und sachlich“ bewertet werden und zugleich die weitere Vorgehensweise abgestimmt werden. Die erste Reaktionen nach dem Termin mit dem Hessischen Wirtschafts- und Verkehrsministerium sind parteiübergreifend nahezu identisch. Neben Frust und Enttäuschung herrscht vor allem Ratlosigkeit, wie jetzt doch noch in absehbarer Zeit eine Verkehrsentlastung für die drei Hasselrother Ortsteile erreicht werden könnte. Wir sind ein Tag nach der Entscheidung auf Stimmenfang gegangen.
Hugo Klein (CDU-Landtagsabgeordneter), der bei dem Termin in der Neuenhaßlauer Zehntscheune dabei war: „Von dem Ergebnis des Gesprächs mit den Vertretern des Ministeriums bin ich mehr als enttäuscht. Ich hatte mir zumindest andere Konsequenzen aus den Ergebnissen vorgestellt. Jetzt gilt es aber nicht nachzulassen und neue Strategien zu überlegen. Meine uneingeschränkte Unterstützung ist nach wie vor sicher.“
Der SPD-Landtagsabgeordnete Christoph Degen kündigt an, die Begründung des Ministeriums zu hinterfragen: „Es ist mehr als bitter, dass die geplagten Bürgerinnen und Bürger nach 40 Jahre Planungszeit nun doch nicht vom zunehmenden Verkehr und seinen Folgen entlastet werden sollen. Die 844.00 Euro Planungskosten sind jetzt einfach weg, diesen Umgang mit Steuergeldern muss die Landesregierung den Steuerzahlern erst mal erklären. Die Bürgerinnen und Bürger haben viel Engagement gezeigt, um auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen. Ich finde es bedauerlich, dass es vor diesem Hintergrund von Seiten des Verkehrsministeriums nun heißt, eine Ortsumgehung würde Hasselroth nicht entlasten.“
Andreas Wicklein (CDU-Vorsitzender Hasselroth): „Ich denke, es ist nicht übertrieben zu sagen, dass die Entscheidung ein Dolchstoß in all die, von dem enormen Verkehrsaufkommen geplagten Bürger war. Die Aussage, dass keine nennenswerte Entlastung durch den Bau einer kleinen Ortsumgehung entsteht, kann ich nicht teilen. Bei der momentan baulichen Situation zwischen Niedermittlau/Bahnhofsiedlung und Rothenbergen möge dies vielleicht der Fall sein, aber sobald die Bauprojekte Beseitigung des höhengleichen Bahnübergang und der Ausbau der Kinzigbrücke, die dann für den Schwerlastverkehr geeignet ist, fertig sind, wird der Verkehr sukzessiv ansteigen. Zudem ist in der Stellungnahme aus Wiesbaden von einer Geschwindigkeitsbegrenzung die Rede, die meines Wissens nach besteht, weshalb ich unter anderem auch eine genau durchgeführte Prüfung des Projektes anzweifle. Wir werden uns weiter für die Belange der Lärm geplagten Bürger einsetzen. Die ‚Demos‘, das nicht ordnungswidrige Parken, halte ich selbst für ein sehr wirkungsvolles Instrument. Die Ortsdurchfahrten der Gemarkung Hasselroth werden für viele Pendler eventuell unattraktiv, da mit Stau zu rechnen ist und diese sich für einen anderen Weg entscheiden.“
Christian Benzing (SPD/FDP-Fraktionsvorsitzender): „Natürlich sind wir enttäuscht und frustriert, dass 40 Jahre Arbeit und einiges an Geld wohl für den Papierkorb waren. Aber nach dem Freigerichter Beschluss 2012 und den Entscheidungen der Hessischen Landesregierung in Infrastrukturfragen im letzten Jahr war damit schon zu rechnen, daher sind wir gar nicht besonders überrascht. Wir bleiben dabei: Große Lösung Ortsumgehung bleibt unser Ziel, für die Entlastung aller Ortsteile. Die Zustände sind nicht mehr tragbar. Aber auch kleine Lösungen müssen jetzt her. Wir hatten bereits 2012 beantragt, zu prüfen ob und wie der Schwerlastverkehr aus Gondsroth rausgehalten werden kann. Hier ist bislang nichts passiert, wir warten noch auf Aussagen dazu.“
Matthias Pfeifer von der Sozialen Wählergemeinschaft (SWG): „Das ist kein schöner Tag für Hasselroth. Man kann die Politikverdrossenheit ja schon verstehen, wenn solche, mir nicht nachvollziehbaren, Entscheidungen getroffen werden. Es ist schade, dass die Fakten wie heutiges und zukünftiges Verkehrsaufkommen anscheinend keine Rolle gespielt haben. Mir tun vor allem die Mitstreiter der IG Umgehungsstraße leid, die mit soviel Herz und Leidenschaft immer sachlich unterwegs waren. Deren Engagement war einzigartig. Wir alle müssen jetzt noch mal schauen, was noch möglich ist beziehungsweise ob noch was möglich ist!“
Uta Böckel (1. Beigeordnete und SPD-Vorsitzende in Hasselroth): „Das ist natürlich eine Katastrophe für alle drei Ortsteile. Denn neben den Anwohnern in Gondsroth hoffen auch in Niedermittlau viele junge Familien, die im Rahmen der Dorferneuerung alte Höfe saniert haben, auf eine Verkehrsentlastung. Es ist jetzt an der Zeit über alternative Maßnahmen nachzudenken, die SPD wird dazu in den nächsten Wochen mehrere Punkte vorstellen.“
Kritisch sieht der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Helmut Müller (SPD), weiterhin, dass das Gespräch mit dem Ministerium ohne Beteiligung des Parlaments stattgefunden hat: „Ich halte das für ein merkwürdiges Demokratieverständnis der Hessischen Landesregierung und finde es auch seltsam, dass sich der Bürgermeister dies gefallen lässt. Für die Bürger bleibt jetzt nur noch der zivile Ungehorsam, um den öffentlichen Druck zu erhöhen.“
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